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Ich persönlich will ja einen fairen Sport, und fair bedeutet ja etwa Waffengleichheit. Der Radsport der 90er war recht fair, es gab nur wenige Betrogene, nämlich die, die nichts genommen haben.
Der Radsport heute ist nicht fair, es gibt junge, die nichts nehmen, dann Leute, die viel Geld dafür ausgeben.
Soweit ist ja alles klar.
Mir ist klar, dass der Fan sauberen Sport sehen will, weil er wissen will, wer am meisten Talent hat, am besten trainiert, usw. Das ist auch klar.
Allerdings ist "Fans gegen Doping" dann eine Aussage wie "Bürger gegen Steuern" oder "Bahnfahrer gegen Preiserhöhungen". Das sind Ansichten, die sich einfach natürlicherweise ergeben, die man nicht auch noch aussprechen muss.
Ich verstehe schon, dass der Fan einen gewissen Anspruch auch auf sauberen Sport hat. Ohne Fans wäre der Profisport nicht denkbar, schon finanziell nicht. Was keinen interessiert, wird nicht gefördert.
Allerdings hat der Fan auch eine große Mitschuld an der Problematik.
Vor 2006 hat der Fan wohl vermutet, viele nehmen was, manche haben vielleicht auch an schwarze Schafe geglaubt. Heute weiß der Fan, die meisten nehmen was, aber auch dass nicht jeder was nimmt. Es interessiert sich aber jeder weiterhin für die Sieger.
Wenn ich das ARD-Interview mit Knees lese: die ARD hetzt drei Jahre gegen den Radsport, in einer Art und Weise, die einmalig ist. Dann, August 2008, machen sie den Knees dumm an, Platz 29 bei der Tour sei enttäuschend.... Wie dumm kann man sein? DIE haben nichts gelernt! Es ist wie immer: die Vorderen werden bejubelt, die hinteren ausgepfiffen. Von Reportern, Fans, von allen. Das ist ok, Sport ist da, um der Beste zu sein. Dann sollten aber alle mal von ihrem hohen Ross runterkommen und aufhören, den Radsport zu verdammen und dabei selber nur zu heucheln.
Jedem Fan, der Doping so verabscheut will ich sagen: wärt ihr in der Situation, seit dem 10. Lebensjahr alles für den Sport gegeben, man hat das Talent, man ist in der U23 gut dabei, kommt zu den Profis, es läuft nicht mehr, man braucht aber spätestens im 2. Jahr Ergebnisse für einen neuen Vertrag, spätestens dann würden 98 Prozent der Menschen (ob Deutschland, Spanien, egal) mal schwach werden und auch was nehmen. Keiner ist scharf drauf sich dreimal die Woche zu spritzen. Aber was will man da machen. Seinen Traum begraben? Dann hätten die gewonnen, die sich noch nie an die Regeln gehalten haben.
Es gibt Leute, große Fahrer, die heben ab, geben zigtausende aus, nehmen alles was ihnen in die Finger kommt. Aber schaut z.B. mal einen Udo Bölts an. Ist Udo ein schlechter Mensch, weil er nach hartem inneren Kampf irgendwann doch angefangen hat? Udo war eine Kämpfernatur ohnegleichen, hat kaum unter G2 trainiert, schon im November oft fünf Stunden unterwegs gewesen, wo andere noch in der Turnhalle rumhüpfen. Und dann merkt er, der Rest bescheißt großteils. Fast jeder der in seiner Situation gewesen wäre, hätte früher oder später mit Epo angefangen. Wer das nicht zugeben will, ist entweder moralisch perfekt oder lügt.
Nur meine Meinung.
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