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Geschrieben von Steamboat am 27.01.2006 um 18:40:
Saisonbilanz Nationensicht (3. Teil)
Frankreich
Ganz anders als bei Italienern, Spaniern und Amerikanern sieht die Situation bei den Franzosen aus. 2005 war Frankreich mit vier Teams und 68 Akteuren in der Pro Tour vertreten. 2006 geht sogar ein fünftes Team regulär an den Start. Wenn die hohe Anzahl an Teams in der Pro Tour ein Gradmesser für den Erfolg der Fahrer dieses Landes gleichbedeutend wäre, müsste an dieser Stelle eigentlich eine Lobeshymne auf die fantastischen Siege der Fahrer folgen.
Das Problem aber ist, dass es entsprechende Erfolge nicht gibt.
Während bei den GTs in Italien und Spanien die Gesamtklassements vor allen Dingen Angelegenheiten der einheimischer Fahrer waren, so übten sich die Franzosen bei ihrer Rundfahrt in der Rolle des großzügigen Gastgebers. Lediglich ein Fahrer platzierte sich in den Pro Tour Punkterängen und nur einen Etappensieg gab es zu vermelden. Siege und Podiumsränge bei Klassikern blieben genauso aus, wie es auch keine französischen Gesamtsiege bei den Rundfahrten zu loben gab. Nur eine Podiumsplatzierung konnte realisiert werden. Bei der Katalonien-Rundfahrt sicherte sich diesen David Moncoutie, der auch den Etappensieg bei der TdF zu verantworten hatte.
Wer vielleicht 2004 der Ansicht war, dass der französische Radsport seine Flaute überwunden hätte, weil drei Fahrern der Einzug in die Top Twenty der Tour gelungen war, der wurde 2005 wahrlich eines besseren belehrt. Einerseits schützt die Pro Tour durch die Integration von vier Equipen den französischen Radsport, auf der anderen Seite aber zeigt die Rennserie auch sehr deutlich das wahre Ausmaß der französischen Misere auf. Durch die Pflichtteilnahme aller Teams an den Pro Tour Eventen, sank die Wahrscheinlichkeit für ohnehin seltene französische Erfolge. Aufgrund der Verpflichtungen durch die Pro Tour gehen bei den wichtigen Rennen alle Teams an den Start – auch die, die ansonsten evtl. keine Einladung erhalten hätten oder zuvor nur mäßig besetzte Delegationen zu diesen Rennen (z.B. GP Ouest-Plouay) entsandten. Von der Konkurrenz kann man nicht erwarten, dass Rücksicht auf französische Begehrlichkeiten genommen wird, sondern eigene Siege stehen im Vordergrund.
Man kann das Ausbleiben von Siegen für Fahrer französischer Nationalität nicht dadurch begründen, dass sie sich in den Dienst der Legionäre stellen müssen. Auch die Teambilanzen und Siegertableaus belegen, dass keine französische Equipe einen Wettbewerb gewonnen hat und nur Hushovd von Crédit Agricole und Usow vom Professional Team Ag2r Prevoyance realisierten Podiumsplätze bei Pro Tour Klassikern.
Schonungslos beweisen die Ergebnislisten, wo der französische Radsport wirklich anzusiedeln ist. Bei nur drei Klassikern konnten sich Fahrer aus Frankreich unter den ersten Zehn platzieren. Am besten schnitt Moncoutie beim Klasika San Sebastian noch als Sechster ab. Beim Amstel Gold Race reichte es für Jerome Pineau zum neunten Rang, während sein Landsmann Arnaud Coyot Zehnter bei Paris-Roubaix wurde. Dort wurde er von Florent Brard überflügelt, der hingegen für das Professional Team „Agritubel“ fuhr und somit keine Punkte zugesprochen bekam. Diese Bilanz muss man als erbärmlich bezeichnen
Bei sieben weiteren Eintagesrennen der Pro Tour reichte es zwar zu Platzierungen zwischen Platz 11 und 20, aber diese Ergebnisse werden den Anforderungen einer einstigen Radsportnation nicht gerecht. Vergleichsweise lesen sich die Rückblicke von der Schweiz oder den Niederlande (oder auch Luxemburg) freundlicher, obwohl da auch niemanden Honig um den Bart geschmiert wird.
Der Blick auf die Ergebnisse der Rundfahrten gestaltet sich indes nur wenig freundlicher. Moncouties Abschneiden bei der Volta A Catalunya wurde bereits hervorgehoben. Ferner wurde er bei der Dauphine Libere Sechster. Dafür konnte er bei der Tour de France mal wieder nicht in die Phalanx der ersten 20 vorstoßen. Bester Franzose bei der berühmtesten Rundfahrt der Welt wurde wieder mal Christophe Moreau als 13. Zuvor war er bereits bei der Volta a Catalunya als Neunter während der Saison in Erscheinung getreten.
Bei Tirreno-Adriatico zogen wiederum zwei Franzosen in die Top Ten ein. Fabrice Halgand belegte den neunten Rang, während der Routinier Laurent Brochard Fünfter der Rundfahrt wurde. Dieses war die einzige Platzierung des ehemaligen Weltmeisters, die ihm Pro Tour Punkte erbrachte. Bei insgesamt acht Veranstaltungen der Pro Tour blieb er bester Franzose. Das mag gut für ihn klingen, reicht dem französischen Radsport bestimmt nicht und stellt aber einen deutlichen Hieb auf die junge Generation seiner Landsleute dar, die ihm immer noch nicht das Wasser reichen konnten. Auch das ist kein Ruhmesblatt für die Grand Nation.
Sylvain Chavanel schließlich wurde Neunter bei der Polen Tour. Sein Wechsel zu Cofidis bedeutete für ihn nicht den erhofften Karriereschub. Schließlich passte er sich dem dürftigen Niveau seiner Landsleute an. Die Platzierung im Gesamtklassement der Polen Tour steht unter dem Eindruck, dass aufgrund von Terminüberschneidungen mit der Vuelta und dem nahenden Saisonende eine deutlich schwächere Konkurrenz am Start war.
Andere Fahrer, auf die für 2005 große Hoffnung projiziert hatten, konnten sich nicht in den gewünschten Regionen etablieren. Thomas Voeckler, der bei der Tour 2004 kurzzeitig das Gelbe Trikot tragen konnte, hielt offenkundig dem Druck der Erwartungen nicht stand. Er hatte im Jahr zuvor das Glück, der richtigen Fluchtgruppe anzugehören, die einen komfortablen Vorsprung heraus fuhr, so dass er sich mehrere Tage im Glanz des Maillot jaune sonnen konnte.
Auch Sandy Casar befand sich in derselben Gruppe. Er konnte 2005 im Gegensatz zu Voeckler zwar zweimal in den Kampf um einen Tour-Etappensieg eingreifen, aber auch für ihn hing die Latte (Platz unter den ersten 20) eindeutig zu hoch.
Ebenso blieb bei den Etappenerfolgen im Rahmen der Pro Tour Zurückhaltung Trumpf. Moncoutie ergatterte noch einen bei der Baskenland-Rundfahrt, womit er neben Etappensieg bei der Tour fast für die Hälfte der französischen Tagessiege in der Pro Tour sorgte. In Erinnerung blieb der Tageserfolg beim Giro durch Christophe Le Mevel, der kurz vor dem Ziel erfolgreich aus einer Fluchtgruppe attackierte und gewann.
Der junge Anthony Charteau schaffte einen Etappensieg bei der Katalonienrundfahrt, während Samuel Dumoulin bei der heimischen Dauphine Libere-Rundfahrt einen Tagessieg feiern konnte. Bei der anderen kleinen Rundfahrt in Frankreich, Paris-Nizza, blieben die Franzosen bar jeden Tagessieges und ohne Top Ten-Platzierung ein höflicher Gastgeber.
In medias res gesprochen heißt es für 2005, dass man über keinen Anwärter für eine GT-Gesamtwertung verfügt. Es gibt keinen Sprinter für Etappengewinne, es existiert kein Aspirant für die Frühjahresrennen in Belgien und in der Hölle des Nordens. Auch fehlt es an dem Fahrer, der die Nachfolge von Laurent Jalabert und Richard Virenque in der Bergwertung der Tour de France antreten kann. Mit David Moncoutie gibt es einen Akteur, der an guten Tagen evtl. ein Ergebnis bei kleinen Rundfahrten bzw. Hügelklassikern erzielen kann.
Die Kapitänsrollen den französischen Teams sind für ausländische Fahrer offensichtlich nur begrenzt lukrativ. Vermutlich sind einerseits die Finanzen und Teametats zu gering, andererseits erkennt der interessierte Fahrer auch, dass die zu erwartende Unterstützung der Teams nicht schlagkräftig genug ist. Eine Ausnahme stellt künftig vielleicht der „Aufsteiger“ Ag2r Prevoyance dar, der Mancebo verpflichtete.
Aber es gibt in der Not doch Lichtblicke:
Erst als die Franzosen gezwungen waren, mal mit ihren Besten als Team zusammen zu arbeiten, gab es ein positives Ergebnis zu vermelden. Bei der WM war es einer Fluchtgruppe gelungen, das Hauptfeld abzuhängen. Daraufhin spannten sich sämtliche Franzosen vor das Peloton und führten es wieder heran. Dieses Engagement trug entschieden dazu bei, dass Anthony Geslin die Bronzemedaille erringen konnte.
Aus diesem Erlebnis muss aber auch auf Seiten der Verantwortlichen das richtige Fazit gezogen werden. Erst durch eine Bündelung der Kräfte konnte die angeschlagene Grand Nation mit einem guten Resultat aufwarten. Dieses wäre eigentlich der Fingerzeig und Diskussionspunkt, unter dem sich die Funktionäre zusammensetzen sollten, um nach Lösungen und Wegen aus dem Dilemma suchen. Es mutet zwar erfreulich an, dass man mittlerweile fünf französische Rennställe in der Pro Tour hat. Angesichts der fehlenden Erfolge wäre es aber sicherlich besser, wenn es weniger wären. Denn derzeit streuen sich die Kräfte und teilen sich auf. Bei einer Reduzierung durch Fusionen auf drei Mannschaften bei Beibehaltung der jeweiligen Etats würde zwar kein neuer Bernard Hinault kreiert werden, aber vielleicht hätten es andere Fahrer leichter, auch mal wieder brauchbarere Ergebnisse vorzuweisen. Zudem würden junge Fahrer, die leistungsmäßig mit der Pro Tour überfordert scheinen, Zeit zur Entwicklung in unterklassigen Teams bekommen.
Man muss es so deutlich formulieren: Derzeit sind die französischen Teams meist Füllmaterial im Peloton, um das Wort Fallobst zu vermeiden.
Vermutlich wiederholen die Franzosen aber alte Fehler. Ein neuer Stern am Himmel heißt Geslin und Ende 2006 ergibt sich voraussichtlich wieder Ernüchterung, dass Monsieur Geslin wie andere zuvor hinter den Erwartungen und Wünschen zurück geblieben ist.
Ein neuer Sponsor (Caisse d’Epargne) aus Frankreich hat sich auch für 2006 gefunden. Er unterstützt aber lieber das spanische Team Illes Balears. Als französische Mitgift sollten möglichst die sechs besten des Landes verpflichtet werden. Dass diese Zahl hernach auf vier reduziert wurde, war dann eine angebrachte Maßnahme. Und dass Eric Berthou, Florent Brard, Mathieu Perget und Nicolas Portal Aushängeschilder des französischen Radsports sein sollen, wäre nicht jedem Fan gleich aufgefallen.
Kasachstan
Neun kasachische Fahrer durfte bei der WM an den Start schicken. Damit zählten sie zu dem Kreis der großen Teams wie Italien, Spanien, Deutschland etc.
Wie Australien gibt es auch in Kasachstan keinen eigenen Rennstall in der Pro Tour. Aber eine Lichtgestalt des Radsports stammt aus dem zentralasiatischen Land - Alexandre Winokourow. Jahrelang fuhr der Blondschopf für T-Mobile. In dieser Zeit erwuchs er zu einem der stärksten Fahrer im Peloton, der viele verschiedene Erfolge feiern konnte: Silbermedaille bei Olympia 2000, Sieg beim Amstel Gold Race 2004, Gesamtsieg bei Paris-Nizza 2002 und 2003, Dritter Platz bei der Tour de France 2003, etc.
2005 addierte sich der Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich in seine Palmares. Außerdem war er ein Teamkapitän bei der Tour de France, wobei er jedoch nicht in den Kampf um das Gelbe Trikot eingreifen konnte. Dafür siegte er bei zwei Etappenankünften der Tour und belegte letztlich den fünften Gesamtrang.
Eine identische Platzierung gelang ihm bei der Dauphine Libere. Im Rahmen dieser Rundfahrt feierte er einen imposanten Etappensieg, als er als erster das Ziel auf dem mystischen Mont Ventoux erreichte. Bei Paris-Nizza konnte er wie 2004 keinen Podiumsplatz erreichen, allerdings reichte es zum 16. Platz.
Bei der WM beschloss er eine erfolgreiche Saison mit einem fünften Platz im Zeitfahren.
Daneben verblassen die Leistungen seiner Landsleute, die in sich in geringer Anzahl auf die Teams der Pro Tour aufteilen. Andrej Kashechkin entpuppte sich jedoch als Fahrer mit Potential für die Zukunft. Er wird ab 2006 „Vino“ bei Liberty Seguros unterstützen. Kashechkin errang bei der Dauphine Libere den neunten Platz, während ihm bei der Tour der 19. Rang gelang. Ferner vertrat er seine Landesfarben bei der WM im Zeitfahren und kam auf einen sechsten Platz.
Maxim Iglinskiy, Bediensteter bei Domina Vacanze, ließ 2005 nichts unversucht. Er probierte sich mit der Taktik, mehrfach bei den Rundfahrten in Ausreißergruppen vorzustoßen. Diese Vorgehensweise sollte Früchte tragen, als er bei der Deutschland-Tour auf diese Art und Weise im Finish seine Mitstreiter hinter sich lassen konnte. Ferner brillierte er beim GP Ouest-Plouay. Der Einzug unter die ersten Zehn blieb ihm aber knapp verwehrt.
Insgesamt zeigte sich, dass die Stärken der Kasachen offensichtlich bei den Rundfahrten liegen bzw. bei Klassikern mit anspruchsvollen Profil. Im Sprintbereich besteht ein Mangel an Fahrern. Allerdings ist dieses Land noch in seinem Aufstieg begriffen. Mit Vino hat man eine Führungsfigur, der die Aufnahme kasachischer Talente in die starken Teams erheblich erleichtert und Türen öffnet. Kashechkin und Iglinskiy haben bereits bewiesen, dass aus ihren Landstrichen Qualität kommen kann. Die Zukunft wird zeigen, ob auch weitere ihrer Landsmänner das Peloton bevölkern können.
Russland
Ein geographischer Nachbar der Kasachen wirkt im Fahrerfeld noch präsenter. Jahr für Jahr gelingt es dem Russen, sich auf den vorderen Plätzen der Veranstaltungen einzufinden. In der Vergangenheit waren es beispielsweise Pavel Tokov und Vjatcheslav Jekimow. Zum eigenen Rennstall, der auch Konkurrenzfähigkeit auf höchstem Niveau nachweist, hat es bisher noch nicht gereicht. Die Versuche mit Itera und Lokomotiv sind diesbezüglich vorerst als gescheitert zu betrachten. Aber man sollte deswegen Bemühungen aus Russland in Bezug auf ein eigenes Team nicht abschreiben. Was nicht ist, kann immer noch werden.
Einem ihrer Staatsangehörigen gelang ein großer Wurf in die richtige Richtung. Denis Menchov feierte den Gesamtsieg bei der Vuelta. Dass dieser erst durch die nachträgliche Disqualifikation von Roberto Heras zustande kam, der des Dopings überführt wurde, ist ein Schönheitsfehler. Somit erstrahlt dieser Erfolg von Menchov nicht im hellsten Glanz, was nicht seine Schuld ist, da er zwei Etappen gewinnen konnte.
Menchov darf als der stärkste russische Fahre des vergangenen Jahres angesehen werden, der außerdem Dritter bei der Tour de Romandie wurde. Bei der Baskenland-Rundfahrt verfehlte er als Elfter um Haaresbereite Pro Tour Zähler.
Vladimir Karpets war mal ein ehemaliger Teamkollege vom Vuelta-Sieger. Während Menchov 2005 zu Rabobank wechselte, hielt Karpets dem Banesto-Nachfolger Illes Balears die Treue. Beim Giro bekleidete er die Kapitänsrolle und zog sich durch gute Zeitfahren und dem siebten Gesamtplatz achtbar aus der Affäre. Lediglich bei der Tour de France konnten beide aufgrund unterschiedlicher Gründe nicht entsprechend in das Renngeschehen eingreifen.
Es gab allerdings noch einen dritten Fahrer, der bei einer GT im Gesamtklassement Punkte für die Pro Tour sammelte. Alexandre Botcharov wurde bei der Vuelta 20.
Ein weiterer Russe platzierte sich bei einer Rundfahrt in den Top Ten. Sergej Ivanov wurde bei dem Unternehmen Benelux-Tour Zehnter. Ivanov glänzte außerdem bei der Flandern-Rundfahrt, wo er durch seinen neunten Rang seinem Team T-Mobile ein gutes Mannschaftsergebnis ermöglichte.
Zudem ließ er seinen Landsmann Vladimir Gusev hinter sich, der aber Zehnter werden konnte. Der Klassiker in Flandern blieb allerdings der einzige, bei denen sich die Russen effektiv in Szene setzen konnten. Gusev blieb zwar bei acht Klassikern bester seines Landes, allerdings fand er sich mehrfach auch auf hinteren Plätzen dabei wieder. Bei Paris-Roubaix und Paris-Tours hingegen verpasste er durch jeweils 12. Plätze knapp Punkte für die Pro Tour.
Zieht man jetzt über die Teamgrenzen hinweg ein Fazit, so muss der realisierbare Erfolg positiv festgehalten werden. Eine günstige Leistungsentwicklung des russischen Radsportlers zeigt sich, wenn ein Landsmann im Team ist. Von daher scheint es Interessen der Rennställe zu geben, jedem guten Russen „seinen Jakowlew“ als Adjutanten zu spendieren. So unterstützte Alexandr Kolobnev Menchov bei Rabobank oder Jekimow und Mikhailov sind seit Jahren bei Discovery Channel. Zu ihnen wird Gusev stoßen. Karpets erhält zur kommenden Saison Vladimir Efimkin als neuen Mitstreiter.
Bisher zeigten sich die Russen als Exportschlager, aber es wäre schon interessant zu sehen, wie sich ein russisches Team in der Pro Tour schlagen könnte. Aber das ist momentan doch noch Zukunftsmusik.
Dänemark
In Dänemark hat sich ein sehr starker Rennstall angesiedelt, der weite Teile des Rennkalenders diktiert und bei vielen Gelegenheiten in vorderster Front zu begutachten ist. Der Franz Beckenbauer des dänischen Radsports, Bjarne Riis, hält die Zügel in der Hand. Er, der 1996 die Tour de France gewinnen konnte, hat es geschafft, eine Equipe aus dem Boden zu stampfen, die auf nahezu jedem Terrain ein gewichtiges Wörtchen mitreden kann – Team CSC.
CSC setzt sich aus Fahrern vieler Nationen zusammen. Natürlich werden auch einige Dänen im Team beschäftigt. Aber sie alleine reichen nicht aus, um auf dem Pelotonparkett zu glänzen. Deswegen sind die Schlüsselrollen im Team an andere vergeben: Basso, Sastre, Voigt, Julich…
Dennoch gelingt es immer wieder Dänen, international ins Rampenlicht vorzustoßen.
Am auffälligsten in Erscheinung trat 2005 ein Landsmann von Riis, der nicht im Dress von CSC fährt. Michael Rasmussen ergatterte das prestigeträchtige Bergtrikot bei der Tour de France und gewann eindrucksvoll eine Etappe.
Im Verlauf der Tour de France wurde er ein heißer Anwärter auf das Podium. Erbittert wehrte er sich gegen Jan Ullrich, der ihm den dritten Gesamtplatz streitig machte. Letztlich wurden Rasmussen seinen Zeitfahrkünste zum Verhängnis. Einerseits scheiterte er am wechselnden Gefährt beim letzten Zeitfahren in St. Etienne, da er häufiger stürzte und ständig auf ein anderes Fahrrad umsteigen musste, auf der anderen Seite schien er auch sportlich nicht in der Lage zu sein, sich in dieser Teildisziplin zu behaupten. Er fiel auf den siebten Gesamtrang zurück, was aber immer noch als Riesenerfolg gewertet werden muss.
Bekanntermaßen kommen Dänen auf dem Untergrund von Paris-Roubaix vergleichsweise gut klar. Frank Hoj von Gerolsteiner machte sich Hoffnungen auf das Podium, allerdings blieb es bei der Äußerung dieser Wünsche. Statt seiner gehörte Lars Michaelsen im Rennen bis kurz vor dem Ziel einem Führungsquintett um Tom Boonen an. Er wurde schließlich Fünfter.
Sein CSC-Teamkollege Michael Blaudzun erreichte die gleiche Platzierung im Endklassement der Benelux-Tour.
Damit wären die zählbaren Ergebnisse der Dänen auch fast vollständig erwähnt. Es fehlt noch der Etappensieg von Nicki Sörensen bei der Vuelta. Sörensen war ferner bei sieben Veranstaltungen der Pro Tour bester Däne, wenngleich er vermutlich manchmal auch der einzige Däne bei dem jeweiligen Rennen war, der über den Zielstrich fuhr. Allerdings kann sich sein 17. Platz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich ebenso sehen lassen wie der 15. Rang von Alan Johansen bei der Flandern-Rundfahrt und der 17. Rang von Matti Breschel bei Gent-Wevelgem oder der 15. Platz von Michaelsen bei Paris-Tours.
Außerdem schaffte Jakob Piil Storm, der schon mal Paris-Tours gewann, den sechsten Platz bei der WM auf der Straße.
Im Großen und Ganzen sind damit die wichtigsten Ergebnisse der Skandinavier zusammengefasst. Es zeigt sich, dass sie zu beachtlichen Erfolgen fähig sind, aber in der Hauptsache zur Unterstützung der ausländischen Kapitäne herangezogen werden. Nebenbei gelingt es ihnen zwar immer mal wieder, den einen oder anderen Fahrer in exponierte Lage zu chauffieren, aber für die großen Erfolge sind meistens doch die ausländischen Kapitäne von Nöten.
Österreich
In der Alpenrepublik hat man für 2006 zwei Rennställe für den Professional Team Status angemeldet. Diese Tatsache kann als Vorzeichen gesehen werden, dass in absehbarer Zeit man auch den Sprung in die Königsklasse – derzeit Pro Tour genannt – wagen könnte. Sicherlich sind diesbezüglich einige organisatorische Hindernisse zu überwinden. Die sollen an dieser Stelle nicht näher erläutern werden.
Hier dominiert fürs erste die sportliche Betrachtungsweise. Welche Qualitäten bringt das vorhandene Fahrermaterial mit?
Da wäre Georg Totschnig.
Der Routinier blieb bei der Tour de France, zieht man das Gesamtklassement als Bemessungsgrundlage zu Rate, hinter den Erwartungen zurück. Er konnte sich nicht unter den besten Zehn einfinden. Statt dessen war er der erste, der in Ax 3 Domaines im Ziel ankam und somit eine historische Leistung vollbrachte. Es war der erste Etappensieg eines Österreichers bei der Tour de France.
Später erreichte er bei der Deutschland-Tour den dritten Gesamtrang. Einen Etappensieg musste er etwas widerwillig seinem Teamkollegen Leipheimer überlassen, als der Amerikaner auf dem Weg zum Rettenbachferner in Österreich die besseren Beine hatte. Der Österreicher erreichte überdies den 12. Platz bei der Tour de Suisse. Damit war er 2005 nicht ganz so erfolgreich wie 2004, allerdings hat er nicht enttäuscht und konnte mit seiner kolossalen Bergankunft in Frankreich ein Highlight setzen.
Bei der Tour de Suisse nutzte sein junger Landsmann, Bernhard Eisel, die Chance, mit einem Etappensieg ins Rampenlicht vorzustoßen. Der Sprinter zeigte 2005 eine ansprechende Leistung, die berechtigte Hoffnung auf noch bessere Resultate erzeugt. Bei den Klassikern erreichte er hingegen kein Top Ten Ergebnis, wurde aber bei der Flandern-Rundfahrt 13.
Mehr Fortune hatte da sein Landsmann „Paco“ Wrolich, der Fünfter beim GP Ouest-Plouay wurde. Eventuell verhinderte die Teamorder seines Rennstalls eine noch bessere Platzierung, weil Kapitän Rebellin im Hinblick auf die Pro Tour Wertung besser positioniert wurde.
Auch punkten konnte René Haselbacher, der immerhin Achter bei Paris-Tours wurde. Haselbacher gefällt besser in der Rolle des Anfahrers. Wenn die Beletage der Sprinter an den Start geht, dann konnte der Österreicher auch 2005 nicht nachweisen, dass er ihnen gewachsen ist und zu ihnen zählt.
Der Mann fürs Gesamtklassement war Ende der 90er Jahre Peter Luttenberger. Er fährt jetzt für CSC. Dort muss er sich, mittlerweile in die Jahre gekommen, für die Belange seiner Teamkollegen aufopfern. Auf eigene Rechnung darf er seltener fahren. Bei der Tour de Romandie wurde es dennoch der 14. Platz.
Kaum bemerkbar machten sich Gerrit Glomser und Andreas Matzbacher während der Saison. Sie hatten Teamaufgaben zu leisten, so dass sie keine oder nur wenig akzeptable Ergebnisse erbrachten. Künftig gehen beide für das Team Vorarlberg, eines der Professional Teams, an den Start.
Bernhard Kohl befand sich in seiner Neo-Saison und konnte die Verantwortlichen bei T-Mobile zufrieden stimmen.
Insgesamt muss man sagen, dass die Österreicher noch über zu wenig qualitatives Personal verfügen, um in der obersten Etage mithalten zu können. Man kann zwar auf einen guten Klassementfahrer sowie einen akzeptablen Sprinter verweisen. Zudem gibt es einige Fahrer, die speziellen Teamaufgaben gewachsen sind. Sollte man einen Rennstall auf Pro Tour Niveau aufziehen, dann wird man viele Schlüsselpositionen an ausländische Fahrer gehen. Dafür gibt es noch nicht genügend Alpenrepublikaner.
Slowenien
Schon seit einigen Jahren fallen Slowenen im Profiradsport auf. Sie sind an Zahl in der Pro Tour zwar eher gering, aber dennoch sind sie nicht erfolglos. Es reichte in der vergangenen Saison nicht für eine Podiumsplatzierung. Dennoch weiß man allseitig die Stärken der Slowenen zu schätzen.
Tadej Valjavec fuhr für Phonak. Er belegte bei vier Rundfahrten Pro Tour Ränge. Seine beste Platzierung sollte der sechste Platz bei der Deutschland-Tour sein. Auch an den beiden eidgenössischen Rundfahrten hatte er Freude –Tour de Romandie (10.) und Tour de Suisse (9.). Den Giro beendete er auf dem 15. Rang.
Seid Landsmann Gorazd Stangelj beendete die Saison mit einem siebten Rang bei der Lombardei-Rundfahrt. Damit kam er in seinem letzten Pro Tour Einsatz noch zu Zählern, nachdem er als 13. bei der Polen-Tour dieses Glück nicht hatte.
Uros Murn belegte bei Paris-Tours den neunten Platz. Ansonsten fiel er in der Saison nicht weiter auf.
Janek Brajkovic gilt als großes Talent. Große Ergebnisse feierte er aber 2005 noch nicht. In der Pro Tour schaffte er den 17. Platz bei der Benelux-Tour. Etwas besser gestaltete er seine Teilnahme bei der Straßen-WM. Dort belegte er den 11. Platz
Für ein Land, das nur eine Handvoll Fahrer in den Pro Tour Equipen hat, kann sich diese Ausbeute sehen lassen. Man kann natürlich kritisch vieles aus den Ergebnissen ableiten - so z.B. dass nicht auf jedem Terrain starke Fahrer vorhanden sind. Aber man sollte besser die slowenische Entwicklung imk Radsport abwarten.
Luxemburg
Eine so kleine Nation wie Luxemburg sollte nicht ausführlich in einem solchen Rückblick behandelt werden. Dass ausgezeichnete Fahrer (z.B. der zweimalige Toursieger Charly Gaul) aus diesem Staat kommen können, weiß man nur zu gut. Es kann auch Jahre und Dekaden geben, die frei von Luxemburger Radsportlern bleiben.
2005 fuhren vier in den Pro Tour Teams. Die Gebrüder Fränk und Andy Schleck gehören CSC an. Benoit Joachim startet für Discovery Channel und Kim Kirchen trug die Farben von Fassa Bortolo.
Während Joachim Teamaufgaben zu absolvieren hat und nicht durch exzellente eigene Ergebnisse auffiel und Andy Schleck erste Erfahrungen als Profis sammelten, fielen die beiden anderen durch starke Ergebnisse auf.
Ebenso wie die große Radsportnation Frankreich kamen die Luxemburger nur bei drei Klassikern unter die Top Ten, freilich mit anderem Erfolg als die südlichen Nachbarn. Kirchen machte als Zweiter beim Fleche Wallone den Auftakt. Fränk Schleck zog nach und musste sich bei Züri-Metzgete nur Bettini beugen. Bei der Lombardei-Rundfahrt rückte Simoni zwischen Bettini und Schleck.
Schleck, der 42. beim Giro wurde, startete als Siebter bei der Paris-Nizza in die Saison. Bei der Tour de Suisse verfehlte er als Vierter den Sprung aufs Treppchen.
Dafür besiegte Kirchen bei der Polen-Tour sämtliche Konkurrenz und wurde Erster. Quasi zur Untermauerung seiner Leistung feierte er einen Etappensieg in Polen. Etwas weniger Glück hatte er beim Amstel Gold Race, wo er aber einen respektablen 11. Platz erreichte.
Hätten die Franzosen zwei Fahrer wie Fränk Schleck und Kim Kirchen unter ihren Farben, dann sähe diese Bilanz ganz anders aus. So steht den vier Podiumsplatzierungen der Luxemburger nur eine der Franzosen entgegen. Wahrlich trübe Aussichten für die Grand Nation.
Kurz zum Rest
Das soll es an den Überblicken zu den Leistungen der Nationen gewesen sein. Sicherlich könnte man auch noch weitere formulieren. Kolumbien verfügt über einige gute Fahrer, die 2005 auch Erfolge hatten, wie Boteros Gesamtsieg bei der Tour de Romandie beweist.
Der Gewinner des Grünen Trikots bei der Grand boucle heißt Thor Hushovd und stammt aus Norwegen. Vereinzelt tauchen Fahrer aus dem Landstrich in den Pro Tour Teams auf. Hushovd ist der beste und erfolgreichste Alljährlich macht auch die Gruppe an schwedischen Pedaleuren durch gute Ergebnisse auf sich aufmerksam.
Vergessen darf man die Ukraine nicht, dessen Staatsangehörigkeit der Sieger der Volta A Catalunya inne hat. Yaroslawl Popovych könnte der Mann sein, der in einigen wenigen Jahren das Maß der
Dinge bei den GTs ist. Aber auch Routinier Sergej Honchar zeigte, dass auch er zu guten Ergebnissen nach wie vor fähig ist.
Aber nicht für jede Nation – auch nicht für die genannten - erscheint eine dezidierte Betrachtung der Saisonresultate kaum lohnenswert. Meistens ist die Ansammlung von Fahrern aus dem jeweiligen Land (z.B. Großbritannien) zu klein. Aber vielleicht ist eine der vermeintlich kleinen Radsportländer morgen schon eine große…
Geschrieben von Steamboat am 28.01.2006 um 21:32:
Fest versprochen. Das war die letzte Saisonbilanz. Irgendwann geht mir auch der Saft aus....
Geschrieben von Doubleyou am 28.01.2006 um 23:28:
venezela war auch sehr erfolgreich
Geschrieben von Steamboat am 29.01.2006 um 00:39:
| Zitat: |
Original von Doubleyou
venezela war auch sehr erfolgreich
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Nicht weinen.
Es waren aber nicht sehr viele aus Venezuela am Start. Zu Unai Etxebarria fiel mir nichts ein und die Saisonbilanz für Colombia schreibt jemand anderes...
Geschrieben von misfit am 29.01.2006 um 13:37:
max bulla
georg totschnig war nicht der erste österreicher der eine tour de france etappe gewonnen hat.
Geschrieben von Steamboat am 29.01.2006 um 13:56:
RE: max bulla
| Zitat: |
Original von misfit
georg totschnig war nicht der erste österreicher der eine tour de france etappe gewonnen hat. |
Shit... ich habe mir die ganze Zeit überlegt, ob das wohl stimmen mag
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