Das Team aus Spanien ist auf jeden Fall ein Gewinner im Rahmen der Pro Tour. Zwar wird nicht jedem sofort präsent sein, weshalb man das Team als solches sehen sollte. So gab es nur einen triumphalen Sieg bei der Klasika San Sebastian, aber dann folgen auch beim interessierten Beobachter schon Gedächtnislücken. Es waren auch nicht viele berauschende Erfolge, die das Team zelebrierte, an die man sich nun erinnern könnte. Am Anfang der Saison gab es nicht wenige Kritiker, die auf dieses Team kaum einen Pfifferling setzten. Der Verfasser des Artikels im Pro Cycling April 2005 prophezeite auf S. 104 dem Team Platz 20 in der Teamwertung „[Saunier Duval] wird in den kürzeren Rundfahrten […] gefährlich sein, wird bei den Klassikern und den dreiwöchigen Rundfahrten jedoch in zu tiefes Wasser gestoßen.“
Der Verfasser möge diese Analyse gerne noch im Beisein der Herren Constantino Zaballa, Joaquin Rodriguez, Jorge Manuel Garate, Leonardo Piepoli und Chris Horner zum Besten geben. Danach sei dem Autor zu raten, diesen Artikel zu Konfetti zu verarbeiten. Den genannten Herren ist es nämlich gelungen, bei verschiedenen Pro Tour Events unter die ersten 5 zu gelangen. Das Team kam in der Pro Tour-Wertung auf den achten Rang, der durch gute und sehr gute Leistungen vornehmlich bei den Rundfahrten – und keineswegs nur bei den kleinen – ermöglicht wurde. Rechnet man nur die Punkte zusammen, die die einzelnen Fahrer erbrachten, reichte es zwar nicht für eine einstellige Platzierung. Es wäre Platz 14 – mit gebührendem Abstand zum 15.
Die Kapitäne
Der Höhepunkt der Saison war sicherlich der erwähnte Sieg von Zaballa bei der genannten Klasika vor seinem Teamkollegen Joaquin Rodriguez. Beide waren Teil einer Fluchtgruppe, bei der die beiden schulbuchmäßig ihre zahlenmäßige Überlegenheit ausspielten. Als Zaballa kurz vor dem Ziel attackierte, war niemand mehr in der Lage zu folgen und so feierte Saunier Duval seinen größten Erfolg der Teamgeschichte – einen seltenen Doppelsieg bei einem Klassiker.
Zaballa war zu dem Zeitpunkt bereits in der Saison positiv aufgefallen. Etwas überraschend war ihm der dritte Platz bei der Rundfahrt Paris-Nizza geglückt. Am Abschlusstag hatte er Pech, dass ihn sein künftiger Teamkollege Valverde mit einem Etappensieg noch in Nizza abfing, ansonsten wäre auch ein zweiter Platz möglich gewesen. Zaballa nahm an der Vuelta für sein Team teil, fiel aber dort nicht weiter auf- wenn man vom 5. Etappenplatz bei der 19. Etappe absieht. Im Gesamtklassement reichte es zum 59. Platz. Dafür setzte er ein Achtungszeichen, als er beim Amstel Gold Race den 16. Platz einfuhr. Unter dem Strich wurde er bester Pro Tour Fahrer seines Teams und landete auf dem 29. Platz. Es versteht sich von selbst, dass er damit Interessenten auf den Plan ruft, die ihn für ihre Belange verpflichten wollen.
Sein Teamkollege Rodriguez jubelte in San Sebastian über seinen 2. Platz. Ansonsten hatte er in der Saison weitere Gründe zum Freuen. Die Bergwertung bei der Vuelta konnte er gewinnen, wobei er es bei keiner Etappe zu einer Podiumsplatzierung schaffte. Außerhalb der Pro Tour siegte er bei dem Eintagesrennen Subida Urkiola (1.1), das einen Tag nach der Klasika stattfand. Platz 74 in der Pro Tour Wertung steht für den Spanier unter dem Strich.
Zwischen Zaballa und Rodriguez drängeln sich zwei Teamkollegen. Da wäre einerseits Garate, der eine außerordentlich starke Leistung beim Giro zeigte. Er kam im Gesamtklassement auf den 5. Platz, womit zunächst widerlegt wäre, dass das Team bei den GTs in zu tiefes Wasser gestoßen würde. Bei der 13. Etappe von Mezzocorona nach Ortisei St. Ulrich belegte er den zweiten Platz hinter dem Kolumbianer Parra.
Später im Jahr nahm er an der Tour teil, seine Kräfte schienen aber aufgebraucht. Er realisierte nur die beste Etappenplatzierung seines Teams mit dem 8. Rang auf dem 13. Tagesabschnitt. Schließlich endete er auf dem 66. Platz der Gesamtwertung. Dennoch hat er allen Grund zur Freude nach dieser Saison, wurde er doch spanischer Meister auf der Straße und nebst Teamkollege Piepoli 51. in der Pro Tour.
Der Italiener, der gerne von findigen Fernsehreportern als Pantani-Verschnitt bezeichnet wird, war nach dem sturzbedingten Ausscheiden seines Teamkollegen Angel Gomez zum Teamkapitän in Frankreich erklärt worden. Eisern kämpfte die Bergziege aus Italien um den Erhalt des 20. Ranges bei der Grand Boucle. Dummerweise fand ein Zeitfahren am Vorschlusstag statt. Der Italiener, der mit dem Kampf gegen die Uhr bekanntlich auf Kriegsfuß steht, war nicht in der Lage, diese Position zu halten und wurde 23. in der Abschlusswertung. Das war immer noch besser als bei der Vuelta, wo er 36. wurde. Wer sich auf seine aufopferungsvollen Kämpfe am und gegen den Berg freute, wurde im Rahmen der GTs leider enttäuscht. Salto nullo für den Mann, der eigentlich immer bei den Bergetappen für das Podium gut ist.
Besser machte er es dann bei zwei anderen Rundfahrten. Sein zehnter Platz bei der Tour de Suisse brachte ihm allerdings nur einen Zähler für die Pro Tour Wertung. Anders sieht es dann aber mit dem Ergebnis der Volta A Catalunya aus. Auf der Etappe von Perafort nach Andorra siegte er (ging ja auch bergauf). In der Gesamtwertung blieb nur der Ukrainer Yaroslav Popovych besser. Einen weiteren Tagessieg verhinderte übrigens Teamkollege Inigo Cuesta bei dieser Rundfahrt. Piepoli musste seinem Mannschaftskameraden im Bergzeitfahren den Vortritt gewähren.
Chris Horner schließlich war der dritte Mann im Team, der für einen Etappensieg bei einer Pro Tour Rundfahrt gut war. Auf der 6. Etappe der Tour de Suisse war er auf dem Weg von Bürglen nach Arosa der Schnellste. Horner errang schließlich den 5. Platz der Rundfahrt und trug ebenso zu einem Gelingen der Saison bei. Unter dem Strich wurde er 81. der Pro Tour Wertung.
Pro Tour Abschneiden
Wer nun denkt, dass zum Abschneiden des Teams bei den Pro Tour Rennen alles gesagt ist, der muss sich eines besseren belehren lassen. Es wurden im obigen Textabschnitt nur die besten Platzierungen genannt – und zwar die von Platz 1 bis 5. Bei Saunier Duval lässt es sich nämlich weiter unterteilen. Nun kommen die Ergebnisse zur Sprache, die sich zwischen Platz 6 und 10 ergaben.
Bei erwähntem Paris-Nizza deutete José Angel Gomez an, dass er ein Mann mit Potential für die Zukunft ist. Er belegte den 9. Platz in der Endabrechnung. Leider verhinderte ein folgenschwerer Sturz bei der Tour, dass er noch deutlicher und nachhaltiger auf sich aufmerksam machen konnte. Ein Schlüsselbeinbruch verhinderte die Weiterfahrt. Entgegen den Intentionen anderer Fahrer des Teams konnte er den Angeboten der Top Teams widerstehen und bleibt auch 2006 bei Saunier Duval. Vielleicht gelingt ihm schon dann eine bessere Platzierung als der 7. Rang bei der Dauphine Libere, wo er im Übrigen auf der Etappe nach Mont Ventoux den 2. Platz belegte. In der Pro Tour wurde er 97.
Cuesta wurde als erfolgreicher Kämpfer gegen die Uhr schon erwähnt. Sein unermüdlicher Einsatz führte zum 8. Platz bei der Volta Catalunya und zum Gewinn der Bergwertung. Ferner erkämpfte er sich bei der Etappe zum Lagos de Covadonga den zweiten Platz bei der Vuelta. Bei der Rundfahrt selbst reichte es zum 30. Platz. Der 114. der Pro Tour kraxelt nächste Saison für CSC.
Altmeister Fabian Jeker wollte es 2005 besser machen und sich für die Niederlage im Vorjahr an Jan Ullrich bei der Tour de Suisse rächen. Bei diesem Vorsatz blieb es. Jeker war bei der Tour de Suisse nicht in Form und hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Stattdessen legte er sich bei der Deutschland-Rundfahrt ins Zeug, um dort als Siebter in die Annalen einzugehen. Das führte ihn auf den 107. Rang der Pro Tour.
Bei so vielen guten Ergebnissen kann man 12. Platz von Rodriguez bei der Baskenland-Rundfahrt getrost unter den Tisch fallen lassen. „Wenn man schon keine Punkte als 20. bei der Tour de Romandie bekommt, dann sichert man sich die Bergwertung“, dachte sich Ruben Lobato, um so auch zum Ansehen des Teams bei den Rundfahrten beizutragen. Sein 16. Rang bei der Polen-Rundfahrt taugt aber auch für dieses Anliegen.
Klassiker
Sieht man vom Triumph bei der Klasika San Sebastian ab, muss man dem Schreiberling von Pro Cycling Recht geben. Eintagesrennen waren nicht nach dem Geschmack des Teams. Lediglich bei Mailand-San Remo konnte einer ihrer Akteure noch ein mageres Pünktchen einfahren. Manuele Mori schaffte diesen durch den 10. Platz bei der „Classicisima“.
Die vielen anderen schmählichen Ergebnisse sollen nicht genannt werden. Den 16. Rang bei der Fleche Wallone von eben jenem Mori fügt man an, aber dann möge man schweigen. Ein letzter Blick soll auf die Leistungen von Andrea Tafi gelenkt werden, der im Frühjahr nach Paris-Roubaix seine aktive Laufbahn beendete. Tafi wurde in seinem letzten Rennen 42. in der Hölle des Nordens. Ein besseres Ende blieb ihm leider versagt.
Rundfahrten und sonst
Vieles ist schon gesagt. Ein Rundfahrtssieg außerhalb der Pro Tour muss aber noch nachgereicht werden. Juan Carlos Dominguez sicherte sich neben einem Etappenerfolg auch die Gesamtwertung der Vuelta Ciclista A Burgos (2.1) vor Teamkollege Rodriguez.
Außerdem feierte der Italiener Marco Pinotti, der ansonsten unauffällig blieb, die Landesmeisterschaft des Einzelzeitfahrens.
Tops und Flops
Gewinner
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Constantino Zaballa: Zwei Highlights seiner Karriere schaffte er diese Saison. Er gewann die Klasika San Sebastian und er kam aufs Podium bei Paris-Nizza. Nun darf er auf weitere Erfolge bei Caisse d’Epargne hoffen.
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Joaquin Rodriguez: Der Gewinn der Bergwertung bei der Vuelta und der zweite Platz bei der Klasika zieren sein Jahr. Er machte einen Sprung nach vorne und startet nächste Saison ebenso bei Caisse d’Epargne.
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Juan Manuel Garate: Beim Giro wurde er starker Fünfter. Damit konnte man nicht rechnen – und schon melden sich die Großen der Branche
Verlierer:
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Andrea Tafi: Zum Ausklang seiner Karriere wollte er bei den flämischen Frühjahrsklassikern glänzen. Das ging in die Hose und bescherte ihm einen eher tristen Abtritt.
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Angel Edo Alsina: Der Sprinter war in der Pro Tour nicht mehr konkurrenzfähig. Er sorgte für kein Ergebnis, das man irgendwie erwähnen könnte.
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Nicolas Fritsch: Der Franzose ging im Team völlig unter und erreichte kein zählbares Ergebnis.
Ausblick auf 2006
Bei Saunier Duval hat nach der Saison der Run auf die Stars stattgefunden. Gomez konnte dem Werben von Discovery Channel widerstehen. Hingegen werden andere Fahrer künftig nicht mehr für Saunier Duval an den Start gehen. Wie bereits bekannt, gehen Zaballa und Rodriguez zur spanischen Konkurrenz. Garate hat seinerseits ein Engagement bei Quick Step unterschrieben. Horner folgt ihm nach Belgien, taucht aber bei Davitamon-Lotto unter. Cuesta wird künftig Basso, Sastre & Co bei CSC unterstützen und Dominguez will Unibet.com helfen.
Dem gegenüber stehen zahlreiche Neuzugänge. Da muss in erster Linie natürlich Gilberto Simoni genannt werden. Dessen Odyssee führte ihn zunächst zu Manager Ferretti, der mit Sony Ericsson ein Team eröffnen wollte. Leider erlebte er dort ein Fiasko und nun schlüpfte Simoni bei Mauro Gianetti und Saunier Duval unter. Damit hat der Rennstall einen Fahrer unter seinen Fittichen, der sehr wohl Chancen auf einen Sieg bei einer GT hat. Eine namhafte Verstärkung stellt Koldo Gil dar, der von Liberty Seguros kommen wird.
Mit dem Brasilianer Luciano Pagliarini folgt ein endschneller Mann dem Lockruf aus Spanien. Vielleicht reift er dort zu einer echten Alternative im Sprint heran. Großes Aufsehen erregte die Vertragsunterschrift vom ehemaligen Weltmeister im Zeitfahren, David Millar. Der Brite, der kurz vor der 2006 er Ausgabe der Tour de France, erst seine Dopingsperre abgesessen haben wird, stößt zum Team. Dieser Umstand ist nicht allerorts mit Begeisterung zur Kenntnis genommen worden. Mal sehen, vielleicht zeigt der Schotte sich ja geläutert. Ob er dann aber noch in der Lage ist, auf höchster Ebene konkurrenzfähig zu bleiben?
Ansonsten gleicht der Rennstall immer mehr einer Patchworkzusammensetzung. So kommen ein weiterer Franzose (Rinero), ein Kanadier (Dionne) und ein Amerikaner (Olsen).
Das Gesicht des Teams wird sich 2006 sehr verändern. Nominell wird es nicht unbedingt schwächer werden. Ob zum dritten Mal in Folge dann die Klasika gewonnen wird, bleibt ungewiss. 2004 nahm man an, dass niemand Perdiguero vertreten könne, 2005 muss man fragen, ob Zaballa zu ersetzen ist. Es wäre schon ein Ding, wenn auch 2006 jemand im gelben Jersey von Saunier Duval die Baskenmütze tragen sollte. Allerdings wären dann alle wieder genauso überrascht wie bei der diesjährigen Veranstaltung.
Was meint der Schreiberling von Seite 104 eigentlich dazu?
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o.T.
Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von Steamboat: 15.11.2005 22:22.