17.06.2005 17:33
Cyclist
Italienfan

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Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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Realitätsverlust bei dem Sponsor der Deutschlandtour:
| Zitat: |
Die Fernsehzeitschrift "TV Spielfilm" bleibt Hauptsponsor der Deutschland-Rundfahrt (15.- 23. August). Verlagsleiter Michael Kleinjohann sagte, die "zweitwichtigste Radsport-Veranstaltung nach der Tour de France weltweit" biete eine "attraktive Eventplattform" für seine "junge und dynamische Zielgruppe".
Quelle:rsn |
Zweitwichtigste Radsportveranstaltung weltweit? Hat der Herr Verlagsleiter schon mal was von Giro und Vuelta gehört? Glaubt der überhaupt, was er sagt? Ich habe selten so gelacht wie nach dieser Aussage.... vielleicht hat er auch nur die Bedeutung von weltweit und deutschlandweit verwechselt....
__________________ Cosa ti piacerebbe fare dopo l’agonismo?
Cipollini: «Ritirarmi in Sudafrica, aprire una vineria, una scuola di ciclismo, e stare lì, in mezzo alla natura».
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17.06.2005 22:41
Brägel
verheiratet

Dabei seit: 25.02.2002
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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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| Zitat: |
Original von Cyclist
Realitätsverlust bei dem Sponsor der Deutschlandtour:
| Zitat: |
Die Fernsehzeitschrift "TV Spielfilm" bleibt Hauptsponsor der Deutschland-Rundfahrt (15.- 23. August). Verlagsleiter Michael Kleinjohann sagte, die "zweitwichtigste Radsport-Veranstaltung nach der Tour de France weltweit" biete eine "attraktive Eventplattform" für seine "junge und dynamische Zielgruppe".
Quelle:rsn |
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Dieses Thema hatten wir schonmal vor längerer Zeit (bin zu faul zu suchen)
Manchen Leuten muß man ihre Illusionen einfach ausleben lassen.
Manchmal muß man an bestimmte Dinge einfach glauben damit sie auch irgendwann (in 25 Jahren) vielleicht mal eintreten...........
Irgendwo habe ich aber auch mal gelernt, daß man sich hohe Ziele stecken muß wenn man erfolgreich werden will
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17.06.2005 23:16
Brägel
verheiratet

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RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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@cyclist: nichts anderes habe ich gemeint.
Aber mit den ehrgeizigen Zielen ist es so eine Sache, der KSC wollte unter W. Schäfer, zu Beginn der neunziger Jahre, mal Deutscher Fußballmeister werden (das Ziel wurde für 2000 angepeilt)
Mittlerweile spielt der KSC in der 2. Liga, war zwischen durch in der Regionalliga und hat 2005 geradeso die Klasse in der 2.Liga gehalten.
Ich könnte Dir noch weitere Beispiele nennen
Schauen wir mal, wie es in 10 jahren aussieht, im Radsport spielt Tradition eine große Rolle (aber da erzähle ich Dir ja nichts Neues)
In meinen Augen ist das Ganze nur lachhaft
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17.06.2005 23:53
Cyclist
Italienfan

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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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Tradition spielt gerade im Radsport eine grosse Rolle. Warum werden z.B. die HEWs international nicht so angenommen wie P-R oder LBL? Weil diese Rennen besser vermarktet werden oder weil sie mehr Tradition besitzen?
Was wird in Deutschland nach Ulle und Zabel sein? Werden die Zuschauermassen auch Jahre danach noch zu den deutschen Rennen gehen? Werden die Leute sich noch für Radsport interessieren?
Mit Geld mag man kurzfristige Erfolge erzielen können, langfristiges Publikumsinteresse, Geschichte der Rundfahrt und Identifizierung mit dem Sport wird man damit nicht erreichen. Man versucht in Deutschland vielfach mit Volksfesten Zuschauer zum Radsport zu locken, mit echtem Interesse am Radsport hat das wenig gemein.
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Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Cyclist: 17.06.2005 23:59.
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18.06.2005 00:02
crn
Universalidiot

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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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Cyclist, ich, in meiner Funktion als Soziologie-Dilettant halte es für sehr schwierig, "echte" Begeisterung von Volksfestivität zu trennen. Viele traditions- und so genannte sportkultur-reiche Veranstaltungen lassen bei genauerer Betrachtung starke Zweifel aufkommen, ob sich eigentlich überhaupt jemand, außer ein paar Freaks, für den Sport interessiert. Das gilt für Schalke gegen BVB, den Oberhof-Biathlon-Weltcup, Giro d'Italia gleichermaßen. Einziger Unterschied zu synthetischen Produkten wie den Cyclassics ist eben, dass letztere tatsächlich ein insziniertes Volksfest darstellen, das um den Sport aufgezogen wird, wo dieser aber teilweise stärker im Vordergrund steht als bei den Traditionsveranstaltungen.
Einzig die Vuelta fällt hier völlig heraus, denn die scheint, abgesehen von den Fahrern, schlicht gar niemanden zu interessieren ...
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18.06.2005 00:30
crn
Universalidiot

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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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| Zitat: |
Original von Sitzerather
hat das rennen in hamburg irgend nen reiz? ok..der waseberg. eine topfebene streckenführung bringt nicht gerade ne selektion. das macht es uninteressant. |
Das das Rennen in San Remo irgend einen Reiz? Ok, der Poggio. Eine topfebene Streckenführung bringt nicht gerade ne Selektion, das macht es uninteressant.
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18.06.2005 00:33
Cyclist
Italienfan

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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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MSR hat auch nicht viele Anstiege und trotzdem einen ganz anderen Stellenwert. Du kannst die Geschichte und Tradition nicht ignorieren. Sie haben den Stellenwert, weil sie seit Jahren die Leute faszinieren. Die 3daagse van de Panne führen teilweise über die selbe Strecke wie die Flandern-RF oder Gent-Wevelgem, aber die Akzeptanz lässt sich nicht vergleichen. Es muss also mehr sein als die reine Streckenführung, und das ist das, was ich als Tradition oder Radsportgeschichte bezeichne.
Neue Rennen könnten irgendwann auch so einen Stellenwert bekommen. Aber dieser lässt sich nicht verordnen, in dem man sagt, man will das zweitwichtigste Rennen werden, in dem man viel Geld investiert. Geld kann helfen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, nur ist diese national ausgerichtet. Bis man Rennen wie Giro oder Vuelta überflügelt, bedarf es vieler, vieler Jahre, wenn überhaupt, einer Entwicklung von der Basis (nicht von oben verordnet) und das nicht national, sondern international.
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18.06.2005 00:28
crn
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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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| Zitat: |
Original von Cyclist
Die Geschichte macht diese Rennen zum Großteil aus. Sie haben sich aufgrund ihrer Charakeristik zu Klassikern entwickelt und sind Radsportgeschichte. Sie ziehen seit Jahren die Zuschauer in ihren Bann, Retortenrennen wie den HEWs werden wohl nie diesen Stellenwert haben, ob nun als Weltcup oder Protour. Da versucht man künstlich was aufzubauen, was sich aber nicht von innen entwickelt hat. Italien, Belgien, Frankreich etc. das sind Radsportnationen - Deutschland ist davon noch weit entfernt. |
Ich glaube, so etwas nennt sich zirkuläre Definition.
Natürlich hat die Geschichte eines Rennens Auswirkungen darauf, wie es wahrgenommen wird. Aber nur weil etwas alt und verklärt ist, ist die Begeisterung eben nicht besser, wahrer, schöner.
(Mein Ex-Mitbewohner (Hobby-Rennradfahrer) war von den Deutschen begeistert, weil diese einen so hohen Radsport-Sachverstand hätten, im Vergleich zu seinen italienischen Landsleuten, die maximal ein, zwei (italienische) Fahrer kennten, und zwar meist Leute, die schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr fahren, während hier in Deutschland viele Menschen nicht nur aktuelle Fahrer, sondern sogar Ausländer kennen würden. Ihn davon zu überzeugen, dass es soo toll nun auch wieder nicht ist, ist mir nie gelungen. Zugegeben, er ist Napolitaner, und insofern schon aus Prinzip nicht repräsentativ ...)
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18.06.2005 00:43
Cyclist
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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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In Belgien, in der Toskana und der Lombardei habe ich bei den Rennen einen viel höheren Radsportsachverstand erlebt als bei jedem deutschen Rennen. Bei einem U23-Rennen in der Toskana, bei dem ich zufällig war, waren so viel Zuschauer wie bei normalen deutschen Rennen... es kommt immer auf die Perspektive an
| Zitat: |
| Aber nur weil etwas alt und verklärt ist, ist die Begeisterung eben nicht besser, wahrer, schöner. |
Das habe ich nicht behauptet, sondern umgekehrt: ein Rennen hat Geschichte, weil es toll, schön, spannend etc. ist. und das nicht nur ein oder zweimal, sondern seit Jahren! Und wenn ein Rennen Radsportgeschichte ist, wird man diesem seinen Status nicht so schnell aberkennen (können), weil es seit Jahren gezeigt hat, dass es die Zuschauer in den Bann zieht. Ein junges Rennen muss das erst über Jahrzehnte nachweisen, bevor es Ansprüche stellen kann. Und da habe ich Bedenken, ob das der Dtour gelingen wird.
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18.06.2005 01:02
crn
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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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Ich hab bei der Zielankunft der Schlussetappe der Thüringenrundfahrt U23 mehr Zuschauer gesehen als bei der kompletten Fernsehübertragung der letztjährigen Vuelta ...
Ich halte diese "Tradition"/"wahre Begeisterung"-Argumentation für mystifizierende Heißluftproduktion. Klar, "Tradition" ist marketingtechnisch ausschlachtbar, um ein an sich langweiliges Rennen wie MSR oder PT aufzuwerten. Dann kommen wichtige Fahrer, das Publikum und es wird eben noch mehr "Tradition" produziert. Andererseits hat die Tradition Rennen wie Rund um Berlin oder der Friedensfahrt (für die meisten Ostdeutschen Synonym zu Radsport überhaupt!) kaum Aufmerksamkeit verschafft, einfach weil da das Geld und das Marketing fehlt(e).
Radsport ist nun einmal eine Event-Sportart, soft values wie Tradition sind sicherlich hilfreich bei der Mobilisierung der Kunden, aber mehr eben auch nicht ...
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18.06.2005 11:29
Cyclist
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| RE: Deutschlandtour - was sind schon Giro und Vuelta...
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wenn man deiner Argumentation folgen würde, hätten wir zukünftig nur noch Showevents, wo nebenbei etwas Radsport betrieben wird. Retortenrennen auf dem Vormarsch.... Nein, das sehe ich ganz anders und diese extreme Show wie bei einigen Rennen in Deutschland, habe ich im Ausland eher selten erlebt. Die Friedensfahrt hat das Problem, das sie durch Nichtradsportnationen führt, in Ländern wie Belgien oder Italien hätte sie vermutlich überlebt. Rund um Berlin kann man von der Tradition nicht mit Flandern, MSR, Giro, TdF, LBL etc. vergleichen, deswegen hinkt der vergleich. Zudem sind die Deutschen eben keine Radsportnation.
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