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--- (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP (http://forum.cycling4fans.de/thread.php?threadid=23985)
Geschrieben von Chianni am 25.05.2010 um 17:45:
(Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Hat jemand Erfahrung damit ? Und kann mir vielleicht sagen, wie lange es dauert, wenn ich artig meine Gymnastik mache, bis ich wieder auf'm Rennrad sitze? Ich bin am 1.4. (kein Aprilscherz!) an der LWS operiert worden, war vier Wochen zur sogenannten AHB und jetzt zwei mal wöchentlich beim Physiotherapeuten, ab nächster Woche vier Mal. Wenn ich nicht bei der Physio bin, darf ich 2x15min turnen (1x davon sogar auf dem Hometrainer, wenn ich schön aufrecht sitze). 2-3 km darf ich laufen (ich meine gehen). Von Radfahren redet derzeit gar niemand, und wenn es irgendwann mal soweit ist, schön mit Lenker vom Holländerfahrad so was besitze ich gar nicht!!). Es ist zum Heulen!
Also hat das schon jemand durch und kann mal den pessimistischen Äußerungen sämtlicher Orthopäden und Therapeuten entgegenwirken? Mir vielleich spezielle Übungen empfehlen?
Geschrieben von teufelsberg am 25.05.2010 um 17:48:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Was und wie wurde denn operiert?
Geschrieben von Chianni am 25.05.2010 um 18:36:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Also der Vorfall war am L4 L5 links. Der Eingriff erfolgte vom Rücken her, mikrochirurgisch. Der Kern wurde entfernt. Es wurde keine künstliche Bandscheibe eingesetzt. Reicht das?
Geschrieben von teufelsberg am 25.05.2010 um 23:14:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Zumindest nicht versteift, gut.
Von fern sind sinnvolle Aussagen quasi unmöglich.
Aus der Praxis lässt sich pauschal sagen, dass auch sehr feste und unbewegliche Rücken wieder gut beweglich, und dabei stabil, werden können. Dann sollte zumindest gemäßigte Rennradposition auch kein Problem sein.
Der Bandscheibenvorfall hat idR etwas mit dauerhafter Fehlanspannung von Muskeln im unteren Rücken zu tun; durch diese (unbewusste) Daueranspannung verändern sich die Faszien (um den Muskeln) und andere Bindegewebsstrukturen, die Anspannung wird zur normalen Körperhaltung, im Gehirn abgespeichert, die nur noch schwer zu beeinflussen ist (der eine hat X-Beine, der nächste hochgezogene Schultern, ein anderer zusammengebissene Zähne, etc.)
Wenn die tiefen Strukturen nah der WBS gut arbeiten, ist alles in Ordnung; die Muskeln brauchen eine gewisse (prozentual sehr geringe) Grundanspannung, die Bindegewebsstrukturen müssen im Gleichgewicht sein.
Durch zu starke Anspannung in äußeren Muskeln werden die tieferen quasi "an ihrer Arbeit gehindert", die Grundspannung fehlt oder sie sind zu stark angespannt, beides schlecht für die Balance von Beweglichkeit und Stabilität.
Es gibt Ansätze, an Geräten die tiefen Muskeln zu trainieren; allerdings ist es wichtiger, die unnötigen Spannungen zu lösen. Die Physio sollte da was bringen, wenn sie gut ist. Die Veränderungen im Bindegewebe sind schwieriger, da die Hochschulmedizin die Beeinflussung durch Behandlung theoretisch abstreitet. Kann aber trotzdem funktionieren.
Lange Rede, kurzer Sinn: am besten ist Bauchtanz.
Es gibt eine Feldenkrais-Übung, die "Beckenuhr", die ganz gut geeignet ist.
Allerdings kommt es darauf an, es "richtig" zu machen, heißt mit so wenig (äußerer) Muskelanspannung wie möglich, dann arbeiten der Psoas und die WBS-nahen Muskeln.
Da kann es sich lohnen, mal jemanden zu fragen, der sich damit auskennt, weil man oft selbst keinen Zugang mehr zu der "normalen" Anspannung hat.
Wenn das gut funktioniert, trainiert man bei jedem Schritt und beim Sitzen die richtigen Strukturen; dann kann es sich recht schnell und dauerhaft stabilisieren, so dass später auch Rennrad kein Problem sein sollte.
Aber wie gesagt, Aussagen von fern sind Murks.
Geschrieben von Chianni am 26.05.2010 um 18:15:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Bauchtanz.
Hm
Kann ich mir schwer vorstellen
Da klingt Feldenkrais schon besser. Und das mit den tiefen Muskeln, ja. Das Problem ist wirklich, die richtig zu "trainieren". Ohne Anleitung und Kontrolle durch eine zweite Person läuft man glaub ich zu schnell Gefahr, dann doch wieder die großen Muskeln zu trainieren.
Am Montag geh ich erst mal zum Osteopathen. Denn ich glaub auch, dass das Problem nicht allein im Bereich der LWS liegt. Während des Studiums hat mich mal eine Kuh in den Nacken getreten. Seitdem hatte ich da immer mal Probleme wenn ich gefroren habe, aber eben nur da.
In den letzten Jahren kriegte ich Probleme an der LWS immer, wenn ich mich in meinem Job stark konzentrieren und wenig bewegen konnte, Zwangshaltung nennt man sowas wohl. Und, da decken sich meine Erfahrungen mit denen von van Impe: Beim Rennradeln hatte ich nie Probleme, oder beim Klettern, oder im Urlaub.
Geschrieben von ispohoffi am 26.05.2010 um 18:27:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
| Zitat: |
Original von Chianni
Während des Studiums hat mich mal eine Kuh in den Nacken getreten. |
versucht ne kuh im schlaf umzuschupsen?
Geschrieben von Offi am 26.05.2010 um 18:29:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Schonmal 'ne schlafende Kuh gesehen?
Geschrieben von ispohoffi am 26.05.2010 um 18:31:
klar...
Geschrieben von Hansi.Bierdo am 26.05.2010 um 18:41:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
| Zitat: |
Original von van Impe
Auf'm Rennrad geht's meinem Rücken eigentlich auch besser, als mit einem "normalen" Rad.
Könnte daran liegen, daß mit der nach vorngebeugten Sitzposition nicht jede Bodenwelle, nicht jeder Schlag so direkt in die Wirbelsäule geht, als wenn man gerade sitzt.
|
Korrekt. Das sehen Fachleute genauso!
Geschrieben von Chianni am 26.05.2010 um 18:50:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
| Zitat: |
Original von ispohoffi
versucht ne kuh im schlaf umzuschupsen? |
Ich geb zu, es hat ne Weile gedauert, bis ich begriffen habe
Nein, die haben uns tatsächlich manchmal geweckt und rausgeschickt und wir mussten die blöden Viehcher behandeln
Und Offi, nein, hab ich nicht. Soweit ich mich erinnere, schläft eine Kuh nur ganz kurz, sie döst eher und widerkäut dabei vor sich hin.
Geschrieben von Offi am 26.05.2010 um 18:51:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Sie schlafen vor allem im Liegen.
Geschrieben von Chianni am 26.05.2010 um 18:52:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
| Zitat: |
Original von Offi
Sie schlafen vor allem im Liegen. |
korrekt
Geschrieben von ispohoffi am 26.05.2010 um 19:19:
aber eben auch im stehen..ich weiß das man sie schubsen kann...sie sollen aber mitunter sehr aggressiv darauf reagieren...der tritt könnte eine folge gewesen sein daher meine vermutung
Geschrieben von teufelsberg am 26.05.2010 um 21:55:
| Zitat: |
Original von ispohoffi
aber eben auch im stehen..ich weiß das man sie schubsen kann...sie sollen aber mitunter sehr aggressiv darauf reagieren... |
Die Bösen!
Kuhschubsen, was'n hier los.
Geschrieben von teufelsberg am 26.05.2010 um 22:30:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
| Zitat: |
Original von Chianni
Bauchtanz.
Hm
Kann ich mir schwer vorstellen
Da klingt Feldenkrais schon besser. Und das mit den tiefen Muskeln, ja. Das Problem ist wirklich, die richtig zu "trainieren". Ohne Anleitung und Kontrolle durch eine zweite Person läuft man glaub ich zu schnell Gefahr, dann doch wieder die großen Muskeln zu trainieren.
Am Montag geh ich erst mal zum Osteopathen. Denn ich glaub auch, dass das Problem nicht allein im Bereich der LWS liegt. Während des Studiums hat mich mal eine Kuh in den Nacken getreten. Seitdem hatte ich da immer mal Probleme wenn ich gefroren habe, aber eben nur da.
In den letzten Jahren kriegte ich Probleme an der LWS immer, wenn ich mich in meinem Job stark konzentrieren und wenig bewegen konnte, Zwangshaltung nennt man sowas wohl. Und, da decken sich meine Erfahrungen mit denen von van Impe: Beim Rennradeln hatte ich nie Probleme, oder beim Klettern, oder im Urlaub. |
Bauchtanz ist immer meine pauschale Empfehlung, am besten Männern, nicht ganz ernst gemeint, eher um sich die prinzipielle Bewegung zu verdeutlichen.
Wobei es nur um einen deutlich geringeren Bewegungsumfang geht.
Feldenkrais in der Gruppe gibts schon recht günstig, und ein bischen sollte dabei auch gesehen werden.
Natürlich kannst du Einzelsitzungen nehmen, dann kann man ganz genau bestimmte Übungen durchgehen; wie gut der Feldenkraisler in Einzelsitzungen ist und ob er durch gezieltes Anfassen die "falschen" Spannungen vermitteln und dadurch das loslassen derselben vermitteln kann, weiß ich nicht. Die Bindegewebsveränderungen wird er wenn eher zufällig lösen.
In der strukturellen Integration (verschiedene Richtungen, die sich in der Ausbildung mit Bindegewebsveränderungen befassen und irgendwie auf Ida Rolf beziehen) ist das sozusagen das "normale" Vorgehen; am besten jemand, der sich mit "Movement" befasst hat.
Das Problem liegt iAR nicht nur in der LWS, richtig.
Die "gute" Grundspannung zieht sich durch den ganzen Körper, ebenso unser individuellen "Fehl"Anspannungsmuster (ob Kuhtrittbedingt oder wegen anderen Unfällen oder Muster von Erwachsenen übernommen oder emotional bedingt sind; oft sieht man auf Kinderfotos den Beginn der "typischen" Haltung).
In der Osteopathie guckt man auch nach Verbindungen zwischen verschiedenen Körperregionen. Allerdings fehlt da das Gesamtkonzept zum Bewegungsapparat, und teilweise stehen sie sich mit ihrer (teils fraglichen) Theorie selbst im Weg (nichts gegen Osteopatie generell, gerade im viszeralen Bereich oder der Nervenbehandlung kommen hierher entscheidende Bausteine)
Das gute ist: wenn die Spannung im Bindegewebe mal wirklich gelöst ist, hast du auch die Möglichkeit, beim ganz normalen Sitzen die Anspannungen in der Muskulatur zu spüren und loszulassen.
Geschrieben von Pedalritter am 26.05.2010 um 22:54:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Ich als Laie würde einfach raten, die Arbeitsbedingungen versuchen zu verändern, da diese scheinbar die Ursache sind.
Geschrieben von falkiboy am 26.05.2010 um 22:56:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
Kuhschubsen ... Tststs
Iss das die moderne Variante der germanischen Elchjagd nach Tacitus?
die ollen Germanen haben nämlich Elche einfach umgeschubst zum jagen!
guckst du:
"Es gibt noch ein anderes Tier, das man Elch nennt. Seiner Gestalt nach ist es wenig von einem Reh verschieden, ebenso buntscheckig, nur etwas größer und mit abgestumpften Hörnern; seine Beine sind ohne Knöchel und Gelenke. Dieses Tier legt sich deshalb beim Schlafen nicht nieder und kann, wenn es durch einen Zufall umgeworfen wird, sich auch nicht wieder aufhelfen und auf die Beine kommen. Die Bäume dienen ihm als Ruheplätze; an diese stützt es sich, und so, nur ein wenig angelehnt, schläft es. Merken nun die Jäger aus der Spur, wo ein solches Tier gewöhnlich ruht, so untergraben sie an dieser Steile entweder alle Bäume an den Wurzeln oder hauen den untersten Stamm so weit aus, daß es ganz so aussieht, als ständen sie noch fest. Wenn nun das Tier seiner Gewohnheit nach sich anlehnt, so wirft es durch seine Schwere den angehauenen oder untergrabenen Baum um und stürzt selbst mit ihm zu Boden."
Geschrieben von le coq sportif am 27.05.2010 um 07:32:
RE: (Renn)radfahren nach Bandscheiben-OP
hallo chianni,
das kommt mir alles sehr bekannt vor - nur, dass es bei mir immer im schulter-/nackenbereich sitzt. zum glück wurde es auch nie so schlimm, dass eine operation nötig war.
vor allem würde ich aber auch sagen: erstaunlicherweise tut rennradfahren gut, auch wenn die haltung vielleicht nicht optimal ist. ich erkläre mir das immer damit, dass es grundsätzlich entspannt. meine probleme sind allerdings auch rein muskulär.
der orthopäde hat mir vor ein paar monaten gerätegestützte krankengymnastik verschrieben, novotergum heißt der dienstleister. und das war das einzige, was mir entscheidend geholfen hat. dabei sollen eben genau jene tiefliegenden muskeln aufgebaut werden.
massagen habe ich zwar auch immer sehr genossen, aber die entspannung hat nicht lange vorgehalten. dieses novotergum hat so nachhaltig geholfen, dass die beschwerden immer noch wesentlich besser sind, obwohl ich seit februar nichts mehr mache. was natürlich auch nicht gut ist.
keine ahnung, ob das irgendwann auch was für dich ist - mir hat es jedenfalls geholfen! gute besserung!
Geschrieben von Chianni am 27.05.2010 um 20:22:
von Novotergum habe ich noch nie was gehört. Aber ich werde mich mal schlau machen. Danke für den Tipp.
Wie gesagt, ich geh jetzt erst mal zum Osteopathen. Irgendwo muss ich ja anfangen. Und ich werd sehen, ob und wie ich damit zufrieden bin. Bei meinem Physio hab ich heute mal Feldenkrais angesprochen und siehe da, er wusste nicht nur, wovon ich sprach (möchte ja auch sein), sondern hat mir auch gleich ein paar Tipps gegeben. Allerdings sieht es eben so aus, als müsste ich noch lange lange lange aufs Rennrad verzichten. Denn auch wenn ich Euch zustimme, dass ich in aufrechter Position doch viel mehr Stöße auf die Wirbelsäule kriege, sind die mich derzeit umgebenden Fachleute da ganz anderer Meinung.

Hoffentlich verkümmern die beiden nicht, meine Rennräder, meine ich... oder kriegen Depressionen.
Und Pedalritter, Du hast Recht. Leider bedeutet das, mich total umzuorientieren, denn bevor ich zum Veterinäringenieur wurde, habe ich Tierzucht studiert. Ich hätte doch Lehrer werden sollen, wie es meine Mutter immer wollte

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