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Geschrieben von Andi am 31.07.2009 um 17:25:
L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
| Zitat: |
L'Etape du Tour 2008
SEE YOU ON MONT VENTOUX - 2009
|
Nach dem schönen Radurlaub und der Teilnahme an der L´étape du Tour 2008 -
Checker berichtete war eins kurz nach Bekanntgabe der Strecke für 2009 im Oktober 2008 klar , Mont Ventoux, das läuft nicht ohne uns...
Als kleinen Vorgeschmack, was an Urlaubsberichten in den nächsten Tagen folgt, fangen wir diesmal mit dem Finale an. Dazu werden noch einige Urlaubsberichte aus den Hochsavoien und den Seealpen folgen..., nicht war Käptn?
„Der Mont Ventoux, ein vollkommener Berg“, wenn man den Worten des französische Philosophen und Radsportfan Roland Barthes Glauben schenken mag. „..ein Gott des Bösen, dem Opfer gebracht werden müssen“, so Barthes weiter. Ganz so schlimm wird es wohl nicht werden, aber an diese Worte dachte ich auf der morgendlichen Fahrt mit dem Auto zum Start der
L´étape du Tour 2009. Von Montelimar auf den Mont Ventoux. Die
Originalstrecke der 20.Etappe der Tour de France 2009, auf der es, einen Tag vor Paris, bei den Profis, nach den Worten von Lance Armstrong, Krieg geben wird. Die Strecke ist mit ca. 170km ausgezeichnet und verläuft im nordwestlichen Halbkreis um den mystifizierten Mont Ventoux.
Nach einigen Trainingstagen in den Hochsavoien und den Seealpen, bei denen echte Klassiker, wie beispielsweise Col de la Croix de Fer oder die 21 Serpentinen zur Retorte Alpe d´Huez als Vorbereitung zum Jedermannrennen der ASO – L´étape du Tour 2009 – genutzt wurden, ging es am Morgen des 20.Juli um kurz nach sechs in die Startaufstellung in Montélimar. Leider richtete sich die Startaufstellung des Veranstalters nur bedingt nach den Resultaten des Vorjahresrennens (Pau-Hautacam), so dass ich mit dem vierten Startblock vorlieb nehmen musste. Mein
Kapitän konnte sich durch sein hervorragendes Ergebnis des Vorjahres wenigstens in Startblock zwei einordnen, was mir eine freie Fahrt durch das vor mir startende ca. 2200 Mann starke Feld ermöglichen würde. Die versprochene Unterstützung werde ich an anderer Stelle einlösen, vielleicht beim Start 2010?
Pünktlich um 7:00 fiel der Startschuss und ca. 9 Minuten darauf rollte ich über die Ziellinie. Nun ging es bei sommerlicher Frühtemperatur von 17°C auf die Strecke. In den ziemlich ungeordneten Reihen von langsamen und schnelleren Fahrern machte ich mich umgehend auf, um schnellst möglichst nach vorne zu fahren. Nach einigen Kilometer ordnete sich das Peloton. So bildete sich eine links überholende Reihe von Fahrern. Erstaunlich die Ruhe, mit der die „Pelotons der zwei Geschwindigkeiten“ sich über die Straßen der Provence drückten. Ein leichter Gegenwind sorgte dafür, dass sich lange Rennrad-Ketten in Richtung der Côte de Citelle schoben. Diese Bergwertung der dritten Kategorie, mit 5,2 km und 3,9% Durchschnittssteigung, sollte für viele die erste Hürde sein und für mich die Chance sich im Klassement nach vorne zu schieben. Ohne übermäßig zu überdrehen fuhr ich, an der Schwelle, meinen Rhythmus und überholte auf der linken Seite in den Kurven der Auffahrt die es langsamer angehenden Sportler. Mit großer Freude auf die Abfahrt, welche Tags zuvor inspiziert wurde, erreichte ich die Spitze der ersten Bergwertung.
Nun ging es hinab ins Tal, in dem die Hauptaufgabe nun war, eine schnelle Gruppe zu finden. Mit den richtigen Fahrern könnte so die Aufholjagd beginnen. Leider klappte das Vorhaben nur bedingt. Lediglich zwei weitere wollten mit mir zusammen dem Wind trotzen, die Restlichen wollten eine Bummelfahrt in unserem Windschatten erhaschen. So ging es, mehr als gewünscht im Wind, talaufwärts zum kleinen Ort Rousset-les-Vignes, hinter dessen Toren eine schöne Abfahrt in unsere noch viel schönere Quartierstadt Nyons wartete. Auf dieser nutze ich die Gelegenheit zu den vorderen Gruppen aufzufahren. Kurz vor Nyons erreichte ich eine 25 Mann starke Gruppe, mit der es durch die, schon zu diesen frühen Morgenstunden, von Zuschauern gesäumten Straßen Nyons ging. Angefeuert von den Zurufen der Menschen ließ ich mich auch direkt auf Führungsarbeit ein.
Als wir dann flussaufwärts ins Tal des Flüsschen Eygues rollten schien die Gruppe direkt „einzuschlafen“. Einem der Winde der Provence - dem Pontias - ausgesetzt, war nun richtiges Bummeln angesagt. Zwar erkannte ich in einigem Abstand ein weiteres großes Feld, meiner Form traute ich, 17 Tage nach einem Rad-Auto-Crash, das Zufahren der Lücke bei Gegenwind, kurz vor dem nächsten Anstieg, aber nicht zu. So rollte das Peloton langsam zum Fuß des Col d´Ey (6,3 km at 5 %). Dort angekommen konnte man schon das Feld vor uns sehen, zersplittert in eine lange Reihe im 6,3km langen Anstieg (5% Steigung im Schnitt), ausmachen. Den Anstieg nahm ich wieder in einem humanen Rhythmus.
Die Abfahrt ein Traum, schöne scharfe Kurven, ordentlich Tempo. Im Tal dann 5km normales Gruppenfahren zum Col de Fontaube (4,7 km at 4,3 %), ein langgezogener, gleichmäßiger Anstieg. Kurze Zwischenabfahrt, eine kleine Gegensteigung und dann wieder hinunter ins Tal. Mit meinen Abfahrtsqualitäten konnte ich auch hier keinen Blumentopf gewinnen. Denn im Tal waren wir nur noch zu zweit. Keine Fahrer vor mir und hinter mir in Sicht. Somit blieb nur gemeinsames Tempo mit dem Franzosen neben mir. Das konnte nicht lange gut gehen, eine Gruppe rollte auf. Diese war gar nicht so schlecht besetzt, es entwickelte sich eine schnelle Phase auf der leicht ansteigenden Fahrt nach Aurel und Sault, bei der ich richtig Probleme bekam. Die Gruppe wollte die ca. 500m vor uns fahrenden wohl einholen. Kurz abgehängt kam ich aber wieder ran, denn die Sportsfreunde ließen es in der kurzen Abfahrt wieder extrem langsam angehen. Nun ging es in den vorletzten Prüfstein vor dem Schlussanstieg; den Col de Notre-Dame des Abeilles (7,8 km at 4 %). Dieser Berg der dritten Kategorie ging nahezu steil los, wurde dann flacher, gefolgt von lustigem Wellenreiten zur Bergwertung. Die Belohnung: eine Abfahrt auf einer breiten Straße. Sehr schade, dass hier Wind herrschte. Höchstgeschwindigkeiten waren nicht zu erreichen. Am Ende der Abfahrt nahmen alle die Beine hoch, einige stärkten sich. Mit leichten Magenproblemen ließ ich das besser sein. In der Verpflegung in Bédoin nahm ich eine Trinkflasche und rollte weiter. Schnitt bis hier hin 33km/h; absolut ok, auch wenn das Trödeln in den schnellen Abschnitten genervt hat.
Die ersten Kilometer im Anstieg, noch 21km (
21,2 km at 7,6 %) bis zum Ziel und schon 150km zurückgelegt. Ich fühle mich körperlich sehr gut. In St. Estève wird es steil, dann geht’s zweistellig durch einen ewig andauernden Wald. Da ich den
Anstieg aus dem letzten Jahr kenne, teile ich meine Kräfte ein. Die ersten Passagen laufen prächtig, aber das war nicht von langer Dauer. Meine Knieschmerzen, die auf den Unfall zurückzuführen sind, melden sich. Noch geht´s. Bloß nicht drüber nachdenken. Langsam wird es wärmer; da man sich nur noch mit wenigen km/h bewegt, kühlt der Fahrtwind nicht mehr. Meine Trinkflaschen sind leer. 6km vor dem Ziel gibt es noch eine Getränkeversorgung. Je weiter ich hinauf kurbele, desto mehr schmerzt das Knie. Jede Umdrehung wird zur Qual. Mittlerweile ist die Bergziege Basti zu mir vorgefahren. Noch 1km bis Chalet Reynard. Dort wird es kurz flacher und es gibt das herbeigesehnte Wasser. In meinen Gedanken spiele ich mit der Möglichkeit dort erst mal ne Pause zu machen, um mein Knie zu entlasten. Angekommen, füllt der Helfer ungefragt eine Trinkflasche auf, geiler Service; ich schütte mir etwas Wasser über den Kopf. Fantastische Erfrischung. Ich entscheide mich für’s Weiterfahren. Langsames Rollen ist besser als stehen bleiben. Ein paar Metern hinter der Verpflegung fragt mich Basti nach einem Riegel, den kann ich abgeben, Sodbrennen verhindert den Hunger. Mein langsames Tempo macht Basti nicht mit und fährt vor.
Eine kahle Steinwüste, ich erinnere mich an die Worte „Schau am Mont Ventoux nur 10m vor Dich, nie zum Ziel!“ Wer hat das noch mal gesagt, mir fällt es nicht ein und es gelingt mir nur bedingt, dem Rat zu folgen. Das Schlimme ist; du schaust zum Ziel. Es sieht fast flach aus, aber das ist es nicht. Der Tacho zeigt es an. Noch drei Kilometer. Dann das Simpson-Denkmal. Wie lange ist eigentlich ein Kilometer. Noch zwei, das Knie schmerzt, ich versuche den Rhythmus zu halten. Es wird noch mal schön steil. Gleich ist es geschafft, letzter Kilometer. Noch zwei Kurven; letzte Kurve; direkt vor mir noch ein paar Fahrer. Augen zu, größere Übersetzung und Zielsprint. Wenigstens die habe ich noch gepackt. Basti wartet im Ziel; direkt rollen wir hinunter zur Verpflegung am Mont Serein. Die Schmerzen im Knie lassen nach, ich fühl mich wieder gut; geschafft. Das zweite Tour de France Etappenrennen ordentlich beendet. Für den Mont Ventoux brauchte ich 1:45. Ein ganzes Stück länger als zum Training letztes Jahr. Für das ganze Rennen steht 6:21 auf meinem Tacho; Schnitt 27,2km/h. Das reichte dann in der
Gesamtwertung für den 373.Platz. Der Kapitän ist 162. geworden; sauber. Basti hat Platz 338, Geralf 1470 und Corny 1471.
Eine gute Bilanz. Erik
Zabel (649.) hinter mir gelassen, auch wenn der sicher nicht ernsthaft gefahren ist. Vor mir gute Leute wie Cédric VASSEUR und Steven ROOKS (Bergtrikot Tour de France 1988). Der Sieger Dimitri
CHAMPION fuhr 05:11:31 und benötigte 01:09:26 für den Ventoux. Die Profis sind nochmal deutlich schneller. Ändi Schleck benötigte ein paar Tage später im Rennen hinauf zum Mont Ventoux 58:43.
Nach kurzer Pause und sehr leckerem Essen treten wir die Rückfahrt nach Nyons an. Nur 44km, die gehen runter wie Öl, auch wenn das Tacho jetzt über 40°C in der Talsonne anzeigt. Ist es die Hitze oder die Freude, ich fantasiere schon von der L´étape 2010!
Edit:
Anstiege:
Côte de Citelle - Drôme (Francia) Espeluche
Col de Fontaube - Drôme (Francia) Eygaliers
Geschrieben von Harzer Radfahrer am 01.08.2009 um 10:39:
RE: L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
Sehr schön...
| Zitat: |
Original von Andi
Ist es die Hitze oder die Freude, ich fantasiere schon von der L´étape 2010!
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Gibt es schon Gerüchte? Eigentlich wären ja nun die Alpen mal dran...
Geschrieben von Hansi.Bierdo am 01.08.2009 um 10:55:
RE: L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
Starke Sache!
Geschrieben von Moreau am 02.08.2009 um 12:16:
knorke !
Geschrieben von Andi am 02.08.2009 um 18:17:
RE: L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
| Zitat: |
Original von Harzer Radfahrer
Gibt es schon Gerüchte? Eigentlich wären ja nun die Alpen mal dran... |
Die L´étape 2010 wird gleichzeitig mit der TdF2010 Präsentation im Oktober bekannt gegeben. Ich persönlich hoffe auf ne Vogesen oder Zentralmassiv Etappe - Juggernat träumt vom Puy de Dôme. Ansonsten wären die Alpen toll, denn in die Pyrenäen ist es so weit.
Geschrieben von Checker am 23.09.2009 um 23:00:
Endlich geht's los...
... zunächst die Vorgeschichte:
Nach den guten Erfahrungen bei L'Etape du Tour 2008 (mal abgesehen vom Wetter) stand relativ zeitig fest, dass wir auch in diesem Jahr am Start stehen würden. Daran konnte auch die erneut astronomische Startgebühr nichts ändern. Außerdem erhofften wir uns den Lohn für die guten Platzierungen im Vorjahr, also möglichst einen Platz im ersten Startblock. Schonmal vorweg genommen: daraus wurde nichts, und über die Unsinnigkeit der Startblockeinteilung ließe sich bestimmt ein eigener abendfüllender Bericht verfassen. Wenigstens ich wurde einigermaßen weit vorn, im zweiten Block, eingeteilt.
Im Vergleich zum Vorjahr brachen wir dieses Mal mit einer leicht geschrumpften Mannschaft auf - Konrad darf seit Ende Mai ein Töchterchen sein eigen nennen und hatte gewiss besseres zu tun, als im Juli in Frankreich auf Pässejagd zu gehen. Nun durfte ich ja in diesem Jahr selbst erstmalig Vaterfreuden erleben, habe die ganze Sache aber ein wenig besser getimt und mir zudem das Recht auf einen erneuten Radurlaub bereits vor einem Jahr per mündlichen Vertrags zusichern lassen

. So wurden Freundin und Tochter kurz vor Abreise noch bei der Familie abgeliefert, dann konnte es losgehen. Die erste Station unseres Urlaubs war La Giettaz in Savoyen, strategisch günstig gelegen an den Flanken des Col des Aravis.
An dieser Stelle möchte ich mich speziell bei Stephan (Harzer Radfahrer) bedanken, der mit seinen lesenswerten Urlaubsberichten des letzten Jahres eine Menge Anregungen für mich bei der Auswahl der Strecken lieferte

. Juwele wie den Col de l'Arpettaz oder Signal de Bisanne hätte ich sonst mit Sicherheit nicht angesteuert.
Geschrieben von Checker am 23.09.2009 um 23:09:
1. Etappe, 11.07.2009: Col de l'Arpettaz, Col des Aravis
Nach eineinhalbtägiger Autofahrt erreichten wir unsere Ferienwohnung, 3 km unterhalb des
Col des Aravis gelegen, am frühen Nachmittag. Bis zum Einbruch der Dunkelheit blieb also noch genug Zeit für eine erste "Schnuppertour", doch der allgemeine Elan war zumindest gebremst: Corny fühlte sich seit dem letzten Teil der Autofahrt schlecht und fuhr an diesem Tag gar nicht mit, Andi wurde eine Woche vorher von einem scheinbar blinden Autofahrer abgeräumt und laborierte noch an den Folgen des Sturzes (Prellungen, Kniebeschwerden etc.), Basti plagten ebenfalls seit einer Woche Knieprobleme, und Geralf wollte wahrscheinlich lieber Fußball spielen

. Immerhin ich war gesund, munter und heiß auf die Berge, konnte ich doch trotz Kinderbetreuung in den letzten Wochen ganz passabel trainieren.
So starteten wir also gegen 17 Uhr zu viert und nahmen erst einmal die Abfahrt nach
Flumet unter die Räder. Die weitere Strecke nach
Ugine war aufgrund hohen Verkehrsaufkommens kein Vergnügen, daher brachten wir dieses Teilstück möglichst schnell hinter uns. In
Ugine hatten wir den tiefsten Punkt des Tages erreicht, und nun galt es, die verlorenen Höhenmeter wieder auszugleichen. Zugegeben, der
Col de l'Arpettaz ist nicht gerade der ideale Anstieg zum Einrollen, aber nun stand er eben auf dem Programm und wurde nach einigen Umwegen in Angriff genommen. Auf den ersten Kilometern, über ausgedehnte Wiesen und vorbei an Gehöften, hielt sich die Steigung noch in Grenzen, aber mit Eintritt in den Wald mehrten sich die Rampen, und der Tritt wurde etwas schwerer. Wir fuhren in zwei Gruppen nach oben: vorn Basti und ich, während Andi und Geralf den Weg nach hinten absicherten. Basti zeigte trotz seiner Knieprobleme gute Form, und wir stiegen zügig, aber nicht zu schnell, dem Pass entgegen. Die Strecke bietet wenige landschaftliche Höhepunkte, hat aber durch ihre Abgeschiedenheit, die schmale (und teils eher bescheiden asphaltierte) Straße und die liebliche Umgebung ihren ganz eigenen Reiz. Und die Aussicht vom Pass aus war gerade in der Abendsonne phantastisch. Ein gelungener erster Aufstieg! Andi sah das zwar anders und kämpfte weiterhin mit seiner Form und den Sturzverletzungen, konnte sich aber danach in seiner Spezialdisziplin Abfahren wieder austoben.
Die Abfahrt wies glücklicherweise einen etwas besseren Belag auf als der Anstieg, war aber ebenfalls eng und kurvenreich (was natürlich Spaß macht), und in vielen Kehren lagen Sand und Schotter am Straßenrand. Entsprechend fuhr ich eher bedächtig nach unten. In einer der letzten Kurven, einer Linkskehre, ließ ich mich ohne Not ziemlich weit nach außen tragen, sah mich schon den auf die Straße ragenden Brennesselstrauch touchieren und befürchtete entsprechende Schmerzen an rechtem Arm und Bein. Es brannte dann tatsächlich, aber auf der linken Körperseite: auch an dieser Stelle der Straße lag zuverlässig ein bisschen Schotter herum, der mich den Brennesseln ausweichen und auf den Asphalt knallen ließ. Mein Tempo war an dieser Stelle zwar gering, aber die grobkörnige Beschaffenheit des Straßenbelags tat ihr übriges. Erste Bilanz: Ellenbogen aufgeschlagen, leichte Abschürfungen an Wade und Schulter, kleine Wunde am Knöchel, Hand verletzt (ich Intelligenzbestie hatte oben am Pass die unbequemen Handschuhe ausgezogen...). Die schmerzende Stelle am Oberschenkel, verborgen unter der leicht lädierten Radhose, traute ich mich noch nicht zu begutachten.
Nach dem ersten Schreck ging es auf dem weitgehend unbeschadeten Rad erstmal langsam weiter. Die Abfahrt war zum Glück gleich darauf beendet, am kleinen Anstieg nach
Héry versuchte ich, meinen Rhythmus wieder zu finden. Die folgende kleine Abfahrt fuhr ich mit Abstand am langsamsten herunter. Zumindest lief es am leichten Anstieg nach
Flumet ganz gut, auch wenn der Oberschenkel doch spürbar schmerzte. Ab
Flumet mussten zumindest noch die 400 Höhenmeter zur Unterkunft bewältigt werden, und wir fuhren als 4-Mann-Grupetto in geringem Tempo nach oben. Und auch wenn es nicht gerade vernünftig war, sich nicht sofort um die Behandlung der Wunden zu kümmern: den
Col des Aravis ließ ich mir nicht nehmen, und im finalen Bergsprint konnte ich Basti noch niederringen. Andi kam geschwächt und mißgelaunt oben an und drehte sofort wieder um, Geralf war gar nicht erst zum Pass mitgekommen. Basti und ich genossen noch ein wenig die Abendstimmung am Aravis und kehrten dann auch zur Ferienwohnung zurück.
Basti kümmerte sich danach noch den halben Abend sowie die nächsten Tage rührend um meine Verletzungen, v. a. die Großbaustelle am Oberschenkel. Vielen Dank dafür! Nun hatte ich mich also auch gut in unser Lazarett eingefügt und schlief die kommenden 2 Nächte erstmal nicht so erholsam.
Geschrieben von Andi am 24.09.2009 um 13:22:
….es geht wieder los…Checker-Storys...
Schon mal ein STOARG (Übersetzung: Stark) und SCHÖÖÖN* an Checker für den ersten Bericht.
*Schön, Sie haben schön gesagt! Wunderschön!
Geschrieben von challenger am 29.09.2009 um 08:33:
RE: L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
| Zitat: |
Original von Andi
Mont Ventoux, das läuft nicht ohne uns... |
häh ... kann Mt. Ventoux laufen?
Geschrieben von peso am 30.09.2009 um 01:12:
RE: L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
Streik der Drehbuchautoren...oder was?
Geschrieben von Andi am 30.09.2009 um 07:43:
Ein paar Bilder der 1.Tour als Motivationshilfe für den Schreiber! Oder brauchen wir einen Ghostwriter?
Links: Ausblick ins Tal aus Richtung des Stützpunkts und von da nach oben (Abfahrt nach Flumet).
Rechts: Am Col de l´Arpettaz
Rechts 2: Orientierungshilfe
Geschrieben von Checker am 30.09.2009 um 08:32:
RE: L’Etape du Tour 2009 & weitere Alpenetappen
Hach, der zweite Tag liegt schon seit vorgestern fertig zuhause in der Schublade. Hatte nur keine Zeit, ihn überhaupt entsprechend formatiert hier einzufügen (Gäste und andere Störfaktoren

). Heute...
Geschrieben von Checker am 30.09.2009 um 19:39:
So...
2. Etappe, 12.07.2009: Col de la Forclaz, Col de la Croix-Fry, Col des Aravis
Nachdem Corny sich einigermaßen gesund geschlafen hatte und ich feststellen durfte, dass man auch mit ein paar großen, nässenden Wunden und geschwollenem Oberschenkel Rad fahren kann, ging es nun endlich in voller Mannschaftsstärke auf die Piste. Ausgedacht hatte ich mir einen netten Rundkurs Richtung
Lac d'Annecy, natürlich gespickt mit ein paar TdF-erprobten Hügeln. Was schönes zum Einrollen und Vorbereiten auf größere Aufgaben. Nunja... Zunächst führte der Weg erneut bergab nach
Flumet und
Ugine, wobei wir die ruhige Nebenstrecke über
Héry wählten. Diese bescherte uns den den ersten 200-hm-Anstieg, an dem ich tags zuvor in umgekehrter Richtung die schlechteste Abfahrtsleistung aller Zeiten vollbrachte. Berghoch lief es trotz Verletzungen erstaunlich locker, und auch die schöne Abfahrt nach Ugine konnte ich wieder im Normaltempo bewältigen.
So war ich guter Dinge, als wir hinter Ugine den autobahnähnlichen Radweg Richtung Annecy unter die Räder nahmen. Besagte Stadt bzw. den zugehörigen See erreichten wir natürlich nicht, da uns auf Höhe
Vesonne unsichtbare Kräfte in Richung Hang zogen. Der erste und nominell schwerste Pass des Tages, der
Col de la Forclaz, lag vor uns. Andi, der generell jeden Morgen mantraartig verkündete, wie locker und ruhig er es angehen lassen würde, setze sich schnell an mein Vorderrad und gab es auf dem ersten, steilen Abschnitt des Anstiegs auch nicht ab. Im Handumdrehen war der Rest unserer Gruppe verschwunden, und ich war auch nicht gerade auf noch höheres Tempo scharf. Es folgte dann ein etwas flacherer Abschnitt, der komplett "aussichtslos" durch dichten Wald verlief, bevor einige kühne Serpentinen das zweite Steilstück einläuteten. Bei maximal 15% Steigung musste Andi dann doch reißen lassen, und ich versuchte, meine 39:27 einigermaßen in Schwung zu halten. In
Montmin wurde es dann wieder flacher, sogar eine leichte Abfahrt sorgte ausgangs des Ortes für Erholung, bevor der letzte Kilometer zum Pass noch einmal mit einer fiesen Rampe aufwartete.
Der Blick auf den
Lac d'Annecy entschädigte natürlich für alle Mühen, und so verweilten wir einige Zeit am Forclaz und ergötzten uns an der Aussicht und den spektakulären Starts der Segelflieger. Nach dem Auffüllen der Flaschen ging es in die Abfahrt, welche in Sachen Steilheit nicht allzu weit hinter dem Anstieg herhinkt. Bis hinunter zum See schafften wir es allerdings wieder nicht, stattdessen sicherte sich Andi Contador unter dem Jubel von etwa 10 Fans (sprich: picknickenden Urlaubern) die Bergwertung (3. Kategorie) in
Bluffy. Die folgenden 10 flachen, reiz- und kurvenarmen Kilometer bis
Thônes brachten wir auch hinter uns. Maximal 25 Kilometer trennten uns noch von unserer Unterkunft - und etwa 1000 Höhenmeter, wovon die meisten auf den
Col de la Croix-Fry entfielen. Diesen Anstieg stufte ich anhand des Profils als mittelschwer ein - aber was zählt schon Objektivität? Bereits auf den ersten Metern spürte ich, dass es nicht mehr so rund läuft wie noch am Forclaz. Trotzdem zog ich erstmal mit Basti mit, der ein bemerkenswertes Tempo anschlug. Der Rest, sogar Andi, machte es sich derweil im Grupetto bequem. Vorn wurden schnell die Fronten geklärt: Basti nutzte eine seiner bekannten "Ich gehe aus dem Sattel und fahre dabei 3 km/h schneller"-Aktionen, um sich leicht abzusetzen. Auf den folgenden, mäßig steilen Kilometern bis
Manigod fährt er dann konstant 50-100 Meter vor mir. Noch bilde ich mir ein, meine Kraft einzuteilen und den vermeintlichen Heissporn bald wieder zurück holen zu können. Pustekuchen - an den steilen Rampen ausgangs Manigod zieht Basti davon und ich bekomme Besuch vom Mann mit dem Hammer. Völlig ohne Kraft rühre ich im kleinsten Gang herum und komme kaum vom Fleck. Was ist denn jetzt los? Hungerast fühlt sich anders an - ich war einfach fertig. Der so schön ausgemalte Anstieg wird zur Tortour. Meter für Meter quäle ich mich die Straße hinauf, zum Glück wird es weiter oben wieder ein bisschen flacher. Ein Blick nach hinten verrät zwar, dass Andi und Geralf noch nicht in Sicht sind, aber gewundert hätte mich zu diesem Augenblick nichts. Irgendwann rolle ich entkräftet am Pass ein - Basti ist vermutlich schon komplett regeneriert - wo überraschenderweise ein ganzes Dorf und unangenehm viel Betrieb vorzufinden ist.
So einen Einbruch hatte ich schon lange nicht mehr. Möglicherweise spielte der Sturz vom Vortag eine Rolle, trotzdem war ich schlecht

. Zum Glück war der restliche Weg sehr überschaubar - nach kurzer Abfahrt waren nur noch die letzten 4 Kilometer der Nordseite des
Col des Aravis zu überwinden. In meiner Verfassung war das zwar eine veritable Herausforderung - aber mein Jakovlev Andi war zur Stelle und zog mich die fürchterlichen 6%-Rampen nach oben. Den anderen ging es scheinbar auch nicht mehr so gut, und so kamen wir als erste am Aravis an und waren nach 3 Kilometer Abfahrt endlich am Ziel. Ein hartes Aufwärmtraining war das!
Die in der Ferienwohnung befindliche Badewanne entpuppte sich als Glücksfall, denn Andi führte an diesem Abend das allgemeine Regenerations-Kältebad für die Beinmuskulatur ein, welches begeistert aufgenommen wurde. Aufgrund meiner noch nicht verheilten Wunden verzichtete ich darauf, wenngleich ich jede nur mögliche Regenerationsmaßnahme dankend angenommen hätte. Maßgabe für den folgenden Tag: ruhig angehen lassen.
Geschrieben von Andi am 30.09.2009 um 22:02:
Einen passenden Eindruck:
oben Rampe Col de la Forclaz,
Mitte: Blick auf den Lac vom Col de la Forclaz,
Unten: Abfahrt vom Col de la Forclaz,
Geschrieben von peso am 01.10.2009 um 14:33:
RE: So...
| Zitat: |
| Maßgabe für den folgenden Tag: ruhig angehen lassen. |
War mein Jahresziel für 2009. Höchst erfolglos.
Geschrieben von Checker am 08.10.2009 um 22:20:
3. Etappe: 2000 m üNN
Wir sind ja, wie ich schon in den vorher gehenden Tagen selbst erfahren durfte, nicht zum Spaß hier. Und auch die 3. Etappe bot auf dem Papier erneut einiges an Leidenspotential: nach einem Autotransfer (darf bei unserer "Tour de France" auch nicht fehlen) wollten wir zuerst den Col de la Croix de Fer und danach den nicht weniger mächtigen Col de la Madeleine erobern. Das ergibt über 3 Höhenkilometer - nicht gerade ein Pappenstiel für uns Halbinvaliden. Aber man kommt ja auch nicht alle Tage in diese Gegend...
Die 80 Kilometer im Auto erleichterten uns um etliche Maut-Euro, nichtsdesdotrotz kamen wir einigermaßen zügig nach
La Chambre, unser Basislager für heute. Als wir am späten Vormittag mit den Zweirädern aufbrachen, zeigte das Quecksilber bereits fast 30°C - und damit war sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Einigermaßen locker rollten wir im Tal nach
St. Jean-de-Maurienne, wo ich nach 10 Kilometer bereits eine halbe Trinkflasche geleert hatte. Und der heiße Tanz am Berg begann jetzt erst! Auf breiter, gerader Straße ging es auf die ersten Kilometer in Richtung
Col de la Croix de Fer. Die Steigung kratzte bereits an der 10%-Marke, kein Baum spendete Schatten, kein Lüftchen etwas Abkühlung - ich ließ es, wie geplant, betont ruhig angehen. Trotzdem fahren die anderen erst einmal rund 50 Meter hinter mir. Klar, Andi will ja heute im Grupetto fahren. Da wir gerade dabei sind: keine zwei Minuten später höre ich plötzlich schweren Atem hinter mir - das Grupetto ist heute wohl ziemlich schnell und offensiv unterwegs. Und ehe ich mich versehe, gesellt sich auch Basti zu uns. Dazu fällt mir nur eins ein: "Ihr habt sie doch nicht mehr alle."
Wir passieren einen großen, wenig ansehnlichen Steinbruch, ein Schild "Col de la Croix de Fer 26 km" und radeln weiter in der prallen Sonne bergan, ehe die erste Zwischenabfahrt ein paar der hart erarbeiteten Höhenmeter wieder vernichtet. Danach führt die Straße am Hang entlang immer weiter in einen entlegenen, engen Taleinschnitt hinein. Die Landschaft wird wilder und schöner, und die Steilheit nimmt zu. Immer öfter sind jetzt zweistellige Prozentzahlen zu verzeichnen. Scheinbar ein ideales Terrain für das Ein-Mann-Grupetto, das ganz langsam davon zieht. Ich gehe nicht mit - ruhig bleiben, Kräfte einteilen. Basti ist schon zurück gefallen, Geralf und Corny bilden den Autobus (das Grupetto haben sie ja verpasst). Nach einigen weiteren Kilometern flacht die Straße ab und führt durch zwei (?) kurze, ungefährliche Tunnel. Danach folgt die zweite Zwischenabfahrt, in der es fast einen Stau gibt. Das Auto am Anfang der kleinen Schlange fährt mit 20 km/h bergab, und Überholen ist auf der unübersichtlichen Straße nicht möglich. Arghhh... Nach der Senke und dem Abzweig zum Col du Mollard führt die Straße kilometerlang mit 3-6% Steigung durch das Hochtal in Richtung
St. Sorlin d'Arves. Ich fühle mich noch recht gut, esse einen Müsliriegel, trinke. Meine Wasservorräte gehen langsam zur Neige, und ohne Nachfüllen komme ich bestimmt nicht in vernünftigem körperlichen Zustand am Croix de Fer an. In
St. Sorlin d'Arves finde ich glücklicherweise einen Brunnen, dessen geringe Wasserflussleistung allerdings meine Geduld strapaziert. Egal, das Grupetto ist sowieso nicht mehr zu holen...
Nach der kurzen Pause gilt es, die einigermaßen giftige Schlussrampe, immerhin noch rund 7 Kilometer, in Angriff zu nehmen. Noch im Ort neigt sich das Asphaltband wieder zweistellig, und ich fühle mich plötzlich gar nicht mehr so toll. Das "Croix-Fry"-Syndrom - ich sollte Pässe mit "Croix" im Namen meiden! Bei durchschnittlich 8-9% im weiteren Verlauf habe ich Mühe, die Geschwindigkeit zweistellig zu halten. Den Blick auf die spektakulären Serpentinen und die herrliche Landschaft kann ich nicht wirklich genießen, viel zu müde ist die Muskulatur. Was ist bloß los? An übertriebener Angiffslust kann es nicht liegen. Gedanklich streiche ich bereits den Col de la Madeleine aus meinem Programm für heute - bin froh, wenn ich am Croix de Fer ankomme. Immer weiter schleppe ich mich nach oben, kraftlos, stillos, ratlos. Letzte Linksserpetine, noch eine lange Gerade bis zum Pass, an dem Andi gerade eintrifft. Auf den letzten 500 Metern finde ich dann tatsächlich noch so etwas wie einen Rhythmus - mein Unterbewusstsein befahl mir wahrscheinlich, auf dem Foto von Andi gut auszusehen. Geschafft! 3 Minuten langsamer als das Grupetto, aber noch im Zeitlimit. Basti kommt weitere 5 Minuten später oben an. Zu dritt entern wir die Gaststätte am Pass, ordern Cola und Pommes (worüber sich Geralf, der als Vierter eintrifft, natürlich auch freut). Am Tisch wird das Thema Col de la Madeleine erörtert. Für mich ist die Sache klar: der Croix de Fer hat mich ganz schön geschlaucht, was ich nicht erwartet hatte. Ein knüppelharter Anstieg ist das, und ich bin offensichtlich noch nicht wieder im Vollbesitz meiner Kräfte. Zudem beträgt die Temperatur auf 2000 Meter Höhe sportliche 29°C im Schatten (!) - kein weiterer Anstieg. Es wäre eine einzige Quälerei. Die anderen sehen das im wesentlichen auch so, speziell jene, die von vornherein nur einen Anstieg geplant hatten

.
Den
Col du Glandon bekommen wir auf dem Weg nach unten quasi geschenkt. Auf der tollen Abfahrt zurück nach
La Chambre lasse ich mich dann nicht nicht wieder von Andi abhängen, zusammen holen wir erneut Minuten auf die Konkurrenz heraus

. Unten im Tal ist es so heiß, dass ich nicht im Traum auf die Idee käme, jetzt noch irgendwo hinauf zu fahren. So verstauen wir die Räder wieder im Wagen und machen uns auf den Weg zurück ins Quartier. Das Thermometer im Bordcomputer zeigt 37°C, die Autofenster sind weit geöffnet.
Ganz vorbei ist der Radtag dann doch noch nicht: kurz vor dem Abendessen hat Basti die Idee, nochmal fix zum
Col des Aravis zu fahren, um eventuell einen tollen Blick auf den Montblanc zu erhaschen. Geralf und ich schließen sich an, und bei angenehmen abendlichen Temperaturen fahren wir die 3 Kilometer piano nach oben - ein würdiger Ersatz für den Col de la Madeleine

. Es hat sich gelohnt, und für Basti und mich war es nun bereits die dritte Aravis-Befahrung in 3 Tagen. Dabei spricht man dann wohl von "Hausberg".
Geschrieben von peso am 09.10.2009 um 23:57:
| Zitat: |
| ... ein Schild "Col de la Croix de Fer 26 km" |
Die Franzosen wissen zu motivieren, was?
Keep 'em coming.
Geschrieben von Andi am 12.10.2009 um 07:58:
Ein wunderschöner Tag!
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