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03.05.2007 13:59

Tiefflieger
Teamzeitfahrer

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Selberfahrer- und Rennanschauerbericht LüBaLü

Hier nun mein kleiner Bericht über unsere (Jana und meine Wenigkeit)kombinierte Holland-Belgien-Woche. Ich werde natürlich nur die interessanten, radsportspezifischen Ereignisse berichten.
Dienstag ging es los nach Holland, am Donnerstag sind wir dann weite rnach Belgien gefahren, Montag war Heimreise mit Stop in Niedersachsen, Dienstag Ankunft dann in Kiel.

Aber los geht´s!

Holland ist platt – und manchmal trotzdem recht schön (ist man als Norddeutscher ja auch gewohnt Augenzwinkern ), zumindest der kleine Ort Bemmel bei Nijmegen, wo wir die ersten beiden Nächte bei einer Freundin unterkamen. An der Maas gelegen dominieren hier Bauernhöfe, Ponyzuchten und alle Arten von Natur. Ebenfalls sehr schön die Radfahrmöglichkeiten auf teilweise recht verkehrsberuhigten Straßen und Deichen. Wir haben die Räder aber bis auf eine kleine einstündige Ausfahrt nur als Transportmittel benutzt, um zum Beispiel nach Nijmegen zum Bummeln zu radeln.

Freitag dann ging es nach der ersten Nacht in Vielsalm in die Ardennen. Diesen Tag, vor allem diese Tour, könnte man unter folgenden Kapitelnamen abheften:

Kette links
„Bettini!“
Boah, ist das steil…
„Wo ist der Rest von eurem Team?“


Kette links

Wir hatten uns entschieden, die LüBaLü-Strecke ab Vielsalm Richtung Lüttich zu fahren und dabei einige der heftigen Anstiege mitzunehmen. Kurz vor 10 ging es los, die Navigation war einfach, weil bereits auffällige Streckenmarkierungen angebracht worden waren. Nach rund 10km ging es rechts ab und hinauf zum Cote de Wanne. Wir waren eigentlich froh genug, dass wir uns auf der „Originalstrecke“ bewegen konnten, und hakten deshalb einen etwas klapperigen Bus mit „T-Mobile“-Lackierung am Straßenrand als Hardcore-Fantruppe ab. Der davor stehende TMO-Teamwagen war dann aber doch Anzeichen genug dafür, dass hier das „echte“ Team sich für eine Trainingsfahrt rüstete.

Dieser erste Anstieg (Cote de Wanne) hatte es für uns Flachländer ganz schön in sich, im kleinsten Gang kraxelten wir hinauf und legten auf dem Gipfel eine kurze Pause ein. Dort warteten bereits ein paar Schaulustige, und sie und wir wurden nicht enttäuscht, als kurze Zeit später die T-Mobile-Mannschaft den Berg hochkam, von mir noch mit einem „Viel Spaß am Sonntag!“ bedacht. Die kurz darauf folgende Credit Agricole-Mannschaft musste mangels Identifikationsfigur (Thor Hushovd war nicht dabei) und meinen äußert miserablen Französischkenntnissen ohne Anfeuerung auskommen.

Danach ging es weiter auf den ziemlich heftigen Cote de Stockeu. Hier war kämpfen angesagt, rund 11% Steigung forderten alles.


„Bettini!“

Auch an der Cote de Stockeu legten wir ein paar kombinierte Verschnauf/Fotografier-Pausen ein und bewunderten dabei Team Barloworld sowie die Milchmänner von Milram. Nach dem (nicht ganz einfachen) Wiederanfahren fiel mir schon ein „von unten“ kommender Wagen mit offener Heckklappe auf. Als der mich passierte, hockte dort, wie erwartet, ein Kameramann drin, und ein Blick nach hinten offenbarte die gefilmte Hauptfigur: Paolo Bettini erklomm den Anstieg, der Weltmeister hatte sein Quickstep-Team weit hinter sich gelassen. Für Anhalten, Kamera aus der Trikottasche fizzeln, anschalten und draufhalten war in dieser Situation leider keine Zeit, stattdessen schaffte ich es, ganze 5m neben Bettini mitzufahren und ihm dabei ein grammatikalisch grausam inkorrektes „vai, raggazzi, vai!“ zuzubrüllen. Bis der Rest der Quickstepper da war habe ich dann auch die Kamera in Anschlag bekommen, da war Bettini aber schon längst auf seiner Dienstgipfelhöhe angekommen und den Blicken entschwunden.

Die Truppe von Bouyges Telecom war dann die nächste, die uns überholte, und für einen ganz kurzen Augenblick spielte ich mit dem Gedanken, mir mit irgendeinem der „Blauen“ einen kurzen Bergsprint zu liefern, ließ es dann aber doch lieber – hätte nur albern gewirkt.
Auf dem Gipfel angekommen dann wieder eine Pause, hier war bereits gut ein dutzend Schaulustiger Fans versammelt. Zusammen bewunderten wir eine arg kleine Abordnung von Astana (4 Fahrer, aber mit Vino), sowie Cofidis. „Je ne suis pas Sylvain Chavanel“ rief deren an diesem Berg stärkster Kletterer, und erntete dafür bei dem Publikum einiges an Heiterkeit. Chavanel selbst hatte aber nur 10m Rückstand.



Boah, ist das steil…

Nun mussten wir die Cote de Stockeu auch wieder runter. Und ich weiß nicht, ob es nur die mangelnde Bergerfahrung ist oder ob das wirklich so fiese steil war: Da hatte ich Schiß. Ich dachte echt, ich würde bei dem Abfahrtswinkel einfach vorne über den Lenker kippen. Ist zum Glück nicht passiert, aber ich war froh über die Entscheidung, vor einigen Wochen hinten neue Bremsbeläge montiert zu haben. Ich bin jede der Abfahrten bremsend herunter und habe mich (auch angesichts der teilweise miserablen Straßenverhältnisse) nur unterhalb von 35 km/h einigermaßen wohl gefühlt. Wer also bei solchen Gelegenheiten mit 90km/h brettert hat meinen tiefsten Respekt (für dieses Können) oder mein Mitgefühl (wenn er das Risiko nicht sieht).



„Wo ist der Rest von eurem Team?“


Den Cote de la Haute-Levee haben wir dann völlig ohne Profikontakt absolviert und oben in Francorchamps angekommen die Strecke kurz verlassen, um Getränk zu bunkern. Auf der folgenden Abfahrt nur noch kurz einen Davitamon-Lotto-Fahrer uns entgegenkommend (falsche Richtung? Was vergessen? Straftraining?) gesehen und sind dann in Neuville (?) von der Originalstrecke runter. Wir wollten gerade losradeln, als auf einmal 2 CSC-ler auftauchten. Dem ersten rief ich noch ein „Good luck on Sunday“ hinterher, der zweite verstand anscheinend meine Frage „Are you the first wave? Where are the others?“ nicht (Kolobhnev?), und in der Hoffnung, dass das nur die Vorhut war, blieben wir doch noch etwas stehen. Zunächst aber kam „nur“ Euskatel, die uns freundlich grüßten und sogar anfeuerten, danach Saunier-Duval, Gibo in der letzten Reihe (wie immer, höhöhö…). Da aber nach weiteren 10 Minuten immer noch keine CSC-ler kamen und uns in der Retrospektive die beiden Fahrer auch etwas kompakt erschienen, zogen wir den Schluss, dass unser Lieblingsteam wohl just während unserer Getränkepause vorbeigezogen war und diese zwei nun die keuchende Nachhut auf dem Weg nach Lüttich darstellten.
Mit rund 55km auf dem Tacho, einer Fahrzeit von knapp 3 Stunden und leider ungezählten Höhenmetern in den Beinen kamen wir dann wieder im Hotel an.

Fazit: Mir ist sehr positiv aufgefallen, wie gelassen und freundlich die Profis uns „Hobbyradler“ sowohl grüßten als auch anfeuerten. Auch aus den Teamwagen kamen immer erhobene Daumen und es wurde gewunken. Das fand ich sehr gut. Etwas weniger gut fand ich, dass sehr viele Teams nur mit Mützen als Kopfbedeckung unterwegs war, die Jungs trauen sich angesichts solcher Abfahrten wirklich was…



Am Sonnabend ging es dann in die andere Richtung, von Vielsalm aus nach Bastogne und auf der Originalstrecke wieder zurück, denn der Hinweg sollte abseits der LüBaLü-Strecke erfolgen. Auf dem ersten Teil waren wir nie alleine, eine ganze Völkerwanderung auf Rennrädern schien statt zu finden. In Houffalize bogen wir Richtung Bastogne ab und stellten dann, in Bastogne angekommen, fest, dass wir doch schon einen wesentlichen Teil der Strecke gerade passiert hatten – nur entgegengesetzt der Fahrtrichtung. Na gut, dann eben zurück nach Houffalize und dort im Stadtkern am ollen deutschen WKII-Panzer vorbei nach rechts abgebogen.
Und uuuuargh ging es auch schon steil bergauf, absolut ätzend. Eigentlich scheinen mir solche Steigungen doch zu liegen, aber an dieser meldete sich auf einmal unerwarteterweise mein rechtes Knie, das unangenehm zu zwicken anfing. Das schmälerte die Freude über diese Herausforderung doch sehr (vor allem, nachdem Jana am Vortag noch mit "Boah, was bist Du fit" meine Bergform gelobt hatt). Leider zwickte das Knie auch noch den ganzen Heimweg über, so dass ich jeden Maulwurfshügel nur in extrem kleinen Gängen anfahren konnte. Hinz kam zu diesem Zeitpunkt, dass unsere Wasservorräte zu Neige gingen, dafür aber die kleinen Ardennendörfer sämtlich auf Shops, Tankstellen oder Getränkeläden verzichteten.

Und um den Spaßfaktor noch mehr zu erhöhen fiel mir das Atmen durch den Mund immer schwerer, ich vermute durch Staub oder Pflanzenpollen. Glücklicherweise hatte Jana aber dasselbe Problem, so dass ich etwas beruhigt war und keine zukünftige Karriere als Asthmatiker befürchtete. Atem- und Kniebeschwerden waren übrigens später auch wieder verschwunden. Am Ende der Ausfahrt standen ca. 100km und weitere ungezählte Höhenmeter, bei einer netto Fahrtzeit von 4:40 Stunden. Profis haben wir diesmal leider keine gesehen, aber ein weiteres Mal gelangten wir zu der Überzeugung, dass belgische Straßen zu den miesesten in Europa gehören...


Am Sonntag ging es früh los nach Lüttich (mit dem Auto), und schon auf dem Hinweg erfreuten wir uns an den zahlreichen Teamwagen auf der Gegenspur, die nach dem Start ausgeschwärmt waren und Kurs zu den diversen Hotspots der Doyenne nahmen. In Lüttich, genauer gesagt in Ans (dem Zielort) verfuhren wir uns kurz, trafen aber dann auf die Strecke und folgten ihr, um 2km vor dem Ziel das Auto in einer Seitenstraße abzustellen. Zu Fuß ging es dann die echt fiese Steigung zum Ziel hinauf. Auf der Zielgerade war schon einiges los, wir taperten aber erst mal zum „Busparkplatz“, um die Teambusse und Materialwagen zu bewundern und außerdem was zu trinken zu kaufen.

Vor einem (geschlossenen) Pizza Hut traf ich auf Brian Nygaard (CSC-Pressesprecher) und hielt einen kleinen Klönschnack ab, der aber letztendlich nichts wesentliches an Informationen erbrachte (war ja auch gerade eine Stunde nach Rennstart) und uns lediglich bestätigte, dass die CSC-ler am Freitag die letzten 100km der Strecke gefahren waren und am Sonnabend in der Nähe von Maastricht (ihrer Hotelunterkunft) noch lockeres Fahrtraining gemacht hatten.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit Warten auf den Beginn der Live-Übertragung, die just in dem Moment begann, als die Spitzengruppe Vielsalm passierte. So konnten wir unseren Gastort noch einmal aus der Vogelperspektive beobachten.

Zwischendurch nahmen wir noch an einer Umfrage des Veranstalter bei, neben Radsportinteressanten Fragen wie „Wie finden Sie die ProTour?“, „Sollte Lotto sich weiterhin im Profiradsport engagieren?“ und „Wie viel Geld geben Sie heute hier aus?“ wurde auch gefragt „Was sind Ihre Kriterien für den Kauf einer Lasagne?“.

Inzwischen war dann auch das Fahrerfeld langsam in Zielnähe gekommen und die Spannung wuchs. Wir standen direkt in der letzten Innenkurve, die die Fahrer auf dem Weg zum Ziel passieren mussten. Nachdem diverse Autos und Motorräder vorbei waren machte es auf einmal „swutsch“ und ein grellgrüner Blitz fuhr mehr unter als neben mir vorbei: Danilo di Luca auf dem Weg zum Sieg. Kurz danach Valverde und Schleck, dann folgten die anderen Fahrer. Fabian Wegmann habe ich noch ein Lob zurufen können, ebenso dem mit sehr viel Rückstand ins Ziel kommenden Stefan Schumacher.

Erstaunlich auch, dass selbst nach dem Besenwagen noch Fahrer ins Ziel kamen (mit mehr als 20 min. Rückstand), wir waren schon längst auf dem Heimweg da kamen noch einige die Steigung hochgestrampelt.


Fazit: Super Urlaub, relativ schöne Radelgegend (wäre 1a, wenn die Straßenverhältnisse besser wären), tolle Erlebnisse rund um den Profi-Radsport. Was will man mehr... Augenzwinkern


Bilder folgen morgen, ich muss die Dinger von 2,5MB pro Stück auf 100kb drücken...


HAJO




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"Lakkiluuk noch mal, du sollst nicht leben wie ein Rantanplan!"
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04.05.2007 15:49

Tiefflieger
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RE: Selberfahrer- und Rennanschauerbericht LüBaLü

So, hier einige Impressionen des Urlaubs:

Hier sehen wir einmal Axel Merckx samt Kollegen beim Training am Freitag, dann folgt die Quickstep-Formation, die ihrem Kapitän hinterherhechelt, angefeuert von Jana.

Tiefflieger hat diese Bilder (verkleinerte Versionen) angehängt:
Merckx.jpg Quickstep.jpg






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04.05.2007 15:53

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Weiter geht es mit einigen Rennimpressionen.

Zuerst einmal die Leinwand mit Schumacher bei der Präsentation des s.g. "Arschspoilers". Augenzwinkern

Danach folgt DAS Rennbild der Woche, Boogerd vor Rebellin und Bettini. Beinahe hätte Boogie in meine Kamera gebissen. Man beacht auch den Zieleinlauf auf der Leinwand im Hintergrund.

Tiefflieger hat diese Bilder (verkleinerte Versionen) angehängt:
Arschspoiler.jpg Boogie2.jpg






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04.05.2007 15:56

Tiefflieger
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Und der Rest: Das Bild von Freire habeich hier reingestellt, um zu zeigen, wie viele Bilder leider dann doch (fast) nichts geworden sind.

Dafür ist das Wegmann-Bild gut geworden, bei den beiden CSC-lern würde ich gerne eine Identifikationshilfe haben, Vinokourov ist an seinen roten Schuhen gut zu erkennen.


HAJO

Tiefflieger hat diese Bilder (verkleinerte Versionen) angehängt:
Freire.jpg Wegmann.jpg CSCler.jpg






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04.05.2007 16:43

Kian
Australian Cookie Collective Fundbüro

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Dabei seit: 23.06.2002
Herkunft: Australian wannabe
Fan von: Ian McLeod, Adam Hansen, Mark Renshaw, Simon Gerrans, Chris Sutton, Will Walker & Matt Wilson

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die csc'ler kann ich leider nicht erkennen, aber der kollege von axel hört auf den namen scott davis großes Grinsen




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"I got a really good gap but then I saw the 25km to go sign and thought, oh f***!" Glen Chadwick
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04.05.2007 16:48

le coq sportif
Då som nu för alltid

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vielleicht andy schleck und kolobnev?

edit: könnte auch vom ergebnis hinkommen, sie haben ungefähr die gleiche zeit wie vino.




__________________
I am trained in gorilla warfare and I can prove it mathematically.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von le coq sportif: 04.05.2007 16:54.

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04.05.2007 21:00

maniroller
Winterpokalteambenutzer

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Dabei seit: 05.01.2003
Herkunft: hier
Fan von: Vivien, Rebecca, Jessika, Mieke und Christina

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