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Geschrieben von gardener am 16.04.2005 um 23:42:
Bilanz: die Klassiker des Frühjahrs
Eine der (meiner Meinung nach) schönsten Zeiträume des (Radsport-) Jahres ist diese Woche nun zu Ende gegangen: die Rennen Flanderns, Nordfrankreichs, der Niederlanden. Die Rennen des Kopfsteinpflasters, des Windes, der „hellingen“, der Belgischen Kreisel, der Feldwege, die halb-, viertel- und ganz klassischen Rennen…
Hier soll nun Bilanz gezogen werden.
Noch einmal zur Übersicht, worum es eigentlich geht:
26.02. Omloop Het Volk (Sieger: Nick Nuyens / Bel / Qst)
27.02. Kuurne-Brüssel-Kuurne (George Hincapie / Usa / Dsc)
23.03. Dwars door Vlaanderen (Nico Eeckhout / Bel / Jac)
26.03. E3 Prijs Vlaanderen – Harelbeke (Tom Boonen / Bel / Qst)
27.03. Brabantse Pijl (Oscar Freire / Spa / Rab)
29.03.-31.03. Drei Tage von De Panne (Stijn Devolder / Bel / Dsc)
03.04. Ronde van Vlaanderen (Tom Boonen / Bel / Qst)
06.04. Gent – Wevelgem (Nico Mattan / Bel / Dvl)
10.04. Paris – Roubaix (Tom Boonen / Bel / Qst)
13.04. Grote Scheldeprijs (Thorwald Veneberg / Ned / Rab)
15.04. Veenendaal-Veenendaal (Paul van Schalen / Ned / Axa)
Der Fahrer des Frühjahrs:
Ganz klar, dies MUSS Tom Boonen sein. Mit einem beeindruckenden Dreischlag verwischt er die von dunklen Schatten überzogene Erinnerung an Johan Museeuw – er ist der neue König von Flandern. Von den ganz großen Rennen der obigen Liste fehlt im nur noch Het Volk – dabei ist er erst 24!!! In Harelbeke siegte er das zweite Mal in Reihenfolge…
Das Team des Frühjahrs:
Patrick Lefévres Quick Step-Truppe. Vom Doppelsieg bei Het Volk bis zum Scheldeprijs mit fünf (!) Fahrern unter den ersten 20 – irgendwie war man immer dabei, auch jenseits der bedrückenden Überlegenheit des Tom B. – vor allem Wilfried Cretskens und Kevin Hulsmans zeigten konstant gute Leistungen. Dazu Nick Nuyens, der sein Pulver jedoch schon vor den Höhepunkten Ronde und Roubaix verschossen hatte. Da fielen der komplett absente Paolo Bettini oder ein eher mittelmäßiger Servais Knaven gar nicht auf….
Überraschungen:
Marcus Ljungkvist.
Nach zwei mehr oder wenig völlig verkorksten Jahren bei Crédit Agricole und Alessio mit einem überraschend guten Comeback – unter den ersten 20 in De Panne, bei der Ronde, in Wevelgem. Und… 21. in Roubaix.
Alessandro Ballan.
Ein Etappensieg bei den Drei Tagen – das kann ja immer mal passieren. Aber er hielt sich! Das reichte zum zweiten Rang… noch überraschender: eine famose Ronde! Ballan schlug sich frech in die Flucht, um am Ende noch ganz vorne (6.) mit ankommen zu können. Ganz groß!
Carlos Barredo.
Irgendeiner von der iberischen Halbinsel getraut sich ja immer, einen Klassiker auch mal zu Ende zu fahren. Aber dies zwei Mal in Folge (41. Ronde, 52. Roubaix) verdient Respekt, zumal er beide Male sein Heil lange in der Flucht suchte. Und dazwischen ruhte er sich keineswegs aus, sondern fuhr mal eben beim GP Pino Cerami auf einen tollen 3. Platz…
Nico Eeckhout.
Nicht unbedingt überraschend, aber sehr anständig waren seine Leistungen bisher. Als einziger Fahrer beim Eröffnungswochende bei beiden Rennen ganz vorne präsent (4. Het Volk und Kuurne), kulminierte Eeckhouts Form anscheinend Ende März – am 23. Sieg bei Dwars door Vlaanderen, genau eine Woche später Etappensieg in De Panne. Schade, dass er bei der Ronde früh aussichtslos einer Ausreißergruppe hinterher fuhr, um dann bald das Rennen aufzugeben…
Simone Cadamuro
Etappenzweiter in De Panne, 8. in Wevelgem, Roubaix zu Ende gefahren, beim Scheldeprijs im Sprint VOR Tom Boonen Dritter – Respekt! Dazu meistens einer der wenigen Fahrer seines Teams, der überhaupt im Ziel war…
Beobachtungen:
Bei Davitamon lief nicht viel.
Oder, besser gesagt, man hatte einiges Pech. Der einzige Sieg durch Nico Mattan in Wevelgem wurde durch die hinlänglich bekannten Begleitumstände überschattet – was leicht vergessen macht, dass Mattan wirklich einer der stärksten Fahrer des Rennens war. Peter van Petegem bei der Ronde ohne Fortune, Sturz in der „Hölle des Nordens“ – ein verkorkstes Frühjahr. Dann zum Schluß hin mysteriöse gesundheitliche Ungereimtheiten bei Robbie McEwen. Lichtblicke boten ein starker Leon van Bon (6. RvV, 8. P-R), gute Leistungen der jungen Wims (de Vocht und van Huffel) und ein klasse Saisonbeginn von Aart Vierhouten (5. Kuurne, 7. Dwars).
T-Mobile war irgendwie seltsam.
Kein Sieg, KEIN einziger, das steht zuerst fest. Zweite Plätze, ja, aber mehr nicht. Ausreden sind da – krankheitsbedingt bei Steffen Wesemann, sturzbedingt bei Andreas Klier. Hoffnungen für die Zukunft auch – Eric Baumann, Marcus Burghardt. Erik Zabel war auch schon schlechter bei solchen Rennen – bei ihm wird es spannend sein zu beobachten, ob er die Konsequenz besitzt, endgültig den Weg zum Klassiker-Fahrer zu gehen. Bis dahin kann er sich mit seinen Mannschaftskollegen darüber Gedanken machen, was für taktische Absonderlichkeiten man 2005 so produziert hat.
Belgische Überlegenheit?
Den Siegen nach schon (7/11). Aber: sechs verschiedene Nationen unter den ersten Zehn bei Dwars door Vlaanderen, sieben beim Pfeil, neun sogar in Roubaix (darunter nur ein Belgier!).
Auch wenn es dank der Boonenschen Überlegenheit nicht so aussieht, die Klassiker Flanderns werden internationaler. Ein spanischer Ronde-oder-Roubaix-Sieger steht unmittelbar vor der Tür (vielleicht Oscar Freire, wahrscheinlich jedoch J.A. Flecha, dem heimlichen Helden des Frühjahrs), bei den Italienern könnte es auch zu einer Renaissance auf den Straßen Flanderns kommen, die alten Helden Tafi, Bortolami oder Bartoli sind auf dem Weg in den Altersruhesitz der Radprofis (oder schon da…). Neue hungrige Fahrer lauern schon auf die Nachfolge – ein Alessandro Ballan, ein Simone Cadamuro, vielleicht auch ein Enrico Franzoi.
Derer müssen sich die van Huffels, van Loockes und van Impes erstmal erwehren… es bleibt spannend.
Ergänzungen sind gerne erwünscht…
Geschrieben von Doubleyou am 17.04.2005 um 00:38:
RE: Bilanz: die Klassiker des Frühjahrs
Marcus Burghart.
Der Neo-Profi fiel als einer der fleißigsten Helfer auf! Zudem verbuchte er noch einen 4.Platz...
Geschrieben von Tourmalet am 17.04.2005 um 00:56:
Auch wenn es andere Rennen sind, aber die Ardennen Klassiker plus AGR sollte man auch noch zu den Frühjahrsklassikern zählen.
Und der Pfeil von Brabant ist in der Aufzählung auch irgendwo fehl am Platz.
Geschrieben von Steamboat am 17.04.2005 um 01:12:
Bezüglich T-Mobile finde ich es nicht gut, von Ausreden bei der Krankheit von Wese oder beim Sturz von Klier zu sprechen. Sicherlich gibt es immer noch keinen Sieg in der Saison zu bestaunen, deswegen aber gleich von Ausrede zu sprechen, scheint mir verfehlt.
Man hätte ebenso die Leistungen von Discovery Channel bewerten können. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Abschneiden der Gerolsteiner-Mannschaft fehlt.
Geschrieben von gardener am 17.04.2005 um 08:50:
| Zitat: |
Original von Tourmalet
Auch wenn es andere Rennen sind, aber die Ardennen Klassiker plus AGR sollte man auch noch zu den Frühjahrsklassikern zählen.
Und der Pfeil von Brabant ist in der Aufzählung auch irgendwo fehl am Platz. |
Ich habe gehofft, am Anfang deutlich gemacht zu haben, dass die sog. Ardennenklassiker eine völlig andere Kategorie Rennen darstellen?

Und schon das Amstel hat meiner Meinung nach nix mehr mit den überwiegend flachen Rennen Flanderns zu tun... vor allem seit die Ankunft auf dem Cauberg liegt. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren, wenn heute Tom Boonen vor Peter van Petegem und Magnus Backstedt gewinnt... Wie - die fahren nicht mit???

Seltsam...
Über Brabant kann man sicher streiten...
Geschrieben von gardener am 17.04.2005 um 08:51:
| Zitat: |
Original von Steamboat
Bezüglich T-Mobile finde ich es nicht gut von Ausreden bei der Krankheit von Wese oder beim Sturz von Klier zu sprechen. Sicherlich gibt es immer noch keinen Sieg in der Saison zu bestaunen, deswegen aber gleich von Ausrede zu sprechen, scheint mir verfehlt.
Mab hätte ebenso die Leistungen von Discovery Channel bewerten können. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Abschneiden der Gerolsteiner-Mannschaft fehlt. |
Und hier verweise ich auf den letzten Satz... es kann durchaus jeder seinen Beitrag leisten...
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