hier noch was dazu:
edit: link geht nicht, drum kopier ichs:
Tour de France
Der erfolgreiche Sprint beginnt am Start
Von Sebastian Moll, Frankreich
09. Juli 2002 Der Sprint am Ende einer Tour-Etappe ist nicht nur das listen- und fintenreiche Duell der starken Männer auf der Zielgeraden.
Es ist vor allem die Leistung eines ganzen Teams, das der Sprinter schon weit vor dem Ziel zu dirigieren hat. Im Grunde wird der Sprint vom Beginn jeder flachen - also für einen Sprint geeigneten - Etappe an von der ganzen Mannschaft vorbereitet. Auch wenn diese Etappen oft mehr als 200 Kilometer lang sind.
Erstens: Beschützen
Die erste Phase besteht darin, den Sprinter zu beschützen. Beschützen heißt, dem Sprinter die Etappe so leicht wie möglich zu machen und ihn so frisch wie möglich an die Zielgerade zu bringen. Der Sprinter wird behandelt wie ein rohes Ei, bekommt Windschatten gespendet, Verpflegung und Getränke gebracht, abgeschirmt, damit er nicht in einen Sturz verwickelt oder abgedrängt wird. Gleichzeitig muss die Mannschaft darauf achten, dass keine Fluchtgruppe zu weit entkommt, damit es tatsächlich am Ende zu einem Sprint kommt.
Bei jeder Flucht sollte ein Mannschaftskollege des Sprinters dabei sein, der versucht die Gruppe zu stören. Sollte die Sabotage ohne Wirkung bleiben und die Gruppe durch kommen, kann der Helfer dann wenigsten probieren, selbst den Etappensieg für die Mannschaft zu holen. Deshalb wird man bei den Flachetappen stets Fahrer der Sprinter-Mannschaften in den Fluchtgruppen finden.
Zweitens: Kontrollieren
Die zweite Phase einer Sprintetappe ist das Kontrollieren. Zum Kontrollieren gehört einmal das eben beschriebene Achten auf Fluchtgruppen. Zum anderen ist das Kontrollieren wichtig, wenn der Sprint in die heiße Phase geht. Die beginnt rund 20 Kilometer vor dem Ziel. Jetzt muss die Mannschaft des Sprinters darum bemüht sein, sich möglichst weit vorne im Feld zu platzieren.
Stets wird man vor dem Finale die Mannschaften der Sprinter um ihre Kapitäne herum gestaffelt an der Spitze des Feldes sehen. Wenn es zur Sache geht, soll der Sprinter in einer optimalen Ausgangsposition sein: nach Möglichkeit ganz vorne und in der Nähe seiner Hauptkonkurrenten, damit er diese im Blick hat. In dieser Phase klettert das Tempo im Feld auf rund 50 Stundenkilometer. Auf den letzten zwei bis drei Kilometern wird es ernst.
Drittens: Lancieren
Jetzt beginnt die letzte Phase: das Lancieren. Wie eine mehrstufige Rakete zieht das Team jetzt das Tempo hoch. In einer vorher vereinbarten Reihenfolge fährt dazu je ein Helfer mit vollem Einsatz vorne im Wind, so lange bis er keine Kraft mehr hat. Die Reihenfolge entspricht der Stärke der Helfer - der beste unter ihnen ist zuletzt bei seinem Kapitän.
Der letzte Mann, der im Finale, auf dem letzten Kilometer bei seinem Chef ist, ist zugleich der wichtigste. Nicht selten sind diese Männer, die man „Apripista“ oder „Pilotfische“ nennt, selbst ausgezeichnete Sprinter mit einer hohen Endgeschwindigkeit und einem hervorragenden taktischen Gespür. Sie sind begehrt und werden auf dem Markt hoch gehandelt.
Pilotfische sind begehrt
Als Gianmatteo Fagnini, der Apripista von Mario Cipollini, vor zwei Jahren zu Erik Zabel wechselte, freute man sich bei Telekom ebenso über den gelungenen Coup, wie bei Cipollinis Team, als der ehemalige Telekom-Anfahrer Giovanni Lombardi dieses Jahr überlief. Dem Apripista kommt die Aufgabe zu,
seinen Kapitän auf die Endgeschwindigkeit von etwa 70 Stundenkilometern zu beschleunigen, dem Tempo, dem der Chef auf den letzten Metern, wenn er alleine ist, nur noch ein Quäntchen zuzusetzen hat.
Das entscheidende Quäntchen allerdings, das einen großen Sprinter von einem guten Pilotfisch unterscheidet. Aber der Fisch muss auch den Sprinter im Vergleich zu dessen Rivalen optimal Platzieren. Eine falsche Einschätzung der Rennsituation, ein falsches „Lesen“ des Rennens, wie man sagt, kann dabei über Sieg und Niederlage entscheiden.
Häufig kommt es zu Außenseitersiegen, weil sich die Mannschaften der Besten gegenseitig neutralisieren. Wie etwa bei der Weltmeisterschaft 1999, als Oscar Freire Gomez frech davon fuhr, während die anderen sich belauerten. Als die Teams der Favoriten reagierten, war es zu spät.
Um jede Häuserecke sprinten
Bei der Tour de France ist es indes nicht mit dem Zielsprint getan. „Das Gelbe Trikot zu gewinnen ist einfach“, hat einmal Erik Zabel gesagt, „da muß man nur einmal schnell den Berg hinauf fahren. Für' s Grüne musst Du um jede Häuserecke sprinten.“
Punkte für die Wertung um das Grüne Trikot werden auch bei den Zwischensprints auf der Etappe vergeben. Dort, in irgendeinem Ort an der Strecke, wo häufig nicht einmal Zuschauer stehen, bekriegen sich die Sprinter genauso unerbittlich wie vor der Tribüne auf den Champs Elysées.
Zwischenspurt endschied die Grün-Wertung
Im vergangenen Jahr wurde der Kampf um Grün gar bei einem solchen Zwischenspurt entschieden. Erst im letzten Zwischensprint, irgendwo südlich von Paris übernahm Erik Zabel die Führung. Der Ehrensieg am Place de la Concorde blieb ihm jedoch verwehrt. Dort war der Tscheche Jan Svorada ein paar Zentimeter vor ihm.
Allerdings, behauptete Zabel, sei ein Sprintsieg in Bordeaux in der Szene viel höher angesehen als in einer in Paris. Häufig siegen in Paris Außenseiter, so Zabel, in Bordeaux jedoch stets die Besten. Wie Zabel, der in Bordeaux schon zwei Mal gewann. In Paris jedoch noch nie. Vielleicht würde er das auch anders sehen, wenn er an der Seine einmal den Reifen vorne gehabt hätte. Am 28. Juli hat er wieder einmal die Gelegenheit dazu.
quelle: faz.net
Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von chriziko: 02.03.2004 20:05.