Hey bin hier zufällig drauf gestoßen und da kam mir doch gleich diese geschichte in den sinn...diese e-mail hab ich von nem ehemaligen ISPO fahrer bekommen der das jetz so hobbymäßig neben dem studium in south afrika betreibt!also ich fands sau lustig.....is nen bissal lang aber es lohnt sich

viel spass!
Aus dem Lauftagebuch von Stefan...
Also Gestern habe ich es mir angetan und bin den Cape Town Marathon gerannt. Start war um 5:30am bei Dunkelheit, was bedeutete das ich um 4am aus den Träumen gerissen wurde. Kaffee rein, die Beißerchen geputzt und ab ins Auto um mich viertel 6 an der Startlinie zu platzieren.
Die Teilnehmerzahl dürfe sich so um die 1000 drehen, können aber auch mehr gewesen sein, da sich das bei noch anhaltender Dunkelheit nur schwer einschätzen ließ. Das Wetter war auf meiner Seite und bescherte uns perfekte Laufbedingungen mit 25Grad, leichter Briese und Sonnenschein für die Psyche.
Um ein allgemeines Bild zu ab zu geben wie ich aussah, eine kurze Beschreibung. Da ich stolzes Mitglied in einem Läuferclub bin, sind mir gewisse Anzugsordnungen aufgezwungen, obwohl diese sehr stark gegen meinem Sinn für Mode spricht. Ein Jeder kennt mit Sicherheit noch die allseits beliebten Sporthosen aus dem Turnunterricht an den POS-Schulen des alten sozialistischen Systems. Ja genau diese farbenprächtigen, plastisch erscheinenden mit Schlitz an den Seiten, wo man bei jeder Bewegung Einsicht auf die Pobacken bekommt! „Hässlich“ um es in einem aussagekräftigen Wort zu sagen. Dem nicht genug dachten sich die Gründungsmitglieder dieses Läuferclubs und wir unterstreichen diesen Beweis von Nichtmode mit einem leuchtenden Postauto Gelb! Diese Kombination ergibt dann ein leuchtgelbhässlich.
Nun gut da ich das schon vorher wusste, hatte ich mich damit abgefunden und mich dann mehr auf das Sportereignis konzentriert.
Die ersten 10km bekam ich eigentlich gar nicht mit, da ich nur von Läufern umgeben und damit beschäftigt war langsamere Sportler zu überholen. Man glaubt gar nicht wer da so alles auf den Beinen ist, vom Opa der sein Gebiss raus genommen hat um besser Luft zu bekommen, die Oma mit Stirnbad die den Bewegungen zu beurteilen lieber an der Gehhilfe laufen sollte, bis hin zum Jungsportler der sich gedacht hat das Ganze barfuss zu bewältigen. Des Weiteren kann man des Öfteren beobachten, wie sich männliche Athleten vom der Menge rechts und links absetzen und sich zielstrebig und schnurstracks auf das nächste Grün zu bewegen. Frage hier...was veranlasst ein Läufer dazu? Meine Antwort wäre, dar es in Cape Town gerade Sommer ist und die Natur doch leidet unter der anhaltenden Hitze, habe sich Naturfreunde und Du und dein Garten Fans ein Herz genommen und sich zu Wässerungsarbeiten bereiterklärt. Den integrierten Gartenschlauch ausgepackt Wasser marsch, eine kurze Schüttelbewegung um dem leidenden Pflänzchen auf ja den letzten Tropfen zu gewähren und unauffällig zurück in den Strom.
Alle 2km gab es eine Labestation wo einem Getränke gereicht werden. Um einem die Entscheidung nicht all zu schwer zu machen, ist das Menü einfach gehalten und bezieht sich auf Wasser und Cola!
Die Strecke schlängelte sich von einem Außenbezirk Kapstadts, über das Zentrum hin zur Waterfront, eine Küstenstraße entlang und zurück unterhalb des Tafelbergs zum Ausgangspunkt. Die Strecke war gesäumt von sehenswerten Augenschmäusen, so dass stets für Abwechslung gesorgt war. Monotone, langweilige Geraden oder der Gleichen hat man vergebens gesucht. An Schlüsselstellen des Laufes wie z.B. dem einzig langen Anstieg, Convention Center und Waterfront hatten sich zahlreiche Zuschauer angefunden die wie Kleinkinder vor einem Puppentheater Beifall klatschten und mit Sprüchen wie „ komm ist nicht mehr weit“(und es waren doch noch 25km zu laufen), „bald geschafft“, „nur noch um die Ecke“ usw. versuchten dir ein Lächeln abzuringen. Nun ja ich will ehrlich ein, an ihrer Stelle hätte Gleiches getan!
Bei km 21,1 startete dann auch der Halbmarathon und das Läuferfeld wurde um ein Vielfaches größer. Man war eigentlich nie allein und es war wie ein langer Wurm der sich auf dem Asphalt lang schlängelte.
Bei km 30, was auch das Dach der Veranstaltung stellte hatten wir einen 3km langen Anstieg bezwungen und eine wunderbare Aussicht auf die Stadt.
Der Gedanke der nun folgenden 4km langen Abfahrt sollte mich eigentlich beflügeln.
Dem war nicht so!!! Hetsie 42 mein Laufpartner und Trainingspartner, Mutter 3er Kinder und Hundebesitzerin erhöhte das Tempo für die nächsten 4km. Da ich ihr Paroli bieten wollte ging ich natürlich mit, was sich sehr bald als grober nein eigentlich als schwerwiegender Fehler herausstellte. Die 4km der Abfahrt machten mir eigentlich nix aus, aber mein Energielevel und somit meine körperliche Verfassung verschlechterte sich danach mit jedem Kilometer zunehmend.
1 Konsequenz die ich daraus ableitete war eine Tempodrosselung mit dem Eingeständnis meinerseits das ich Mann(eigentlich physikalisch gesehen stärkeres Geschlecht) ihr Frau( Gegenteil) tempomäßig nicht länger das Wasser reichen konnte. Dieser Prozess zog sich dann über die nächsten 5km hin mit einer stetigen Tempoverringerung. Anmerkung hier, es wurde immer noch gerannt...nicht gelaufen, nicht getrabt, nicht gekrochen...nein gerannt nur eben nicht mehr so schnell!
Dem nicht genug und um den Triumph des Geschlechterkampfes noch ein besser zu geben sagte sie mir dann 3km vor Schluss...“würde es dir was aus machen, wenn ich die letzten 3km noch sprinte, da ich mich super fühle und du den Rest allein läufst?“...ja genau, das war der moralische Hammer der eigentlich noch gefehlt hat. Was damals im Radsport der Schlussanstieg kurz vor dem Ziel war mit dem Prozentschild(Steigungsdurchschnitt) mit der Aufschrift 20% oder mehr, waren ihre Worte. Was konnte ich tun? Da ich ihr nix mehr entgegen zu setzten hatte, lag es klar auf der Hand und ich ließ sie ziehen.
Ich stellte mir dann die Frage des Laufens auf dem letzten Stück oder des Weiterrennens. Dies war er nun, der innere Kampf mit mir selbst dachte ich mir und ins Laufen über zu wechseln wäre für mich eine persönliche Niederlage gewesen obwohl vieler Teilnehmer um mich herum dies taten. Tunnelblick ähnliche Sicht aus meinen Augen, das Ziel in Gedanken schleppte ich mich dann dem Ziel entgegen. Ich kann jetzt Läufer verstehen, die Ultramarathons laufen mit Streckenlängen bis 100km. Ich glaube man verliert irgendwann die Kontrolle über die Beine, Orientierung und alles spielt sich im Kopf ab über Sieg oder Niederlage. Es ist ein anderes Leiden als im Radsport, wo man auf dem Rad sich immer wieder erholen kann z.B. im Windschatten eines Anderen oder auf einer Abfahrt, so ist dies beim Rennen nicht der Fall. Vom Start an steht man unter Belastung ohne sich groß Erholung zu können es sei denn man hält an und die Muskelleistung nimmt von Km zu Km ab. Ist man sehr fitt, kann man diesen Prozess um einiges nach hinten hinaus zögern, aber in meinem Fall und in meinem Trainingszustand war dies nicht der Fall.
Nun ja wie gesagt näherte ich mich langsam aber sicher dem Ziel. Bei 3h und 48min setzte ich meinen Fuß über die Linie. Als ich überwechselte von Rennen zu Laufen, hatte ich anfangs leichte Rhythmus und Bewegungsstörungen und musste mich am Geländer stützen. Hätte ich nie gedacht, dass man es so weit bringen kann. Ich fing mich aber recht schnell wieder und konnte die spastischen Bewegungsausfälle abstellen. Und was ja hier noch anzumerken ist, ich bin nicht gelaufen während des gesamten Rennens!!!
Medalie und ne Büchse Cola gab es und damit war es das, mein erster Marathon. Von der Zeit her habe ich mich locker qualifiziert für den Two Oceans Ultramarathon über 56km am 10April. Es gibt mir noch genug Zeit um meinen Fitnesszustand nach oben zu schrauben, damit ich dort bestehe und dem Geschlechterkampf 2er Teil etwas entgegen zu bieten habe.
Hetsie nahm mir gute 5min auf den letzten 3km ab was im Laufen viel ist.
Heute ist Tag 1danach und ich fühle mich eigentlich sehr gut, bis auf das ich ein bissel Muskelkater im Hintern habe.
Trotzdem war es für mich ein rund um gelungenes Sportereignis und ich werde es wieder tun. War eine schöne Erfahrung und ich habe nette Menschen kennen gelernt, mit ihnen und sie mit mir gelitten und vom sportlichen Aspekt her sehr viele KJ verbrannt womit ich dann ein schönes Stück Schokolade mit ruhigem Gewissen essen konnte.
Gut dies war mein Erfahrungsbericht von meinem ersten Marathon.
Bis bald Stefan...
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Hoffi hat keine HP