Cycling4Fans - Forum (http://forum.cycling4fans.de/index.php)
- Radsport (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=19)
-- Nur für Selberfahrer (http://forum.cycling4fans.de/board.php?boardid=3)
--- Drehmomentschlüssel (http://forum.cycling4fans.de/thread.php?threadid=16995)


Geschrieben von ursfoe am 14.05.2005 um 01:14:

  Drehmomentschlüssel

Ich hab mir überlegt einen Drehmomentschlüssel zu kaufen. Habt ihr Erfahrungen mit welchen gemacht und könnt ihr mir einen empfehlen?
In der Zeit war neulich ein Artikel über die Geschichte von Schrauben. Auch der Cheffe von der Firma die die Kreuzschlitzschraube erfunden hat kam zu Wort. Auch er sprach an, dass selbst teure Drehmomentschlüssel viel zu Ungenau seihen, um Schrauben richtig in einem genauen Bereich einzudrehen. Er beschrieb ein Verfahren bei dem mittels einer Tabelle, wo bei verschiedenen Schraubentypen und Gewinden, angegeben war nach viel Umdrehungen so undso viel Drehmoment erreicht war. Weiß da jemand was genaueres und gibts sowas auch für Fahrradteile?



Geschrieben von crn am 14.05.2005 um 09:23:

  RE: Drehmomentschlüssel

Wie soll denn das funktionieren?? Dafür müsste man noch dazu genau (d.h. auf Mikrometer genau!) wissen, wie breit das verschraubte Werkstück ist ... und sobald sich dieses dann auch noch elastisch verformt (wie überall dort der Fall, wo beim Rennrad das Drehmoment wirklich wichtig ist) kann man schlicht gar nichts mehr berechnen.

Also die "einschlägigen" Drehmomentschlüssel für den Bereich 1-10 bzw. 20 Nm sind schon ziemlich präzise, allerdings eben auch ziemlich teuer (100 Euro ist das absolute untere Ende der Preisskala). Viel problematischer als die 0.1 Nm Abweichung sind die Angaben der Teile-Hersteller, die bis zu 200% daneben liegen ...



Geschrieben von ursfoe am 14.05.2005 um 10:10:

  RE: Drehmomentschlüssel

Ich zitiere: . Das Anziehen der Schraube oder Mutter von Hand mit einem Schraubschlüssel ist die verbindungstechnische Todsünde: Selbst der geübte Monteur irrt sich beim Anzugsdrehmoment leicht um den Faktor 10. Unzureichend ist auch der notorische Drehmomentschlüssel, an dem man angeblich die Vorspannkraft abliest. In Wahrheit mischt allerlei Reibung im Gewinde und am Schraubenkopf mit. Wer eine Schraube wirklich optimal anknallen möchte (und der Industriekunde möchte, weil er die kleinstmöglichen, leichtesten Schrauben, so gut es geht, ausnutzen will), geht auf eine scheinbar hemdsärmelige Weise vor: Vorspannen bis zum Anschlag; dann in einer Tabelle nachsehen und die Schraube oder Mutter um den Drehwinkel x weiterdrehen. Dabei soll die Schraube ruhig ein wenig überdehnt werden, das erhöht die Dauerhaltbarkeit. Und wer den Übergang vom elastischen Bereich in den dauerhaft verformten, den plastischen Bereich mehrmals wiederholt, verpasst dem Stahl sogar eine Art Turnstunde. »Man kann damit die Streckgrenze hochtrainieren«, sagt Esser über den bemerkenswerten Vorgang.

Zeit



Geschrieben von crn am 14.05.2005 um 10:15:

  RE: Drehmomentschlüssel

Ja, das stimmt für den Werkstoff Stahl und hochfeste Stahl-Industrieschrauben. Diese Kombination findet sich beim Rennrad aber nur äußerst selten. Es ist aber eine sehr geeignete Methode, um aus einem Carbon-Hobel hochwertigen Sondermüll zu produzieren oder aus einem filigranen Raumfahrt-Alu-Vorbau die Gewinde zu entfernen ...



Geschrieben von Niggel am 14.05.2005 um 12:39:

  RE: Drehmomentschlüssel

Zitat:
Original von ursfoe
geht auf eine scheinbar hemdsärmelige Weise vor: Vorspannen bis zum Anschlag; dann in einer Tabelle nachsehen und die Schraube oder Mutter um den Drehwinkel x weiterdrehen. Dabei soll die Schraube ruhig ein wenig überdehnt werden, das erhöht die Dauerhaltbarkeit.
Zeit



Das wird ähnlich z.B. bei vielen (älteren) Zylinderkopfschrauben im Motorenbau praktiziert. Aber die Schrauben "flexen" auch und sind speziell dafür ausgelegt.
So was mit extrem harten Stahlschrauben zu machen, ist sicher eher eine Todsünde. Die geben nämlich unter Umständen kaum nach.
Aluschrauben/Gewinde gehen garantiert dabei kaputt. Carbon als Material ist besonders empfindlich gegen solche Überbelastungen.
crn hat das gut erläutert.

Ich persönlich drehe "unwichtige" Schrauben von Hand an, nach dem Motto "Nach Fest kommt ab".
Nur wenn Carbon ins Spiel kommt, tendiere ich immer mehr zum Drehmontschlüssel.

Auch nicht unwichtig ist das Fetten von Schrauben und Gleitflächen bei der Montage. Da man Alu-Komponenten immer fetten sollte, kann man die Drehmomentangaben getrost vergessen. Bei keinem mir bekannten Teil hat jemals etwas von trockener oder gefetteter Montage gestanden.

Neuerdings wird sogar das Fetten von Carbonkomponenten empfohlen. Dafür soll es spezielles Fett auf dem Markt geben.
Dadurch ändern sich auch alle Anzugsmomente in Richtung : "Nicht so fest anziehen".



Geschrieben von ursfoe am 14.05.2005 um 13:26:

  RE: Drehmomentschlüssel

Danke für die Tipps, hab halt den Artikel nimmer so genau in Erinnerung gehabt. Ich hab bis jetzt auch alle Schrauben nach "gefühl" eingedreht und immer gut gefettet. Carbonteile hab ich eh nur die Gabel ist also net so wichtig. Zum fetten von Carbonteilen: Bis jetzt gibts glaub ich nur von dynamics die montagepaste. Soll aber angebelich ein muß sein um die langlebigkeit bei carbonteilen zu verbessern



Geschrieben von crn am 14.05.2005 um 13:39:

  RE: Drehmomentschlüssel

Also halbwegs "robuste" Teile kann man eigentlich unbesorgt per Hand anziehen, und da dann halt auch gleich ordentlich.
Speziell für Alu-Schrauben ist Montage-Fett eigentlich Pflicht (aber auf gar keinen Fall Gleitfett!!) .

Die Montagepaste für Carbonteile ist kein Fett, sondern eine Art Gel mit kleinen Kunststoffbestandteilen, die in die Oberfläche der Carbonteile eindringen und sich darin verhaken. Das zerstört zwar die Oberfläche, erlaubt aber deutlich geringere Anzugsmomente als ein glattes oder gar gefettetes "Aneinander" von Carbonteilen.

Pflicht ist das allerdings nicht unbedingt. Trockene Verbindungen, idealerweile von nicht zu glatt lackiertem Carbon, sind, wenn man ordentliche Schrauben verwendet und sorgsam montiert (hier: nicht zu stark anziehen, dann Drehmoment erhöhen bis es "hält") sind auch relativ unbedenklich.



Geschrieben von ursfoe am 14.05.2005 um 14:04:

  RE: Drehmomentschlüssel

Jo die Paste soll allerdings die Anzugsmomente um die hälfte verringern, also ist schon einiges.



Geschrieben von Niggel am 14.05.2005 um 14:27:

  RE: Drehmomentschlüssel

Zitat:
Original von crn
Die Montagepaste für Carbonteile ist kein Fett, sondern eine Art Gel mit kleinen Kunststoffbestandteilen, die in die Oberfläche der Carbonteile eindringen und sich darin verhaken. Das zerstört zwar die Oberfläche, erlaubt aber deutlich geringere Anzugsmomente als ein glattes oder gar gefettetes "Aneinander" von Carbonteilen.


Oh, ist die Carbon-Montagepaste so heftig?
Das hätte ich nicht gedacht. Ich vermutete, dass die nur ein "Verbacken" der Carbonteile bei zu starkem Druck verhindern soll.



Geschrieben von ursfoe am 14.05.2005 um 14:47:

  RE: Drehmomentschlüssel

Die paste soll grad die reibung erhöhen. Die kunststoffteile dringen teilweise in des carbon ein und machen so eine rauhere oberfläche. des bewirkt dass du die schraube nicht so arg anziehen musst und die teile nicht so belastet werden.


Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH