OI: Team T-Mobile Mannschaftsbesprechung
Zuallererst möchte ich mein Unbehagen über die heutige Informationsermittlungsmaßnahme ausdrücken. Ein Bettkasten in einem Hotelzimmer ist kein geeigneter Aufenthaltsort, wenn auf diesem 8 Radprofis sitzen. Ich habe aber alles weitere dem medizinischen Dienst bereits gemeldet.
Trotzdem gelang es mir, einige Wortfetzen der Mannschaftsbesprechung zu verstehen. Vom anfänglichen Donnerwetter des Managers Godefroot konnte ich allerdings nicht allzu viel mitkriegen. Ein Grund war die lautstarke Rede, die mit belgischen oder holländischen Wortfetzen vermischt war. Ein anderer, daß daraufhin die 8 Menschen über mir unruhig hin- und herwippten und ich mich hauptsächlich darauf konzentrieren mußte, keine Schmerzenslaute von mir zu geben. Ich hörte die Zimmertür laut zuschlagen, was nach einer kurzen Zeit auch dazu führte, daß die Bewegungen über mir ein wenig nachließen.
Die Stimmenidentifizierung war außerordentlich schwer. Ich meine aber in den folgenden fünf Minuten die Stimme des sportlichen Leiters Kummer erkannt zu haben. Er redete jedoch so leise, daß ich nicht die ganze Ansprache verstehen konnte. Die Worte, die ich verstehen konnte waren „Taktik für heute“, „Toll (oder Koll) Dekor“, „platte Beile“ und ich meine auch er hätte eine Dame namens „Agnes“ erwähnt. Es war wie gesagt sehr schwierig, da er sehr weit vom Bett entfernt war und meine zwei gebrochenen Rippen dann erst richtig begannen zu schmerzen, da erneute Unruhe von oben einsetzte.
Im Folgenden begannen auch die Fahrer über mir sich zu Wort zu melden. Diese konnte ich wesentlich besser verstehen. Das erste Wort hatte wohl Jan Ullrich, der von „seinem Bein“ redete, das ihm wohl gestern abhanden gekommen war. Mir erschloß sich der Sinn der Aussage nicht ganz und zu allem Überfluß begann jetzt auch noch das Bett zu quietschen. Die nächste Aussage kam vom Fahrer Zabel, sie war von der Lautstärke deutlich besser zu verstehen, aber just in dem Moment bohrte sich eine Bettfeder von unten in meinen Rücken. Dies hindert mich letztendlich, sie in vollem Umfang wiederzugeben, so daß sich mir nur das erregte Ende einprägte, da es von starkem Wippen eines einzelnen begleitet war: „Ich spiel nicht den Kessler!“ Der Fahrer Aldag erwiderte „Da muß du jetz durch!“ und sein Kollege Botero murmelte noch etwas auf Englisch, das wie „That’s very depressing“ klang und dann redete leider wieder der sportliche Leiter Kummer. Alles was ich verstand war so etwas wie „Würdest du dir das zutrauen, Andi“, worauf ich von über mir so etwas wie „Jan, Jan, Jan, Jan, Jan, Jan, Jan“ hörte. Dann war eine längere Stille zu hören. Die nach einer kurzen Pause wiederum von Herrn Kummer folgenden Äußerungen konnte ich nicht verstehen. Ich meine, daß der Fahrer Guerini daraufhin von meiner linken Hüfte aufsprang und anfing zu singen: „Vinceró, vinceró, domani vinceró!“ Die Melodie kam mir äußerst bekannt vor, aber ich hörte nur noch wie sein Kollege Nardello, leider mit einem weiteren Wippen, vom Bett aufsprang und schrie „Ullrick, Zabel, Kloden, wie eine Flasche leer, non posso più, ho finito!“. Daraufhin öffnete irgendjemand die Tür des Hotelzimmers und ich hörte, wie alle nach und nach das Zimmer verließen.
Wäre die ärztliche Hilfe schneller gekommen, hätte wohl die Entnahme der rechten Niere verhindert werden können, aber ich hörte dann noch ca. 5 Minuten über mir „Jan, Jan, Jan“ bevor ich in Ohnmacht fiel. Ich bitte, wie in meinem letzten Bericht bereits angedeutet, um eine Rückversetzung zur Leichtathletik.
__________________
tía Käthe
Ex-Tippspielsieger