Geschrieben von diamant am 29.05.2006 um 02:54:
RE: Ostee-Tour
Zur Strecken"schwierigkeit" an sich:
Letztes Jahr bin ich erstmalig mitgefahren, das Ganze sollte für einigermaßen trainierte Leute kein großes Problem sein. Tempo ist nicht wie bei den Neuseenclassics (obwohl Martin Götze mitfährt), letztes Jahr ca. 29,5er Schnitt (Pausen nicht mitgerechnet), aber
sehr gleichmäßig. Es wird drauf geachtet, daß
jede(r) mitkommt; z.B. fuhren da auch Leute älter als 62 Jahre mit. Im Zweifelsfall übernimmt die Trainingsgruppe von Martin die gesamte Führungsarbeit.
Man fährt die Strecke auch nicht in einem Zug durch, sondern es gibt eine Frühstückspause

, eine Mittagspause

und eine Kuchenpause

. Und noch eine Fähr-Überfahrts-Pause (ich weiß aber nicht, ob dieses Mal überhaupt dieselbe Strecke gefahren wird).
Ich war 2005 vor dieser Tour auch nur "übliche" 100 - 150 km - Runden gefahren, kräftemäßig wie gesagt waren die 450 km kein Problem.
Ich hatte zwischenzeitlich lediglich mit mentalen Problemen zu kämpfen (mag halt kein +12°C & Regen), und kurz vor der Mittagspause bekam ich plötzlich einen Müdigkeitsanfall

, der entweder auf zuwenig Schlaf in der Nacht zuvor oder aber auf Zuckermangel zurückzuführen war.
Weitere Info's gibt's entweder direkt bei Martin Götze im Laden (in der Rostocker Straße mit dem risegen Holz-Fahrrad-Modell davor) oder wer will kann auch direkt im Laden anrufen (die Telefonnummer auf der Seite die ich verlinkt habe sieht mir danach aus). Ich kann auch jetzt am Sonnabend mal nachfragen, wo die Strecke dieses Mal langgeht und welche Richtung (Nord-SÜd oder Süd-Nord) überhaupt gefahren wird.
Also nur Mut, es werden noch ein paar Tempobolz^h^h^h^h^h^h^h^h^hMitfahrer benötigt.
PS: Einen schönen Bericht zu einer vergangenen Ostsee-Tour gibt's hier
aus dem Jahre 2002, scheinbar sind die damals noch ohne Polizeischutz gefahren.
Geschrieben von diamant am 06.07.2006 um 02:53:
Ostee-Tour: KURZ-BERICHT
OK, auf Wunsch einiger hier ein kurzer Bericht zur Ostsee-Tour von Leipzig nach Graal-Müritz (etwas nörclich von Rostock) am 1. Juli 2006.
Start
Die Ostsee-Tour im Jahr 2005 hatte bei mir - trotz damalig fast winterlichen Wetters - Lust auf mehr gemacht, so daß ich mich trotz 2006 erneut anmeldete.
Irgendwann kam dann der 30. Juni, und schon waren es nur noch wenige Stunden bis zum Start! Zunächst wurde jedoch Fußball geguckt, was insofern problematisch war, da ich erst um ca. 23:30 Uhr ins Bett kam und am nächsten Tag ab 3:15 Uhr das Gepäck-Verladen am Augustusplatz beginnen sollte... So kam ich denn zu satten 3 Stunden Schlaf, bevor 2:30 der Wecker klingelte. Aufstehen, die letzten Sachen packen - und nochmal "Wetter gucken": laut Videotext wird es überall halbwegs warm (ca. 27°C), draußen sind es +14°C, die sich aber subjektiv wärmer anfühlen. Also kurz-kurz angezogen, das wird schon... Dann noch halb veschlafen

, aber immerhin nicht frierend zum Augustusplatz gefahren - endlich kann man mal überall die volle Straßenbreite nutzen und ohne Anhalten durch die Stadt fahren. Am Augustusplatz selber dann das übliche: Gepäck verladen, Trikot + Trinkflasche empfangen, kurzes "Hallo" mit den bekanntesten Fahrern. Um 4:00 Uhr ging es dann auch schon pünktlich los im ca. 80 Mann starken Starterfeld, begleitet vom vorausfahrenden Gepäck-LKW, der uns dank offener Ladeklappe fast den ganzen Tag mir mehr oder weniger guter Musik beschallen sollte. Dafür sorgten 2 als DJ's (wie ist die weibliche Form von DJ?) fungierende "Betreuerinnen". Außerdem fuhren 1 LVB-Bus, 1 Materialwagen, 1 "Essen-Auto", 1 Krankenwagen und 1 Polizei mit. Aus der Stadt raus ging's - zunächst noch von ein paar vereinzelten Fußball-Fans bewundert - wie schon letztes Jahr über die B2.
Fahrt
Ehe man sich's versah, war man auch schon am Stadtrand im Norden angekommen. Zeit für mich, mal nach vorne in die Führung (üblícherweise 3-er oder 4-er Reihe) zu fahren wie geplant - mal sehen, wie die Form aussieht. Ging recht gut, mit ca. 33 km/h (Tempo wurde meist von Martin Goetze, der natürlich auch sehr oft vorn zu finden war, "vorgeschrieben" - man sollte nach Möglichkeit so fahren "daß auch die Oma noch mitkäme"

) bei recht wenig Wind rollte es durch die Dämmerung dahin. Doch irgendwas stimmte bei mir nicht.
Keine Form, Sitzcreme vergessen, Kette quietscht? Nix von alledem, es war plötzlich saukalt geworden! Ich hatte mich gehörig verzockt;

zwischen OA Leipzig und Wittenberg zitterte ich bei teilweise Nebel und Noch-Keine-Sonne und ca. +8°C vor mich hin, mit meinen kurzen Klamotten. Ich hatte auf wesentlich schnellere Erwärmung gesetzt...
Zwischendurch nahmen wir irgendwo noch 3 imposante Anstiege mit - auf spätere Nachfrage wurde mir mitgeteilt, daß wir das Hochgebirge "Fläming" durchquert hatten. Aha.
Nach ca. 85 km kam dann die 1. Freßpause

in einem kleinen Ort, dessen Namen ich leider vergessen habe. Jetzt schien auch endlich die Sonne durchzukommen, so daß ich nach dem Start zur Weiterfahrt trotz kurzzeitigen Tacho-Verlustes beim Losfahren mich schnell wieder in der 1. Reihe einsortierte - "mein" Wetter schien sich allmählich doch einzustellen. Die Straßen wurden teilweise minimal schlechter (kurz hinter Wittenberg wurde die perfekt asphaltierte B2 verlassen), dafür das Wetter besser und mein Hintern etwas wunder... Das Tempo lag im Flachen dank Noch-Kaum-Wind (trotz Prognose "böiger Wind aus Nordost" im Videotext) immer noch bei meist konstant 33 km/h, mal etwas schneller, mal etwas langsamer. War eine richtig schöne Strecke durch Brandenburg, ohne die berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen vom letzten Jahr. Dafür leider mit einem Sturz kurz vor der traditionellen Fährüberfahrt (wenn ich recht erinnere: in/bei Ketzin?) über die Havel. Ein (scheinbar unerfahrener) Fahrer hatte hinten nicht aufgepaßt, und war einem anderen hinten reingefahren, und wurde dann zu allem Überfluß von Hinterherfahrenden (die nix dafür konnten) überfahren, von denen sich einer leicht an den Knien verletzte.

Verletzung am Ellbogen + Fahrrad Schrott, Weiterfahrt im Auto
An der Fähre gab's die 2. Freßpause, an der ich hauptsächlich alte Ostern-Schoko-Figuren in mich reinstopfte (wie schon bei der 1. Pause).
Ansonsten gab's, wie schon bei der 1. Pause, gesponsorten Joghurt ("Nemt-Joghurt"), Äpfel, Bananen, belegte Brötchen.
Nach der Fähre ging's dann (mit einiger Verzögerung wegen des Verletzten) weiter. Übrigens immer noch mit Polizei-Schutz, aber jetzt mit brandenburgischem - an der Bundeslandgrenze hatten die sich abgelöst.
[Jetzt sollte ich wohl langsam etwas abkürzen; der Text wird sonst zu lang.]
Der nächste Streckenabschnitt bis zur großen Mittagspause verlief dann - soweit ich mich erinnere - ohne größere Zwischenfälle. Nein halt, einen Sturz bei schräg verlaufenden Schienen gab es, allerdings harmlos, so daß wir nicht mal anhalten mußten. Es war mittlerweile schön warm geworden; leider nahm auch der Wind zu. Kam aber zunächst größtenteils noch nicht frontal von vorn, eher seitlich. Und Insekten gab's auch viele; vorzugsweise die von der ganz winzigen schwarzen Sorte, die dann im ganzen Gesicht kleben bleiben. Große Freßpause nach ca. 218 km in Wusterhausen, diesmal nicht nur "Verpflegung aus dem Auto raus", sondern in einer Art Garten mit Tischen und Stühlen. Es gab Buffet mit Reis, Eierteigwaren, Gemüse, 2 Sorten "Fleisch-Beilage", Obst, Saft.

Jedenfalls genug, daß keiner verhungern oder verdursten mußte.
Nach der Mittagspause ging's dann zunächst mit Rückenwind weiter, so daß wir zeitweise auch mal mit 37 km/h im Flachen fahren konnten - trotz der imaginären Oma im Feld. Doch das konnte nicht lange gut gehen - irgendwann nach einer Rechtskurve kam dann die befürchtete Gegenwind-Passage. Jetzt hatte plötzlich keiner mehr Lust, lange vorne zu fahren, so daß ich
[Angeber-Modus] mich aufopferungsvoll bis nach Waren (an der Müritz) fast durchgängig in der 1. Reihe aufhielt und mit den wechselnden anderen Führenden Pacemaker spielte [/Angeber-Modus]. Kurz hinter Waren machten wir dann Gottseidank eine unangekündigte Pause bei ca. Kilometer 308, was mit aufgrund des Windes ganz recht war. Es gab wieder dasselbe wie bei den Pausen 1 und 2, zusätzlich noch gekochtes Müsli, was sehr gut schmeckte.
Da ich jetzt nach dieser Gegenwind-Passage doch etwas platter war, nahm ich mir nach dieser Freßpause erstmal eine Auszeit im hinteren Teil des Feldes.

Stellte dabei überraschend fest, daß wir ja gar keinen Polizeischutz mehr hatten! Später stellte sich heraus:
Es wurde zwar welcher beantragt; aber die mecklenburg-vorpommernschen Behörden hielten das anscheinend nicht für nötig?! Sei's drum: Gar kein Problem, unser vorausfahrender Gepäck-LKW mit den beiden weiblichen DJ's schüchterte entgegenkommende Autos mindestens genausogut ein wie die Polizei; es ging also auch (fast) ohne. "Fast" deswegen: 1 entgegenkommendes

Auto kriegte wohl irgendwie eine Kurve nicht richtig und blieb mit quietschenden Reifen plötzich halb quer auf der Straße neben dem Feld stehen. Passiert ist zum Glück nix, außer daß der Autofahrer sich einige Flüche unserer vorbeifahrenden Fahrer anhören mußte. Kurz darauf (oder war's davor? mein Ordnungs-Gedächtnis läßt mich hier im Stich) gab's noch den dritten und letzten Sturz des Tages, weil wie ich hinterher erfuhr vorne aus der Führung rausgegangen wurde, aber keiner übernehmen wollte (war noch ziemlicher Wind dort) und eine Neulingin (weibliche Form von "Neuling"?) auffuhr. Im Nachhinein betrachtet muß ich mir ja fast Vorwürfe machen, in dieser Phase nicht vorn gefahren zu sein - dann wäre das nicht passiert... Naja, aber auch dieser Sturz verlief glimpflich. Dann holte ich mir noch 2 Platten innerhalb kürzester Zeit (1 wegen Durchschlag trotz 9 bar auf mieser Betonpiste, 1 wegen aus bis heute ungeklärter Ursache defektem Ersatzschlauch). Wollte zunächst jeweils von alleine wieder ans Feld ranfahren, aber war dann doch zu faul und hielt mich am Autofe... Nein, das sollte ich besser nicht erzählen, ist zu peinlich.
Wie dem auch sei, bei der letzten Freßpause (die einige Kilometer nach hinten geschoben wurde) gab's dann sogar noch Kuchen.
Also Warnung: Die Gefahr, mit Übergewicht aus dieser Tour herauszukommen ist groß!
Der Ersatzschlauch aus dem Materialwagen hielt dann glücklicherweise, und so beendete ich bei ca. km 405 dann meine Auszeit und fuhr wieder in der Führung mit (auch, um irgendwelche Attacken kurz vorm Ziel im Keim ersticken zu können). Tempo war jetzt wieder etwas höher (ca. 33 km/h), die Gegen- und Kantenwind-Zeit war vorbei. Dafür immer wieder ein paar kleine Hügel, weder besonders hoch noch steil - aber eben genug, so daß am Ende (auch dank der Hochgebirgs-Passage bei Wittenberg) immerhin 1220 Höhenmeter zusammenkamen. Als Streckenlänge waren ja vorher 460 km angekündigt worden - bei jetzt 430 km begann also die "heiße Phase" (dachte ich zumindest). Als ich mich mental schon drauf einstellte, daß wohl jeden Moment die ersten Attacken diverser mir bekannter Fahrer erfolgen könnten, kam plötzich nach schon 437 km das Ortsschild "Graal-Müritz" - verdammt, und ich hatte noch so viele Reserven!
Nach 438 km war dann das endgültige offizielle Ziel - die Seebrücke (aus Holz) an der Ostsee - erreicht. Um ca. 21:30 (leider nicht rechtzeitig zum Fußball), aber noch im Hellen. Sogar von einer Art "Strand-Sprecher" wurden wir diesmal begrüßt.
Danach
Dann gab's noch Sekt. Kurz darauf ging's zur Jugendherberge: Relativ komfortabel, Fahrräder wurden im Erdgeschoß abgestellt, nochmal Essen (u.a. nochmal Eierteigwaren) mit Selbstbedienung. Nächsten Tag nach dem Frühstück Pedale von den Fahrrädern abschrauben, Fahrräder verladen in den LKW; das ging gewohnt professionell. Dann (blödsinnigerweise mit dem LVB-Bus) zum Strand, wo eine feierliche Urkunden-Vergabe durch Martin Goetze erfolgte, diesmal sogar mit diversen Sonderpreisen. Ab ca. 14:00 Heimfahrt mit dem LVB-Bus, 20:15 Uhr Ankunft an der Osthalle des Hauptbahnhofs Leipzig. Fahrräder waren schon da.
Fazit:
- Ich kann mir keine Ortsnamen merken, sonst hätte ich mehr davon erwähnt.
- 65-Jährige können über 438 km einen 31er Schnitt fahren (zumindest im Feld versteckt).
- War dann doch die meiste Zeit schön warm.
- Tempohärte ist nicht zwingend erforderlich.
- Der Hintern hat trotz anfänglicher Schwierigkeiten gehalten.
- Nächstes Mal besser aufpassen bei der Betonstrecke; ich hätte es wissen müssen.
- 3 Unfälle insgesamt, 2 davon harmlos - bessere Bilanz als letztes Jahr.
- 1 MTB-ler mußte zwischenzeitlich im Bus mitfahren wegen "kann-nicht-mehr"; ansonsten haben, wie ich gehört habe, alle ohne zwischenzeitliche Busfahrt durchgehalten.
- Daß läppische 220-km-Strecken als "Radmarathon" ausgeschrieben werden, ist doch ein Witz.
- Der Text ist doch unnötig lang geworden, wie ich grade sehe.