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--- Oscar Freire zu Dopingkontrollen etc. (http://forum.cycling4fans.de/thread.php?threadid=16251)


Geschrieben von tick am 08.02.2005 um 14:55:

  Oscar Freire sagt....

After the finish, Freire backed up his criticism of new anti-doping regulations that have just been introduced. Asked by his peers in his capacity as world champion to speak on their behalf, Freire attacked new regulations that require cyclists to provide details on their location at all times.

...

Freire also criticised the lack of sanctions on teams and doctors following doping cases. “That was the case with Santi Perez, whose cycling career has been ruined while Phonak have returned to where they were. It’s always the riders who are blamed. Doctors and teams ought to be held responsible for what their riders do.”


http://www.procycling.com/news.aspx?ID=865



Geschrieben von blaireau am 08.02.2005 um 15:48:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von tick
Freire attacked new regulations that require cyclists to provide details on their location at all times.


Das wirft ja ein interessantes Licht auf die Trainingskontrollen der "old regulations". Wie führt man solche wirksam durch, wenn man nicht weiss, wo der Fahrer ist oder wie er zu erreichen wäre? Was schlägt Oscar vor?



Geschrieben von tick am 08.02.2005 um 15:54:

  RE: Oscar Freire sagt....

Freire said he did not object to undergoing dope testing when required, but added “that what upsets me is the control they have over my life… You have to say where you are at all times, give the telephone numbers of third parties where you can be contacted. It is clear that nobody wants doping in sport, but we don’t want to have to put up with this either.”


Wahrscheinlich will er nicht immer sagen: "Morgen abend bin ich bei der Schwiegereltern, heute nachmittag gehen wir Möbel suchen" und so weiter. Kann ich auch nachvollziehen Gibt es den kein Privatsphäre mehr?



Geschrieben von Bugno am 08.02.2005 um 15:59:

  RE: Oscar Freire sagt....

Aber sind das nicht Sachen, die für nicht-spanische Radrennfahrer schon seit Jahren selbstverständlich sind? keine ahnung



Geschrieben von Cyclist am 08.02.2005 um 16:12:

  RE: Oscar Freire sagt....

Die Frage ist, wo die Grenze gezogen wird. Wenn ein Fahrer am Abend zu einer Geburtstagsfeier eingeladen ist, wäre es übertrieben, das der UCI mitteilen zu müssen. Wenn er aber für ne Woche Urlaub macht, sollte er schon für die entsprechenden Stellen erreichbar sein.



Geschrieben von blaireau am 08.02.2005 um 16:34:

  RE: Oscar Freire sagt....

Man sollte sich darüber im klaren sein, dass jedermann, der für seine Käufe fleissig eine Kreditkarte und häufig sein Handy benutzt, einzelnen Firmen ein Einblick in sein Privatleben gewährt, der das alles bei weitem übertrifft.



Geschrieben von Cyclist am 08.02.2005 um 16:44:

  RE: Oscar Freire sagt....

Und was willst du damit sagen? Dass Datenschutz und Privatsphäre unwichtig sind? Dass alle Firmen den Datenschutz missachten? Dass man kein Recht mehr auf Datenschutz hat, weil er umgangen werden kann? Dass Radprofis deswegen kein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre und Daten haben?



Geschrieben von blaireau am 08.02.2005 um 17:06:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von Cyclist
Dass Radprofis deswegen kein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre und Daten haben?

Deren Privatleben ist genauso geschützt wie unseres. Die WADA publiziert meines Wissens keine Liste mit den Aufenthaltsorten der einzlenen Fahrer. Genausowenig wie VISA veröffentlicht, was ich alles mit der Karte gekauft habe oder Telekom die Roaming-Daten herausrückt.

Das "da hat man ja kein Privtaleben mehr"-Argument (auch von den ÖSV-Funktionären gewichtig in die Waagschale geworfen) schlägt nicht an, so finde ich.



Geschrieben von Cyclist am 08.02.2005 um 17:33:

  RE: Oscar Freire sagt....

Kann mir vielleicht einer darlegen, wann Fahrer ihre Aufenthalte mitzuteilen haben?

Wie gesagt, der Besuch einer Party geht die UCI nichts an - egal ob die Daten veröffentlicht werden oder nicht. Wenn ein Fahrer für ein paar Stunden seine Wohnung verlässt, um einzukaufen, auf eine Feier zu gehen oder mit seinen Kindern in den Zoo zu gehen, ist das seine private Angelegenheit. Dann ist er ja ein paar Stunden später wieder greifbar. Sollte das der UCI mitgeteilt werden müssen, wären wir nahe am Überwachungsstaat, das fände ich problematisch.

Dass längerfristige Aufenthaltsveränderungen angegeben werden müssen, kann ich dagegen nachvollziehen: Urlaub, Trainingslager, mehrtägige Werbetermine etc.



Geschrieben von crn am 08.02.2005 um 17:52:

  RE: Oscar Freire sagt....

So eine ähnliche Diskussion hatten wir schon mal ...

Das Problem der heutigen Doping-Praxis ist, dass a) Wettkampfkontrollen sinnlos sind und b) angekündigte Trainingskontrollen ebenso. Abgesehen von Dummheit, purem Zufall o.ä. kommt eine Dopingbekämpfung um unangekündigte, spontane, unerwartete Kontrollen nicht herum. Und dafür _muss_ der dafür zuständige Institution wissen, wo sich ein zu testender Athlet aufhält, und zwar nicht nur prinzipiell, sondern exakt.

Mir fallen da gleich ein ganzer Batzen von Beispielen ein, aus der Leichtathletik oder dem Radsport, wo Athleten oder ganze Trainingsgruppen bei unangekündigten Kontrollen spontan nicht auffindbar waren und erst mit sicherer Verzugszeit oder gar nicht mehr getestet werden konnten.

Das einzige, was dabei hilft, ist eine Verpflichtung der Athleten, jederzeit an einem dokumentierten Ort zu sein und zwar so, dass sie innerhalb sagen wir 10 Minuten gefunden werden. Ist das nicht der Fall, gilt das als Entzug vor einem Dopingtest und wird bei Wiederholung mit einer Zweijahressperre belegt.

Das _ist_ eine extreme Einschränkung der Privatsphäre, allerdings erhält nur und ausschließlich das zuständige Institut, also die nationalen bzw. internationale Anti-Doping-Assos diese Informationen. Anders ist rein theoretisch Doping-Bekämpfung gar nicht denkbar.



Geschrieben von kuestentanne am 08.02.2005 um 17:57:

  RE: Oscar Freire sagt....

Jeden Schritt müssen sie sicher nicht melden, das ist ja auch nicht nötig.
In anderen Berufen muss man auch ständig erreichbar sein, da hält sich mein Mitleid in Grenzen ...

Viel interessanter finde ich seine Aussage bezüglich der Bestrafung von Teams, Ärzten, Trainern, Sponsoren und wer sonst noch Mitverantwortung (vielleicht gar die Hauptverantwortung) trägt.
Damit trifft er doch meiner Meinung nach den Nagel auf dem Kopf.



Geschrieben von steffi am 08.02.2005 um 18:00:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von kuestentanne
Viel interessanter finde ich seine Aussage bezüglich der Bestrafung von Teams, Ärzten, Trainern, Sponsoren und wer sonst noch Mitverantwortung (vielleicht gar die Hauptverantwortung) trägt.

kannst du das mal in einem Satz in deutsch sagen? *unschuldigtu*
edit: bitte Mädchen



Geschrieben von Cyclist am 08.02.2005 um 18:03:

  RE: Oscar Freire sagt....

Wenn ein Fahrer nur für wenige Stunden ausser Haus ist, dann können die Dopingfahnder eben ein paar Stunden später wieder kommen. Für mich gibt es Grenzen und die sind bei einem Verfahren, das an einen Überwachungsstaat erinnert (dort wurden die Daten auch nicht in der Zeitung veröffentlicht...) überschritten. Wenn die UCI nicht in der Lage ist, ihre Dopingfahnder ein paar Stunden später erneut zu einem Fahrer zu schicken, dann stimmt etwas in der Organisationsstruktur nicht. Bei polizeilichen Ermittlungen werden die Verdächtigen auch erneut aufgesucht, wenn sie beim ersten Mal nicht anzutreffen waren. Wenn die UCI Doping nur wirksam bekämpfen kann, wenn sie 24 Stunden rund um die Uhr die Aufenthaltsorte der Fahrer kennt, dann sagt das viel über diesen Verband aus (was wenn ein Fahrer spontan ne andere Traingsroute fährt? Darf er das dann noch?). Solche Maßnahmen kann ich nicht gutheißen, dann würde ich lieber auf die paar mehr aufgedeckte Dopingfälle verzichten als dass man sich dikatorischer Methoden bemächtigt.



Geschrieben von steffi am 08.02.2005 um 18:07:

  RE: Oscar Freire sagt....

de Facto ist es aber doch so, dass sich die Fahrer während ihrer aktiven Jahre ständig bewusst sein müssen, dass eine Kontrolle anstehen könnte. Ulle war ja auch nicht begeistert, als sie ihn nach einer DiscoNacht in der Reha heimsuchten, aber offensichtlich ist das einer der Preise, die die Profis in ihrer aktiven Zeit zahlen müssen: das Privatleben wird gläsern



Geschrieben von kuestentanne am 08.02.2005 um 18:09:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von crn
Das _ist_ eine extreme Einschränkung der Privatsphäre, allerdings erhält nur und ausschließlich das zuständige Institut, also die nationalen bzw. internationale Anti-Doping-Assos diese Informationen. Anders ist rein theoretisch Doping-Bekämpfung gar nicht denkbar.


Doch, es ist anders möglich, das wurde hier auch schon hin und wieder erwähnt. Und diese Lösung wäre für die Sportler sicher auch angenehmer.
Wenn man, wie von Freire selbst angedeutet, nicht immer nur die Sportler verknackt, sondern für die Dopingbekämpfung die Teams bzw. Vereine verantwortlich macht, sprich, wenn einer deren Sportler dopt, auch das Team dafür verantwortlich ist.

Dann würden die Teams selbst für die Tests sorgen.
Im Moment wird es nicht selten genau anders herum laufen.

Die jeweiligen Sportverbände und die WADA/NADA wären dann für die Wettkämpfe und für die Kontrolle der Vereine/Teams zuständig als oberes Kontrollgremium, so ähnlich also, wie es in anderen Wirtschaftsbereichen längst der Fall ist (Regulierungsbehörden, Wettbewerbsaufsicht, WHO, Berufsgenossenschaften beim Arbeitsschutz usw.).



Geschrieben von Cyclist am 08.02.2005 um 18:14:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von steffi
de Facto ist es aber doch so, dass sich die Fahrer während ihrer aktiven Jahre ständig bewusst sein müssen, dass eine Kontrolle anstehen könnte. Ulle war ja auch nicht begeistert, als sie ihn nach einer DiscoNacht in der Reha heimsuchten, aber offensichtlich ist das einer der Preise, die die Profis in ihrer aktiven Zeit zahlen müssen: das Privatleben wird gläsern


Dagegen sage ich auch gar nichts, aber hat Ulle der UCI seinen Discobesuch vorher melden müssen? Die Dopingbekämpfung sollte nicht dazu führen, dass jeder Schritt außer Haus gemeldet werden muss. Es muss aber natürlich gewährleistet sein, dass ein Fahrer im Laufe eines Tages an seinem Aufenthaltsort anzutreffen ist.



Geschrieben von steffi am 08.02.2005 um 18:14:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von kuestentanne
[Wenn man, wie von Freire selbst angedeutet, nicht immer nur die Sportler verknackt, sondern für die Dopingbekämpfung die Teams bzw. Vereine verantwortlich macht, sprich, wenn einer deren Sportler dopt, auch das Team dafür verantwortlich ist.


im Fall Phonak hat man versucht, ein Exempel zu statuieren, hat aber nicht so geklappt zahnlos



Geschrieben von steffi am 08.02.2005 um 18:17:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von Cyclist
[ Es muss aber natürlich gewährleistet sein, dass ein Fahrer im Laufe eines Tages an seinem Aufenthaltsort anzutreffen ist.

ich denke auch, dass das reicht und detaillierter schlecht durchführbar ist
ich glaube nicht, dass Ulle seine Discobesuche vorher irgendwo meldet zahnlos



Geschrieben von crn am 08.02.2005 um 18:17:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Original von steffi
im Fall Phonak hat man versucht, ein Exempel zu statuieren, hat aber nicht so geklappt zahnlos


Also wenn _das_ ein Exempel gewesen sein soll, dann gute Nacht Radsport (nein, ihr dürft nich in die ProTour, so! Aber dopt - äh - fahrt nur schön im Continental mit, wir sind ja nicht so ...)



Geschrieben von kuestentanne am 08.02.2005 um 18:19:

  RE: Oscar Freire sagt....

Zitat:
Freire also criticised the lack of sanctions on teams and doctors following doping cases. “That was the case with Santi Perez, whose cycling career has been ruined while Phonak have returned to where they were. It’s always the riders who are blamed. Doctors and teams ought to be held responsible for what their riders do.”


Dort sagt er doch, dass Santi Perez Karriere ruiniert ist, Phonak aber wieder da ist, wo sie vorher auch waren.

Zitat:
Doctors and teams ought to be held responsible for what their riders do.
ziehe den hut

Doktoren und Teams sollten dafür verantwortlich gemacht werden, was deren Fahrer tun.
Hat das schon mal ein Fahrer gesagt?

Genau so sehe ich das auch. Wie heißt es so schön? Der Fisch stinkt zuerst am Kopf!


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