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Geschrieben von Ocaña am 19.12.2015 um 16:25:

  Architektur & Stadtplanung

Dann wollen wir mal, oder blaireau? smile

http://www.brandeins.de/archiv/2015/immobilien/stadtentwicklung-los-angeles-alles-im-fluss/



Geschrieben von gardener am 19.12.2015 um 17:27:

  RE: Architektur & Stadtplanung

Schönes Thread-Thema.

In L.A. gehört Im-Stau-Stehen aber irgendwie dazu. cool



Geschrieben von gardener am 11.02.2016 um 15:20:

  RE: Architektur & Stadtplanung

Bemerkenswerte Bilder aus Paris.



Geschrieben von Ocaña am 11.02.2016 um 15:45:

  RE: Architektur & Stadtplanung

Hach...da muss ich direkt an Jean-Pierre Melville und den Anfang von UN FLIC decken. Der spielt zwar in Saint-Jean-de-Monts, die Architektur ist die gleiche.

Ach wenn ich schon mal hier bin. Augenzwinkern

Edificio Princesa



Geschrieben von blaireau am 11.02.2016 um 16:23:

  RE: Architektur & Stadtplanung

Zitat:
Original von Ocaña
Dann wollen wir mal, oder blaireau? smile

Noch gar nicht gesehen, den Thread. Ich bereit was vor, über eine Kapelle in der Nähe von Köln.



Geschrieben von Herr Doepfel am 11.02.2016 um 18:52:

  RE: Architektur & Stadtplanung

Zitat:
Original von Ocaña
Hach...da muss ich direkt an Jean-Pierre Melville und den Anfang von UN FLIC decken. Der spielt zwar in Saint-Jean-de-Monts, die Architektur ist die gleiche.

Die Espaces d'Abraxas sind Kulisse zu "Brazil". Vor vielen Jahren war ich mal dort (und ein wenig ernüchtert, was zu erwarten war).

http://www.archdaily.com/774578/a-utopian-dream-stood-still-ricardo-bofills-postmodern-parisian-housing-estate-of-noisy-le-grand



Geschrieben von blaireau am 11.02.2016 um 18:58:

  Peter Zumthor

Ich möchte hier eine kleine Serie über die aussergewöhnlichen Arbeiten des Peter Zumthor starten.

Als erstes zum Expo Pavillon der Schweiz, anlässlich der Weltausstellung 2000 in Hannover:

Er war der Publikumsliebling, hab ich gelesen: Zumthor schichtete ca. 2000 Tonnen Holz übereinander, nur von Stahlklammern zusammengehalten, in einer komplexen Form. Am Ende der Expo wurde alles wieder abgebrochen und für andere Bauten verwendet.

https://www.google.ch/search?q=zumthor+expo&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjZuf_1ovDKAhWLFJoKHQMOA4IQ_AUIBygB&biw=1239&bih=709

https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Pavillon_auf_der_Expo_2000_Hannover

Zitat:
Die Ansicht des Pavillons erinnerte stark an ein häufiges, gewohntes Bild: Bretterstapel in einem Schreinereilager.
....
Der Pavillon war Licht, Luft und Regen ausgesetzt. Entsprechend veränderte er sich optisch auf natürliche Weise im Verlauf der fünf Monate andauernden Expo 2000.
....
Der Pavillon sprach alle fünf menschlichen Sinne an. Die Holzstapel boten ein Erlebnis für Augen und die Musikklänge für die Ohren. Aber auch der Tast- und der Geruchssinn kamen nicht zu kurz. Das Holz konnte ertastet werden. Zudem änderte und intensivierte sich der Duft des frisch geschnittenen Holzes je nach Wetterlage.



Geschrieben von Herr Doepfel am 11.02.2016 um 19:21:

  RE: Peter Zumthor

Kam Po Wong

Das mit dem Publikumsliebling kann ich allerdings nicht so ganz bestätigen. Star war - und ist auch heute noch in verrottetem Zustand - der niederländische Pavillon (vom von Ernst-Haugust veredelten Türken-Pavillon mal abgesehen zahnlos ).

Ich muss gestehen, mich an den Schweizer Beitrag gar nicht zu erinnern. Ich war während des Spektakels allerdings auch nie auf dem Gelände.



Geschrieben von Herr Doepfel am 11.02.2016 um 20:02:

  RE: Peter Zumthor

Zitat:
Original von Herr Doepfel
Ich muss gestehen, mich an den Schweizer Beitrag gar nicht zu erinnern. Ich war während des Spektakels allerdings auch nie auf dem Gelände.

Jetzt habe ich ein wenig nachgelesen und Bilder angeschaut... und find's schade, das seinerzeit verpasst zu haben. Ach... hm.... seufz



Geschrieben von Michelin-Männchen am 11.02.2016 um 20:45:

  RE: Peter Zumthor

Zitat:
Original von Herr Doepfel
Kam Po Wong

Das mit dem Publikumsliebling kann ich allerdings nicht so ganz bestätigen. Star war - und ist auch heute noch in verrottetem Zustand - der niederländische Pavillon (vom von Ernst-Haugust veredelten Türken-Pavillon mal abgesehen zahnlos ).

Ich muss gestehen, mich an den Schweizer Beitrag gar nicht zu erinnern. Ich war während des Spektakels allerdings auch nie auf dem Gelände.

Der niederländische Pavillon war toll, die Schweizer Installation fand ich interessant. An den türkischen Pavillon kann ich mich nicht erinnern.



Geschrieben von blaireau am 11.02.2016 um 21:03:

  RE: Peter Zumthor

Seine Kapelle zu Wachendorf

Es begab sich in den ersten Jahren dieses Jahrtausends.
Ein Eifel-Bauer, religiös und ein Verehrer des Bruder Klaus, wollte eine Kapelle stiften. Da las er in der Zeitung, dass ein berühmter Architekt, der Zumthor eben, unter 160 Mitbewerbern den Wettbewerb der Diözese Köln für den Bau des Kolumba-Museums gewonnen hatte.

Er schrieb den Architekten an, ob es nicht möglich wäre, eine kleine Zeichnung, eine Skizze für eine Kapelle erhalten zu können. Der Zufall wollte es, dass die Mutter Zumthors auch eine Bruder Klaus-Verehrerin war.

Zumthor war interessiert, machte den Abstecher von Köln nach Wachendorf und stellte drei Dinge klar:
- ich baue modern
- ich bin sehr teuer
- ich bestimme jedes Detail

Offenbar verstand man sich, und Zumthor begann mit der Arbeit. Er beschäftigte sich jahre-, jahrelang damit: "Meine kleinste Aufgabe gehört zu meinen grössten, und zu meinen schwierigsten"

Am Ende entstand ein 10 Meter hoher, eckiger Turm aus Stampfbeton, über eine Art Wigwam aus Baumstämmen gestülpt. Die Stämme stammten aus einem nahen Wald, Kies und Sand für den Beton aus einem nahen Steinbruch.
Stampfbeton ist ein einfaches und zugleich aufwendiges Material: der Beton ist zäh und muss Lage für Lage, jeweils ca. 50cm, von Hand verdichtet, "eingestampft" werden.
Geld war nicht viel vorhanden. Die Arbeit erledigten der Bauer und seine Freunde vor Ort. Jedes zweite Wochenende legten sie eine Schicht mehr, und nach ca. 22 Arbeitsgängen war der Turm fertig. Zumthor legte selber noch Hand an beim betonieren.
Die Schalungen werden ja mit langen Eisenstangen zusammengehalten. Wenn man sie entfernt, entstehen Löcher. Zumthor stopfte diese mit Glaszapfen aus, die er in einer regionalen Glaserei anfertigen liess.
Die Kapelle ist oben offen, es regnet also hinein. Zumthor liess den Boden leicht trogförmig aus Blei giessen, und das Regenwasser läuft durch den Türspalt ins Freie.
Als der Bau fertig war, liess Zumthor die Stämme mit einem holzkohlenmeiler-artigen Schwelfeuer abrennen und entfernen.

Wie alles fertig war, verrechnete er dem Bauern das Honorar für die Zeichner und den Statiker. Auf sein eigenes verzichtete er.

Es ist eines der schönsten modernen Bauwerke, die ich mir denken kann: als Bauwerk und als Geschichte. Wenn man es besucht, stellt man sein Fahrzeug ab und muss einen Feldweg gehen, bis man dort ist.

"Gänsehaut", sagte ein Freund von mir, der mir den Besuch empfahl. Vor drei Jahren war ich dort.

Bilder zum Bau und zur Kapelle:
http://mshopnyc.blogspot.ch/2014/02/now-thats-fierce-chapel-get-thee-to.html
ergreifend primitiv & ergreifend schön.

Ein kleines Video:
https://www.youtube.com/watch?v=mKdmQSngTUo


Zitat:

Die Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf ist einem Einsiedler gewidmet, einem Heiligen mit Namen Nikolaus von der Flüe. Es ist eine vollendete Kapelle. Sie schenkt Geborgenheit und Gedankenfreiheit, Konzentration und Entrückung. Sie ist rätselhaft und klar, archaisch und modern. Darin gleicht sie ihrem Erbauer, dem Schweizer Baumeister Peter Zumthor.

"Ein Mystiker der Architektur", schrieb eine Kritikerin der "New York Times" über ihn, wie erratische Blöcke markierten seine Gebäude die zeitgenössische Bauwelt: voll handwerklicher Klarheit und Schönheit, voller Würde und Ruhe.



Geschrieben von zabelfan am 11.02.2016 um 22:46:

  RE: Peter Zumthor

besten Dank. Eine nette Geschichte und ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Das muss ich unbedingt mal in meine Köln-Besuche einbauen smile



Geschrieben von Pedalritter am 11.02.2016 um 22:54:

  RE: Peter Zumthor

In Berlin ist er "grandios" gescheitert. Er ist teuer, aber nicht teuer genug. zahnlos

Zitat:
1993 gewann Zumthor in Berlin den Architekturwettbewerb für die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Nachdem aus den ursprünglich geplanten 22,5 Millionen Euro Baukosten[1] 38,8 Millionen Euro geworden waren, bezifferte eine Machbarkeitsstudie mögliche Zusatzkosten auf 3 bis 5 Millionen Euro.


Dabei lag zu der Zeit in Berlin das Geld noch auf der Straße. Augen rollen

Wenn man die Kostensteigerungen neuerer Projekte dagegen vergleicht, Tränen lachen

Wirft auch ein schlechtes Licht auf die damaligen Entscheidungsträger, Gedenken ist gut, darf aber nicht zu teuer sein.



Geschrieben von Pedalritter am 11.02.2016 um 23:06:

  RE: Peter Zumthor

Zum Gebäude in Wachendorf:

Ich brauch solche einen Ort nicht. Diesen Ort einem Einsiedler zu stiften, finde ich eine "krasse" Idee. Warum muss es jedoch eine Höhle sein? und wenn du die Tür vergisst zu schließen, bekommst du wegen der Zugluft Halsschmerzen.



Geschrieben von blaireau am 11.02.2016 um 23:55:

  RE: Peter Zumthor

Zitat:
Original von Pedalritter
Warum muss es jedoch eine Höhle sein? und wenn du die Tür vergisst zu schließen, bekommst du wegen der Zugluft Halsschmerzen.


Ich glaube, sie erinnert an die karge Zelle des Bruder Klaus. Dort gab es offenbar nicht mal ein Türe.

http://www.bruderklaus.com/?id=14

Zitat:
Man betritt zu ebener Erde den Vorraum des aus Tannenbalken errichteten Baues. Die über eine Treppe erreichbare Wohnzelle liegt anderthalb Meter über dem Erdboden. Sie wurde erst 1920 mit einer alten Türe verschliessbar gemacht.
...
Albrecht von Bonstetten bezeugt 1478 kein Hausgeschirr, keinen Tisch und kein Bett gesehen zu haben. Die Armut der Zelle entsprach dem Geist des Herrn, der nichts hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Nach den alten Quellen schlief Bruder Klaus auf dem blossen Boden, wobei er einen Holzblock unter seinen Kopf legte. Im Winter bediente er sich einer alten Decke.


Berlin war eine schrecklicher Erfahrung für Zumthor. Er sagte später, er konnte kaum glauben, wie billig die Bauarbeiten offeriert wurden und dachte sich: unmöglich. Wie so ein System funktioniert, zeigt doch die Elbphilharmonie. Mit trickreichen Nachforderungen kommen die Firmen, die mit unrealistischen Angeboten den Zuschlag erhalten, zu ihren Gewinnen.

https://www.youtube.com/watch?v=lDzUqO5XSgo#t=7m50s

Kurz nach dem Baustopp und dem Abbruch des bereits gebauten Teils erhielt Zumthor den Pritzkerpreis, den "Nobelpreis" der Architekten. Es war eher eine Blamage für die Bauherrschaft. Zumthor stritt bis vor Bundesverfassungsgericht für sein Recht, die "Topographie des Terrors" noch zu bauen.



Geschrieben von Pedalritter am 12.02.2016 um 00:14:

  RE: Peter Zumthor

Ok, Bruder Klaus war ein religiöser Ereiferer, der moderierend bei innerschweizer Streitigkeiten auftrat und dabei half, die Einheit der Schweiz zu erhalten. Gut. Ich akzeptiere die Höhle als Sakralbau, ich habe die Bilder gesehen und in der Mitte der Höhle steht eine Bank! großes Grinsen Hatte Bruder Klaus eine Bank in seiner Einsiedlerei? Augenzwinkern



Geschrieben von blaireau am 12.02.2016 um 00:40:

  RE: Peter Zumthor

Zitat:
Original von zabelfan
meine Köln-Besuche


Dann unbedingt auch mal ins Kloumba-Museum:
http://badatsports.com/wp-content/uploads/2009/04/008.jpg
http://images.cdn.baunetz.de/img/2/7/9/1/5/35ca5cd0523b4bd1.jpg
http://shakespeareintitchfield2.weebly.com/uploads/1/5/3/9/15391744/_1742674_orig.jpg
http://www.architectureanddesign.com.au/getmedia/bd3effa1-970e-4306-95df-8773799e81f4/130910_bricks_kolumba1.aspx

Dieser grosse Raum im Erdgeschoss, den man auf einer Zickzack-Holzbrücke durchquert:
zuunterst Reste der römischen und mittelalterlichen Siedlung, darüber und daneben die Trümmer der zerbombten Sankt-Kolumba Kirche, auf der gleichen Ebene ist die "Madonna in den Trümmern"-Kapelle (von 1947) in dieser Halle umbaut: ein Haus im Haus.

Die Ziegelstein-Wände, die Zumthor direkt auf den Resten der Kirche weitergebaut hat, mit diesen tausenden Lücken nach aussen, halbdurchlässig. Es entstehen flackernde Lichtspiele an der Decke, je nach Sonne und Himmel und Reflexen. Und der Strassenlärm und die Geräusche der Gegenwart dringen gedämpft hinein in diesen Raum komprimierter Zeit. Ich hab nie zuvor so sinnlich Zeit und Geschichte gespürt wie hier.

In den oberen Stöcken dann die Kunst-Ausstellungen, auf durchgehend gegossenen, riesigen Terazzoböden und glatt verputzten Wänden. Fast nur Tageslicht, mal hell, mal dunkel und schattig, mit vereinzelten bodenbündigen, grossen Fenstern, vor denen sich Köln nahtlos ausbreitet. Und jeder Raum, von Leseraum bis Toilette, ist einfach, aber doch aufwendig und sorgfältigst ausgestaltet.
"Lasst uns einfach bauen - koste es was es wolle", M. van der Rohe

https://c4.staticflickr.com/4/3212/2784306999_4af85fec39_z.jpg?zz=1
https://img.kalleswork.net/Zumthor-Kolumba/IMGP0066/
https://img.kalleswork.net/Zumthor-Kolumba/IMGP0070/

Eintritt €5, und unter 18 Jahren frei.
(Die Diözese kann's sichs leisten, und tut es immerhin auch)



Geschrieben von blaireau am 12.02.2016 um 00:49:

  RE: Peter Zumthor

Zitat:
Original von Pedalritter
Ok, Bruder Klaus war ein religiöser Ereiferer, der moderierend bei innerschweizer Streitigkeiten auftrat und dabei half, die Einheit der Schweiz zu erhalten. Gut. Ich akzeptiere die Höhle als Sakralbau, ich habe die Bilder gesehen und in der Mitte der Höhle steht eine Bank! großes Grinsen Hatte Bruder Klaus eine Bank in seiner Einsiedlerei? Augenzwinkern


Die Bank kam erst viel später hinzu. Noch später dann noch mehr Banken.



Geschrieben von Pedalritter am 12.02.2016 um 01:00:

  RE: Peter Zumthor

Zitat:
Original von blaireau
Zitat:
Original von Pedalritter
Ok, Bruder Klaus war ein religiöser Ereiferer, der moderierend bei innerschweizer Streitigkeiten auftrat und dabei half, die Einheit der Schweiz zu erhalten. Gut. Ich akzeptiere die Höhle als Sakralbau, ich habe die Bilder gesehen und in der Mitte der Höhle steht eine Bank! großes Grinsen Hatte Bruder Klaus eine Bank in seiner Einsiedlerei? Augenzwinkern


Die Bank kam erst viel später hinzu. Noch später dann noch mehr Banken.


Ich habe noch etwas einwirken lassen. Das Gebäude erinnert auch an eine Festung. Festung des Glaubens.

Zitat:
Ein feste Burg ist unser Gott; M.Luther


Das steht im meinem Heimatort an der Hauptkirche als Bande oder Litfaßsäule. Plakativ.



Geschrieben von blaireau am 17.05.2017 um 17:37:

  Milano

http://www.spiegel.de/stil/entryways-of-milan-die-schoensten-hauseingaenge-in-mailand-a-1147427.html

Ziemlich fesch, diese Hauseingänge.


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