Geschrieben von blaireau am 04.08.2004 um 09:37:
RE: Betrug ist ein Offizialdelikt (§ 263 StGB)
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Original von Cyclist
man schreit jetzt nach dem Staat, weil die Sportverbände unfähig sind wirksame Dopingkontrollen durchzuführen. Damit verlagert man nur das Problem, man löst es aber nicht. |
In Italien und Frankreich bekämpft der Staat die Weitergabe von Doping, nicht den dopenden Athleten. Ich glaube auch, dass staatliche Organe diesen Kampf gegen den Athelten weder führen können noch sollen.
Die geforderten Akteure sind, so mein ich, die Verbände, Athleten und Sponsoren. Und diese haben zu einem dopingfrreieren (reguläreren) Sport aus unterschiedlichen Gründen ein ambivalentes Verhältnis.
1) Der - entschlossen - dopende Athlet ist an Kontrollen nur insoweit interessiert, als er sie zuverlässig umgehen kann und sich damit sein Sauberkeit bewiesen ist. Mit der Kontrolle kann er seinen Kritikern und Verdächtigern begegnen. Sein "Kampf" gegen Doping ist ein Lippenbekenntnis, in Wahrheit unternimmt er - sofern Profiteur des Systems - alles, die Kontrollen unwirksam zu belassen, damit auch das ganze Feld und somit der Radsport sauber aussschaut.
Der mediale Wert eines sauberen Radsport ist ihm hingegen voll bewusst und kämpft entschlossen für dieses Image und bekämpft alle als Feinde, die es - aus welchen Gründen auch immer - bedrohen..
Sein Doping hat er nur mit seinm Gewissen zu vereinbaren.
Wäre der Sieger sauber, er hätte alles Interesse die Kontrollen so streng wie möglich anzulegen. Das würde ihm Konkurrenten vom Hals schaffen und den sportlichen Wert seiner Leistung weiter erhöhen.
2) Der Sponsor ist am Image des dopingfreien Sports interessiert. Er will zum einen auch negative Kontollen zum Beweis, andrerseists will er aber glaubwürdige Kontrollen. Wird die Kontrolle unglaubwürdig (z.B. kommen immer neu Skandale von "sauberen" Dopern ans Licht), so gefährdet das seine Investitionen.
Doping ist für den Sponsor nur dann interessant, wenn es hilft, einen Vorteil zu sichern, den Erfolg zu gewährleisten und sein hohen Investitionen gerechtfertigt bleiben. Ganz wichtig daher: Doping soll den Ausgang des Rennens vorhersagbar machen.
Von ihm ist wenig zu erwarten, wenn der Sport unglaubwürdig wird und seine Attraktivität verliert, verlegt er seine Sponsoring auf andere unbelastete Sportarten oder zieht sich ganz auf andere Werbeträger zurück.
3) Der Verband (hier mal UCI/Verbruggen) hat das kurzfristige Ziel der negativen Kontroll auch vor Augen. Nichts schöner, als wenn man 1000 Kontrollen vornimmt und alles ist negativ. Viellicht irgend ein kleiner Fisch soll hängenbleiben, wegen Aphetamin oder Koffein, was ohnehin bald jedermann zu Hause konsumiert. Das beweist dem TV-Zuschauer die Strenge der Kontrollen und zeigt, dass die Rennfahrer im allerschlimmsten Fall sich verbotenerweise mit Mitteln aus der Hausapotheke bedient.
Langfristig weiss er um das Problem der Glaubwürdigkeit, muss sich aber mit 1) arrangieren und vor allem wegen 2) das Image de Sauberkeit in jedem Fall aufrechterhalten.
Alle wissen, dass der Zuschauer die Lüge (=unglaubwürdige Kontrolle) nicht über beliebige Zeit immer weiter schlucken wird, und hoffen, dass irgendwer später das Problem löst.
Der Sport selber (und zwar insbesondere die TdF!) ist jetzt schon in seinm sportlichen Gehalt angeschlagen. Ich kenne die Rennen seit 1975. Die EPOchalen Veränderungen nach 1990 sind markant. Die Rennen sind viel ereignisloser worden, die von unbezwingbaren Mannschaften umgebene Sieger reihenweise und vorhersagbar: ohne den (glamourösten allerr EPO-Jahre) Einbruch am Galibier 1998 hätten wir gut und gern in den Jahren 1991 5 Jahre Induain, 2 Jahre Ullrich und 6 Jahre Armstrong sehen können, mit Mr. 60% als eingesträutes Episödchen, allenfalls von Ullrich auch schon damals zu schlagen.
Sobald in einem Sport weit mehr die Rede ist von seinen Umständen als von seinen - von allen eingestanden - uninteressanten Spielverläufen, dann sind die Selbstzerstörungskräfte voll aktiviert. Ich meine, es ist Zeit für eine Krebsbehandlung, aber wir können auch warten, bis die Metastasen sich weiter vorgefressen haben.
Zudem: in einem Sport, in dem sich das Bild des (Hormon-)dopings festgestzt hat, sehe ich auch die Schwierigkeit mit den Nachwuchsfahrern: Ich glaube nicht, dass ich heute mieinem Sprössling den Radsport (oder irgendein Lesitungs/Spitzensport) empfehlen würde. Auch in dieser Beziehung haben die Sportverbände langfristige Ziel im AUge zu behalten.
Geschrieben von reifenpanne am 04.08.2004 um 10:02:
RE: Betrug ist ein Offizialdelikt (§ 263 StGB)
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Original von Cyclist
Doping ist nicht gleich betrügende Gesellschafft! Das ist deine Interpretation, mehr aber auch nicht. Bitte akzeptier doch, dass es verschiedene Meinungen gibt, auch wenn du sie nicht nachvollziehen kannst. Irgendwie habe ich das Gefühl, man schreit jetzt nach dem Staat, weil die Sportverbände unfähig sind wirksame Dopingkontrollen durchzuführen. Damit verlagert man nur das Problem, man löst es aber nicht. |
Ich meine dass die Sportverbände nicht unfähig, sondern unwillig sind, ernsthaft was gegen Doping zu unternehmen. Das liegt auch an einem klassischen Zielkonflikt, dass nämlich die UCI scheinbar keine Interesse hat, die volle Wahrheit auf den Tisch zu bringen. Die Verbände sind ja am Fortgang des Bestehenden interessiert (das kollidiert natürlich damit, die Geschichte eines Sports, der letzten 10 Tour de France usw. aufzudecken).
Freiwillige Selbstkontrolle funktioniert ja nur, wenn die Beteiligten willens sind, und es nur ein paar schwarze Schafe gibt (wenn die Mehrheit an sauberem Sport interessiert ist). Das Mobbing (der Fisch stinkt vom Kopf) zeigt doch, dass die Mächtigen offenbar daran nicht interessiert sind, ob selbst beteiligt oder nicht.
Bei den Veranstaltern scheint der Zielkonflikt ja langsam zu kippen, weil der Verdacht auf ihre Veranstaltungen zurückfällt (siehe TDF-Suspendierungen).
Was gibts denn für sonstige Lösungsvorschläge?